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Wie Gesamtschüler aus Schermbeck bedrohten Pflanzen helfen können

Im Naturschutzgebiet Lichtenhagen : Schermbecker Gesamtschüler schützen bedrohte Pflanzen

Schermbecker Gesamtschüler haben sich jetzt an einem Arbeitseinsatz im Naturschutzgebiet Lichtenhagen beteiligt. Sie haben unerwünschte Bäumchen und Büsche beseitigt, damit die Feuchtheide dauerhaft erhalten bleiben kann.

Ihre Schulbänke haben Schüler und Schülerinnen der Schermbecker Gesamtschule jetzt  gegen einen Aufenthalt im Brichter Naturschutzgebiet Lichtenhagen eingetauscht. Dort waren sie einen ganzen Vormittag über im Einsatz, um die Natur zu schützen.

Die Unterdrückung der Schwächeren durch den Stärkeren ist nicht nur gängige Praxis unter konkurrierenden Menschen, sondern auch in der Pflanzenwelt zu beobachten. Dort breiten sich manche Gewächse so schnell aus, dass sie andern Pflanzen den Lebensraum streitig machen. Und das kann dazu führen, dass manche Pflanzenarten völlig verdrängt werden.

Genau das passiert auch in Naturschutzgebieten, die eigentlich angelegt wurden, um pflanzliche oder tierische Raritäten dauerhaft zu erhalten. Ein solches ist das Naturschutzgebiet Lichtenhagen am Ostrand des Dämmerwaldes. Naturräumlich gesehen gehört das 101,5 Hektar große Gebiet zu den am äußersten Rand des Niederrheinischen Tieflandes gelegenen Niederrheinischen Sandplatten, die in östlicher Richtung in die Westfälische Tieflandsbucht übergehen.

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Nach Beendigung des Tonabbaus konnte sich der Lichtenhagen nahezu ungestört entwickeln. Im Jahre 1986 wurde das Gebiet als Naturschutzgebiet (NSG) festgesetzt. Das Gebiet wird vom RVR-Eigenbetrieb Ruhr Grün betreut. Die zur Erhaltung des NSG erforderlichen Arbeiten können weder personell noch finanziell von diesem Betrieb gestemmt werden. Umso mehr freut man sich, dass sich Schulen bereit erklären, ihre Schüler zu ehrenamtlichen Arbeiten zu motivieren.

Seit 2019 besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen Ruhr Grün und der Oberstufe der Schermbecker Gesamtschule. Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens wurde eine Projektwoche organisiert. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern fand sich zusammen, um ein paar Tage als Naturschützer unterwegs zu sein. Die Arbeit hat allen so viel Spaß gemacht, dass die Oberstufenschüler beschlossen, als „Napros“ (Naturschutz-Projektförderer) weiterhin aktiv zu bleiben. Das erste Gemeinschaftsprojekt mit Ruhr Grün leistete einen Beitrag zur Verbesserung des Lebensraumes von bedrohten Reptilien und Insekten in der Uefter Mark.

 Der Neuntklässler Luis Carlos (15) kam beim Transport von abgeschnittenen Bäumen zum Sammelplatz ordentlich ins Schwitzen.
Der Neuntklässler Luis Carlos (15) kam beim Transport von abgeschnittenen Bäumen zum Sammelplatz ordentlich ins Schwitzen. Foto: Helmut Scheffler

Anfang der Woche ging es im Lichtenhagen um eine Maßnahme zur Erhaltung der Biodiversität. Mit ihrer Lehrerin Rita Kersting rückten zwölf Schüler der Q 1 an, um einige unerwünschte Pflanzen zu beseitigen, damit die Feuchtheide dauerhaft erhalten bleiben kann. Diesmal kamen auch 25 Achtklässler mit ihrer Lehrerin Bianca Sadowski in den Lichtenhagen. Am Ende der Unterrichtsreihe „Wald und Boden“ hätten die Schüler im vergangenen Jahr eigentlich an einer Fahrt ins Jugendwaldheim Obereimer teilnehmen sollen. Die Fahrt entfiel jedoch wegen der Pandemie. Stattdessen ging es nun ins Naturschutgebiet Lichtenhagen.

Dort wurden die Lehrerinnen, die Schülerinnen und Schüler von der Diplom-Landschaftsökologin Lina Marie Birwe, dem Landschaftsarchitekten Oliver König und dem Diplom-Ökologen Heinz Hermann Verholt empfangen. Nach einer allgemeinen Einführung in die Aufgaben der RVR-Betriebs Ruhr Grün und in die Bedeutung eines Naturschutzgebietes, das gleichzeitig ein FFH-Gebiet ist, wurden die Schüler in ihre Aufgabe eingewiesen. FFH-Gebiete sind Europäische Schutzgebiete für Natur und Landschaft. Um einige gefährdete Pflanzen wie den Sonnentau und den Blutwurz zu erhalten, müssen konkurrierende Sträucher und Bäume beseitigt werden.

Mit Astscheren und Sägen leisteten die Schüler ganze Arbeit. Etwa mannshohe Birken, Weiden, Kiefern, Haselnuss, Weißdorn und Traubenkirschen konnten einzelne Schüler durch das hügelige Gelände zum Sammelplatz bringen. Bei höheren Bäumen war Teamarbeit gefragt. Wer die kräftezehrende Arbeit umgehen wollte, konnte auf allen Vieren die aus dem Erdboden wachsenden jungen Bäumchen oder Brombeer-Pflänzchen entfernen. Die Waldkiefer konnte unmittelbar über dem Erdboden abgeschnitten werden, weil die dadurch gekappte Wurzel nicht mehr ausschlägt. Mini-Birken hingegen mussten samt Wurzel herausgezogen werden, um zu verhindern, dass sich die Wurzel nach dem Kappen des späteren Stammbereiches verzweigt.

„Das war eine richtig gute praktische Arbeit“, bewertete der Q1-Schüler Tom Lensing den Arbeitseinsatz im Lichtenhagen. „Nicht nur demonstrieren, sondern auch handeln“, empfahl Jan Daunheimer als wichtige Aufgabe zum Erhalt von Pflanzen, die auf der roten Liste stehen.