Knorr-Bremse - Mitarbeiter kündigen Sanierungstarif

Wirtschaft : Knorr-Bremse – Mitarbeiter kündigen Sanierungstarif

150 Kollegen votierten einstimmig und fordern jetzt den von ihnen gezahlten Beitrag zur Zukunftssicherung zurück.

(arue) Rund 150 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter der Firma Knorr-Bremse in Wülfrath haben sich heute, Montag (8.4.), einstimmig dafür ausgesprochen, den so genannten Zukunftstarifvertrag mit ihrem Arbeitgeber zu kündigen. Das hat zur Folge, dass sie den in den vergangenen beiden Jahren von ihnen gezahlten Beitrag zurückfordern und auch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld des laufenden Jahres nicht mehr verzichten wollen. Nötigenfalls will die IG Metall diesen Anspruch auch gerichtlich durchsetzen. Das sagte Hakan Civelek, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft, im Nachgang zu der etwas mehr als zweistündigen Versammlung.

Doch worum geht es? Das Werk in Wülfrath, ehemals Tedrive Steering, wurde mit seinen jetzt mehr als 350 Mitarbeitern im Jahr 2016 von Knorr-Bremse übernommen. „Der Standort befand sich von Anfang an in einer angespannten finanziellen Lage“, berichtet Unternehmenssprecherin Alexandra Bufe. Bestandteil der Übernahme sei eine Personalvereinbarung zwischen Tedrive Steering und dessen Kunden Ford gewesen. Bis zum Jahr 2000 gehörte Tedrive Steering zum Kölner Ford-Konzern. Bis zu 200 Arbeitsplätze sollten nach der Übernahme durch Knorr-Bremse von Tedrive Steering in Wülfrath zu Ford nach Köln übertragen werden. „Von dieser Regelung haben bislang 73 Beschäftigte Gebrauch gemacht“, erläutert Bufe.

Teil der Übernahme war aber auch ein Fertigungsvertrag am Standort Wülfrath für Pkw-Lenkungen, der in diesem Jahr – und damit früher als erwartet – auslaufen wird. Die Beschäftigten erwarten daher ein Bekenntnis der Unternehmensleitung zum Standort in Wülfrath. Derzeit gilt für Knorr-Bremse Steering Systems ein Zukunftstarifvertrag, der 2016 geschlossen wurde und eine Laufzeit bis Ende 2019 hat. Die Mitarbeiter verzichten darin auf Lohnbestandteile, damit die Unternehmensleitung ein Zukunftskonzept entwirft und den Standort damit zukunftsfähig macht.

Die Beschäftigten sehen jedoch jetzt die Abmachung durch die Unternehmensleitung gebrochen, da bislang kein Zukunftskonzept vorliege. Alexandra Bufe hingegen betont, dass die Gespräche zwischen Geschäftsführung und Wirtschaftsausschuss sowie Betriebsrat noch andauern. „Die Mitarbeiter wurden in verschiedenen Betriebsversammlungen über die Möglichkeiten informiert“, sagt Bufe. Die Beschäftigten wollen jedoch offenbar nicht mehr abwarten und planen weitere Aktionen vor dem Werkstor. So sollen auch Wülfrather Bürger die Möglichkeit erhalten, sich mit ihnen solidarisch zu zeigen.

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