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Hilfstransport aus Wülfrath ging nach Lwiw.

Hilfe für die Ukraine : „Die Ukrainer sind siegessicher“

Oliver Schlieper und weitere Helfer brachten die gesammelten Spenden am vergangenen Wochenende nach Lwiw. Hilfe wird nach wie vor gebraucht.

Lange Staus an den Grenzübergängen und ein Luftalarm kurz nach der Ankunft: Die dritte Tour mit Hilfsgütern der privaten Wülfrather Initiative „Wir für die Ukraine“ nach Lwiw war ein Kraftakt. Organisator Oliver Schlieper zieht im Gespräch mit der RP dennoch ein positives Fazit. Trotz der Umstände. „Es gibt in der ukrainischen Bevölkerung eine sehr große Dankbarkeit für die Unterstützung“, betont er.

Freitagabend ging es los. Ankunft zurück in Wülfrath war Montagmorgen gegen 2 Uhr in der Früh. „Aufgrund der tollen Berichterstattung in der Presse und der Unterstützung durch den Bürgerverein Wülfrath-Düssel konnten wir vier Fahrzeuge voll mit Hilfsgütern in die Ukraine bringen“, erläutert Schlieper. Insgesamt zwölf Fahrer sorgten dafür, dass die gespendeten Dinge ihren Bestimmungsort in Lwiw erreichen. Dass man den vom Krieg unmittelbar betroffenen Menschen auch weiterhin helfe, sei immens wichtig, hebt er hervor.

Schlieper, dessen Frau Inna aus der Ukraine stammt und dort auch Verwandte hat, sieht allerdings einen rückläufigen Trend: „Man merkt mit der Dauer des Krieges, dass die Hilfsbereitschaft nachlässt.“ Denn es waren etwas weniger Güter als bei den ersten beiden Touren. Das nehme er den Menschen nicht übel. Immerhin wachsen mit jeder Woche, die der Krieg andauert, auch Ängste und Sorgen von Menschen in Deutschland. Steigende Kosten bei Lebensmitteln und Energie machen auch vielen hier zu schaffen, sodass auch nicht alle in der Lage sind, Hilfsaktion finanziell zu unterstützen. „Ich denke, das spielt auch eine Rolle“, räumt der Organisator ein.

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Umso dankbarer ist der gelernte Krankenpfleger für die Unterstützung, die es für die dritte Fahrt gab. Die Spendenbereitschaft war nicht nur bei den Sachspenden da, sondern auch beim Geld zur Finanzierung der Fahrt. So gab es sogar eine Spende aus den USA von einem ehemaligen Wülfrather, berichtetet der Bürgerverein Düssel.

Anders, als bei den beiden vorherigen Fahrten, ging es bei dem Transport nicht nur bis zur polnisch-ukrainischen Grenze, sondern direkt in die Ukraine. Das ist möglicherweise der Grund, dass die Autovermietung Arndt, die die ersten beiden Fahrten, die nur bis zur polnisch-ukrainischen Grenze gegangen sind, mit mietfreien Fahrzeugen unterstützt hat, ihr kostenfreies Engagement beendet hat, schreibt der Bürgerverein in einer Pressemitteilung zur Aktion. „Zum Glück sind zwei Kleinfirmen in die Bresche gesprungen und haben uns Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Die haben nur gefragt: wann müssen die Fahrzeuge wo sein“, sagt Bürgervereinsmitglied Roland Schary.

Schlieper und die anderen Akteure waren sich der Gefahr dieser Fahrt bewusst. Schließlich gings es direkt in ein Land, in dem Krieg herrscht. So erlebten sie am Ankunftsabend in Lwiw, ehemals Lemberg, einen Luftalarm hautnah mit. „Die Ukrainer blieben allerdings recht entspannt, da es sich um einen landesweiten Alarm handelte. Das gehört für sie inzwischen ganz normal dazu wie das tägliche Zähneputzen“, schildert er seine Eindrücke. „Das Volk will sich nicht einschüttern lassen und weiter kämpfen. Sie zeigen sich siegessicher. Je mehr Waffen sie haben, desto besser können sie sich verteidigen“, ergänzt Schlieper.

Wegen der kilometerlangen Staus an der Grenze zog sich die Fahrzeit für die Rundtour mit einer Gesamtlänge 2600 Kilometern zusätzlich hin. Gerne würde der Wülfrather erneut einen Hilfstransport organisieren. Denn die Ukrainer seien nach wie vor auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zunächst aber möchte er den 9. Mai abwarten, an dem Russland traditionell den Sieg über Nazi-Deutschland feiert. „Ich möchte erst abwarten, was genau an dem Tag verkündet wird. Die Sicherheit der Fahrer geht vor.“