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Wesel: Der Brückenpfeiler ist ein Störfaktor

Wesel : Der Brückenpfeiler ist ein Störfaktor

Pfeiler der alten Weseler Rheinbrücke steht noch. Doch jetzt ist die Suche nach Kampfmitteln abgeschlossen, der Abriss kann eingeleitet werden. Und: Die neue Brücke muss ihre erste Technik-Prüfung bestehen. Dafür wird sie geschlossen.

An einem Sonntag in den Ferien wird die Rheinbrücke gesperrt. Wann genau, steht noch nicht fest, aber es wird nicht am PPP-Wochenende sein. Grund der Sperrung ist die erste Hauptprüfung, die nach fünf Jahren "unter Verkehr" für das Bauwerk auf dem Plan steht. Dies sagte Franz-Josef Scheuer vom Landesbetrieb Straßen NRW, der sich noch immer mit der alten Weseler Rheinbrücke rumplagt. Bekanntlich hatten verschiedene Dinge dazu geführt, dass der Zeitplan zum Abriss der beiden noch im Strom stehenden Pfeiler aus dem Takt gekommen ist. So passte mal der Wasserstand nicht für Arbeiten am flachen linken Flussufer. Zudem war aufwendig nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg zu suchen. Aber dies ist nun abgeschlossen.

Im Juli/August soll damit begonnen werden, den Pfeiler am rechten Ufer mit einem Spundwandkasten zu umschließen. In etwas Abstand kommt noch eine Dalbenkonstruktion hinzu, mit der die Baustelle vor einer Havarie geschützt wird. Lange, zu Tal fahrende Schiffe könnten in der Linkskurve driftend mit dem Heck nach rechts ausschwenken und den Spundwandkasten treffen.

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So breit der Rhein bei Wesel auch ist, so eng ist es ausgerechnet im Linksknick unter der Brücke, wo außerdem noch Verkehr vom Stadthafen und von der Kanalzufahrt (Schleuse, Hafen Emmelsum, Rhein-Lippe-Hafen) hinzukommt. Zur Erinnerung: Der Brücken-Neubau (ohne Strompfeiler) wurde nur möglich, weil die Bundeswasserstraßenverwaltung gut 45 Prozent der Kosten beisteuerte, um endlich die Pfeiler der alten Brücke aus dem Wasser zu bekommen.

"Da hat sich vor 100 Jahren niemand drüber Gedanken gemacht", sagt Ingenieur Scheuer zur ausgesprochen unglücklichen Positionierung des rechtsrheinischen Pfeilers. Die Rheinbabenbrücke, 1913 bis 1917 gebaut, war nach der Kriegszerstörung Basis für das 1953 eingeweihte und erst 2009 ersetzte Provisorium. Unterdessen entwickelt sich besagter Pfeiler am Wesel Ufer immer mehr zum Störfaktor. (Container-) Schiffe werden größer, Ausbaupläne der Hafengesellschaft Deltaport konkreter. Deren Geschäftsführer Jens Briese bestätigt den Trend zu größeren Frachtern und auch Schubverbänden. Bereits jetzt komme es vor, dass an der Engstelle der eine auf den anderen warten müsse.

Straßen NRW und die Firma Jaeger Umwelt + Verkehr (Bernburg) stehen in den Startlöchern. Etwa 40 mal 20 Meter groß wird der Kasten, der den Pfeiler ummantelt und dann leergepumpt wird. Um den Kasten zu verstärken, sind Streben aus Stahl und Beton nötig. Der Beton muss durch ein Rohr vom Ufer aus über einen Schwimmkörper mit zweiter Pumpe gut 100 Meter weit zur Baustelle transportiert werden.

Die 150 Meter breite Fahrrinne für die Berufsschifffahrt wird wegen der Bauarbeiten auf rund 85 Meter reduziert. An der Stelle muss dann langsamer gefahren werden. Teils wird es ein Begegnungsverbot geben. Ohne Winterpause soll durchgearbeitet werden. Noch in 2015 soll der Pfeiler weg sein. Scheuer rechnet damit, dass Hochwasser den Spundwandkasten ein bis zweimal fluten wird. Um den Abriss des Pfeilers im verkehrsfreien Innenbogen macht er sich die wenigsten Sorgen.

Übrigens wird nach dem Abriss die neue Brücke komplettiert. Mit dem zweiten Radarausleger kommt die Seitenanstrahlung des Pylons.

(RP)