Wesel: An Schulen fehlen Lehrer und Sonderpädagogen

Wesel : Gewerkschaft beklagt Lehrermangel

Die Lehrergewerkschaft GEW sagt, dass es an den Schulen im Kreis zu wenig ausgebildetes Personal gebe. Beim Schulamt für den Kreis Wesel ist man dagegen froh, dass in Wesel und Umgebung fast alle Lehrerstellen besetzt sind.

Der Lehrerverband schlägt Alarm: An deutschen Schulen seien derzeit rund 10.000 Lehrerstellen nicht besetzt. Dazu kämen etwa 30.000 Stellen, die notdürftig mit Nicht-Lehrern, Seiteneinsteigern, Pensionisten und Studenten besetzt würden. Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kreisverband Wesel, ist man ebenfalls besorgt darüber, dass viele Lehrerstellen aus Ermangelung an Fachpersonal an Seiteneinsteiger vergeben werden. „Wir haben zwar im Kreis noch nicht die Probleme wie in Duisburg“, sagt Heinz-Dieter Hamm, der Vorsitzende der GEW im Kreis. „Aber es fehlen nicht nur die ausgebildeten Grundschullehrer, sondern vor allem auch Sonderpädagogen im Rahmen der Inklusion.“ Die Idee des Kultusministeriums, stattdessen Sozialpädagogen einzustellen, zeige nur, „dass es sich hier um ein einziges Flickwerk handelt. Dabei ist Bildung unsere Zukunft.“

Beim Schulamt für den Kreis Wesel sieht man das Problem der fehlenden Lehrer eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres vergleichsweise gelassen. Wie Schulrätin Nicole Wardenbach auf Anfrage erklärt, gebe es in Hamminkeln, Schermbeck und Hünxe keine einzige vakante Stelle. Allein in Wesel gebe es derzeit noch zwei unbesetzte Stellen. „Die werden aber zum 1. November neu ausgeschrieben. Bis dahin werden wir mit Abordnungen arbeiten.“ Das bedeutet, dass Schulen mit einem gewissen Überhang einige ihrer Lehrer anderen Schulen stundenweise zur Verfügung stellen. „Das passiert aber nur in Fächern wie Sport, Kunst und Musik. Die Klassenleitungen sind dagegen in allen Schulen besetzt“, sagt die Schulrätin. Mit abgeordneten Lehrern will sie auch das Problem in Hamminkeln lösen, wo es „ein kleines Defizit von ein paar Stunden gibt“.

Entspannt: Schulrätin Nicole Wardenbach. Foto: Klaus Nikolei/privat

Vergleichsweise ideale Zustände herrschen an den drei Grundschulen in Hünxe, wo in den Kollegien keine Vertretungskräfte (zum Beispiel Studenten kurz vor dem Abschluss) beziehungsweise Seiteneinsteiger zu finden sind. Der Schulrätin ist es wichtig zu betonen, dass Seiteneinsteiger nur in bestimmten Fächern zum Einsatz kommen. Und zwar in Sport, Englisch, Musik und Kunst. „Das sind alles Leute mit einer akademischen Ausbildung. Sie fangen in den Schulen in ihrem Fach an und werden nebenher durch das Studienseminar ein Jahr lang pädagogisch geschult“, sagt Nicole Wardenbach. Das Ziel sei es, die Seiteneinsteiger dauerhaft an die Schulen zu binden.

Verärgert: GEW-Vorsitzender Heinz-Dieter Hamm. Foto: GEW

Wenn in der kommenden Woche die Sommerferien enden, werden ab Mittwoch in Wesel 2076 Mädchen und Jungen in den neun Grundschulen von 157 Lehrern (davon zwei Seiteneinsteiger und 13 Vertretungskräfte) unterrichtet. Die kleinste Schule ist die in Blumenkamp (173 Kinder), die größte an der Böhlstraße in der Innenstadt (416). In Schermbeck besuchen 393 Kinder die beiden fast gleich großen Grundschulen, in denen 37 Lehrer (zwei davon sind Seiteneinsteiger, vier Vertretungslehrer) beschäftigt sind. In Hünxe gibt es an den drei Grundschulen 29 Lehrer und 432 Kinder. Die größte ist die Karl-Vogelsang-Schule (171), die kleinste die Otto-Pankok-Schule (123) in Drevenack. Und in Hamminkeln arbeiten 70 Lehrer in vier Schulen (ein Seiteneinsteiger, drei Vertretungslehrer) mit 968 Mädchen und Jungen. Die meisten davon gehen zur Hamminkelner Gemeinschaftsgrundschule (277), die wenigsten in die Brüner Landwehr-Schule.

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