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Wesel: Halinka Fritz will in Kiew demonstrieren

Wesel : Halinka Fritz will in Kiew demonstrieren

Die Frau des Kämmerers stammt aus der Ukraine und verfolgt jeden Tag gebannt die Ereignisse in ihrer Heimat Sie sympathisiert mit der Opposition gegen Ministerpräsident Janukowitsch. Am 10. Februar fliegt sie zu ihrer Familie.

"Morgens mache ich als Erstes das Radio an und höre, was über Nacht passiert ist", erklärt Halinka Fritz, Frau des Weseler Kämmerers Paul-Georg Fritz, die vor zehn Jahren aus der Ukraine nach Deutschland zog. Rund 1600 Kilometer lebt sie von ihrer Heimat nahe Lemberg entfernt. Und trotzdem: "Mit den Gedanken bin ich da. Schlafen kann man da nicht", beschreibt sie die Situation, seit sich in ihrem Heimatland die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition immer weiter zuspitzt. "Ich gehöre eigentlich da hin", beschreibt sie das Gefühl, die Opposition unterstützen zu wollen. Das tut sie bald: Am 10. Februar wird die 37-Jährige in die Ukraine fliegen. Ein Aufenthalt, der zwar schon länger geplant ist, nun aber unter besonderen Voraussetzungen stattfindet.

"Meine Oma hat Geburtstag, deshalb habe ich schon im November gebucht", erklärt sie den Grund ihrer Reise. "Nach Kiew möchte ich aber auch", sagt sie. Dass das nicht ungefährlich ist, wissen sie und ihr Mann. "Ich kann sie gut verstehen", sagt Paul-Georg Fritz. Wohl scheint ihm beim Gedanken an ihre Reise nicht zu sein — kein Wunder angesichts der Meldungen über zunehmende Gewalt im Kampf um einen Wandel. "Das Wichtigste ist, dass es keinen Bürgerkrieg gibt", so der Kämmerer. Doch auch momentan ist die Situation extrem heikel, wie Halinka Fritz aus ihrer täglichen Internetrecherche weiß.

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"Am Sonntag habe ich mit meiner Mutter geskypt, sie hat die ganze Zeit geweint. Sie hat Angst, dass noch mehr passiert", erklärt Halinka Fritz. Skypen (Bildtelefonie im Internet), das geht nur, wenn der Strom da ist, der würde in der Ukraine aber mittlerweile oft abgeschaltet. Der Leidensdruck wegen der Begebenheiten vor Ort ist groß — auch bei ihrer Mutter, die selbst ins rund 600 Kilometer entfernte Kiew wollte, um mitzudemonstrieren. "Sie war über 35 Jahre Chefin bei der Post, nun bekommt sie 120 Euro im Monat Rente. Wie soll man davon leben?", fragt Halinka Fritz. Korrupte Polizisten, Krankenhäuser, in denen Bestechung bei Behandlungen üblich ist — das sei die Alltagssituation in der Ukraine. Man müsse sich wehren, bekräftigt die 37-Jährige. "Viele haben Angst, dass etwas passiert. Aber wenn man nicht für eine Sache eintritt, dann wird es nicht besser", beschreibt sie die Situation in ihrem Heimatland.

Deshalb will die Mutter von drei Kindern bei ihrem Besuch Anfang Februar in Lembeck und dann in Kiew auf dem Maidan die Opposition unterstützen. "Oppositionsführer Vitali Klitschko geht es um die Leute, nicht ums Geld", sagt sie.

Er habe gesehen, dass es auch anders geht. "Ich bin positiv eingestellt, die Opposition wird gewinnen. Ich wünsche mir, dass Präsident Janukowitsch so schnell wie möglich weg ist. Die ganze Regierung sollte ausgetauscht werden", sagt sie. Die 37-Jährige wünscht sich an deren Stelle jüngere, europäisch geprägte Menschen und weniger Anlehnung an Russland. "Da muss was passieren, so kann es nicht weitergehen", sagt sie.

(RP)