Neanderland-Biennale bringt ab 29. Juni ungewöhnliche Inszenierungen in alle zehn Kreisstädte

Festival : Biennale macht wieder mächtig Theater

Die Neuauflage der Neanderland-Biennale bringt ab 29. Juni ungewöhnliche Inszenierungen in alle zehn Kreisstädte.

Man hätte auch einfach ein paar nette Stücke einkaufen und sie an den üblichen Orten aufführen lassen können. Aber die Organisatoren der Neanderland-Biennale haben anderes im Sinn. Sie wollen zugereistes Theater und heimisches Publikum zusammenführen, ideenreich verzwirnen und somit Aufführung für Aufführung ein unvergessliches Theater-Erlebnis schaffen. So weit die Theorie des Festivals.

In der Praxis bedeutet dies, dass lokale Akteure hier und da ganz buchstäblich ins Spiel kommen. Viel mehr als bloß schmückendes Beiwerk wird beispielsweise der Ratinger Chor „HartChor“ sein, wenn das Kölner NN-Theater am 11. Juli „Die Nibelungen“ im Ratinger Poensgenpark humoristisch fürs breite Publikum aufarbeitet. Auch der Monheimer Karnevalsverein „Marienburg-Garde“ spielt eine Rolle, wenn es dort am 6. Juli einen Spaziergang mit dem für spontanes Theater bekannten Ensemble „Emscherblut“ gibt, bei dem das Publikum den Akteuren auch Fragen zur Stadtgeschichte stellen kann, die dann spielerisch beantwortet werden. Und die ganz große Publikumsherausforderung werden die aufwendigen „Escape Games“ im Langenfelder Schaustall sein: Das dortige „Wetterlabor“ geht erst dann weiter, wenn das Publikum im „Escape Room“ aktiv wird und eingestreute Rätsel knackt. Klingt verrückt und ist es auch, dabei aber unglaublich faszinierend und spannend, kündigt Projektleiterin Meike Utke vom Kreis Mettmann an.

Sie hat aber nicht nur derart ausgefallene Formate, sondern – neben einer Western-Inszenierung in einem Velberter Bus und einer vertonten „Titanic“-Lesung für Hilden – mit „Heidi“ auch wieder klassisches Kindertheater für einen gemütlichen Sonntagnachmittag (30. Juni) auf dem Wülfrather Kirchplatz eingekauft. Die Schauspieler schlüpfen dort übrigens in sämtliche Rollen, auch in die der Ziegen. Märchenhaft bunt geht es auch in Mettmann zu, wenn die „Compagnie Pas de Deux“ dort am 13. Juli bei einem Gauklervarieté in der Fußgängerzone (Freiheitstraße) musiziert, singt, tanzt und turnt und dabei Witz, Poesie und Magie verströmen will. Dies alles bei hoffentlich gutem Wetter, sonst geht es mit den Gauklern in die Stadthalle, informieren die Organisatoren, die bei allen Biennale-Veranstaltungen für wetterfeste Ausweichräume gesorgt haben.

So muss auch niemand fürchten, dass das große Bürgerdinner zum Auftakt des Festivals am 29. Juni ins Wasser fallen könnte. Festlich gedeckt wird die lange Tafel, an der sich die Besucher mit mitgebrachten Speisen und Getränken niederlassen können, ganz vorsorglich unter dem Dach des Marktplatzes an der Bavierstraße in Alt-Erkrath. Für Amüsement sorgen lokale Helden wie die Erkrather Musikschule und die Kultur- und Theaterinitiative Neandertal – und ab 21 Uhr dann die Gruppe „Bankal Balkan“ aus Frankreich mit einer energiegeladenen Musikrevue. Hier gilt, wie bei vielen (aber nicht bei allen) Biennale-Veranstaltungen das bewährte Prinzip „Betaal wat de häs“, sprich der Besucher bezahlt am Ende, was ihm die Veranstaltung wert war.

Auf dem Programm: Gaukler in Mettmann (links) und Figurentheater für Erwachsene in Haan. Foto: Robert Jentzsch/Robert Jentzsch 0179-3288989
Harte Kerle mit Monatskarte: Ein publikumswirksames, aber eher verbales Kräftemessen gibt es beim mobilen Western „Longjohn auf der Flucht“ bei einer Busfahrt durch Velbert. Foto: Kreis Mettmann

Damit es wieder voll wird, gibt es in diesem Jahr zudem öffentliche Proben, einführende Veranstaltungen zu Inszenierungen, begleitende Biennale-Workshops in Schulen und es werden Gruppenbesuche für Menschen organisiert, die nicht alleine ins Theater und sich austauschen wollen. Gesucht werden zudem Festival-Tester, die bei freiem Eintritt ausgewählte Stücke besuchen und diese dann (nach einer Mini-Schulung) in Wort und Bild bewerten. Kontakt: Telefon 02104 991190.

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