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"Floh im Ohr" feiert Premiere bei den Schlossfestspielen Neersen

„Floh im Ohr“ bei den Schlossfestspielen Neersen : Gelungene Premiere vor 200 Zuschauern

Ein Stück voller Wortwitz, mit raffiniertem Bühnenbild und Schauspielern, die in ihren Rollen aufgehen, zeichnen die Neersener Inszenierung der Komödie „Floh im Ohr“ aus, die am Samstagabend Premiere feierte.

Intendant Jan Bodinus muss den Schalk im Nacken sitzen gehabt haben, als er sich an die Inszenierung des Stücks „Floh im Ohr“ machte, mit dessen Premiere am Samstag die Abendvorführungen vor der Kulisse des Neersener Schlosses eröffnet wurden. Aber auch Komödiant Kalle Pohl, der gleich zwei Rollen spielt, hat seinen Teil dazu beigetragen, dass aus der mehr als 100 Jahre alten Komödie des Franzosen Georges Feydeau ein Stück geworden ist, das nicht nur durch die Handlung, sondern vor allem durch seinen Wortwitz begeistert.

Viele der Wortspiele, gewollten Versprecher und Wortneuschöpfungen tragen die Handschrift des Kölners, der seit 30 Jahren als Komiker auf Bühnen und im Fernsehen zu sehen ist. Auch in Neersen war der 69-Jährige bereits zu sehen: 2018 hatte er die Hauptrolle in der Komödie „Charlys Tante“. Und wie schon vor drei Jahren, kommt Pohl auch in diesem Sommer gut an bei den Zuschauern. Die 200 Premiere-Gäste, die am Samstagabend auf der Tribüne des Freilufttheaters Platz nehmen durften, lachten viel und hatten sichtlich Freude an der Aufführung, die sie nach zwei Stunden mit Standing Ovations beklatschten.

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Neben Kalle Pohl glänzt vor allem Fabienne Hesse, die erstmals zum Ensemble der Schlossfestspiele gehört und ganz schnell zum Publikumsliebling werden dürfte. Als Lucienne Homenidès De Histangua muss die gestandene Schauspielerin und Musicaldarstellerin gar nicht viel sagen, weil sie mit ihrer wunderbaren Mimik alles ausdrücken kann. Betont wird der herrlich gouvernantenhafte Auftritt durch das hochgeschlossene Kostüm und die spitze Brille. Im zunehmenden Chaos der Handlung ist sie die Einzige, die stets die Contenance bewahrt.

Im krassen Gegensatz dazu steht ihr Gatte Carlos, dem Darsteller Dimitri Tellis das feurige Temperament eines spanischen Hasardeurs verleiht, was dem Stück eine gewisse Rasanz gibt. Sehr komisch ist der Auftritt von Sören Ergang, ein weiterer Neersener Neuzugang, dessen Bühnenfigur Camille Regisseur Jan Bodinus mit einem Sprachfehler ausgestattet hat. So wird aus „in cognito“ schnell „in omnito“, aus „Katze“ wird „Atze“ und aus „Bitte“ – klar: „Titte“. Abhilfe schafft schließlich eine „Aumenlatte“, sprich Gaumenplatte.

Mehr sehen würde man gerne von Beatrice Kaps-Zurmahr, die mit großer Bühnenpräsenz und einem sympathischen, schelmischen Gesichtsausdruck die Hotelbesitzerin Olympe Ferraillon spielt. Und tatsächlich wird ein Teil des Ensembles auch im zweiten Abendstück, „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare, das am 24. Juli Premiere feiert, wieder zu sehen sein. Neben Sören Ergang und Beatrice Kaps-Zurmahr stehen dann auch Nicole Spiekermann, die bei „Floh im Ohr“ die Rolle der Colette mit Bravour meistert, und Stefan Gebelhoff, der als Arzt und Schwerenöter für Unruhe sorgt, wieder auf der Bühne.

Aber auch die Komödie „Floh im Ohr“ bleibt im Spielplan. Bis zum 6. August soll es noch 21 Aufführungen des kurzweiligen, spaßigen Stücks geben. Überhaupt erwartet das Neersener Publikum ein toller Theatersommer. Neben den drei großen Stücken „Doktor Dolittle und seine Tiere“ für Kinder ab vier Jahren und den Abendstücken „Floh im Ohr“ (an dem übrigens auch Jugendliche Spaß haben) und „Ein Sommernachtstraum“, gibt es im Rahmenprogramm unter anderem die Gastspiele „Tigerwild“, „Leise kann doch jeder“, „Allein mit Audrey Hepburn“, „Das Boot ist voll“, „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ sowie „Sissi – Kaiserin der Herzen“. Den Abschluss bildet Mitte August die Opern- und Operettengala im Schloss.