Kreis Wesel: Lippe fließt jetzt entfesselt zum Rhein

Kreis Wesel: Lippe fließt jetzt entfesselt zum Rhein

Minister Johannes Remmel begrüßt Verlegung des Lippe-Flussbetts bei Wesel als Vorzeigeprojekt. Sie wertet den Mündungsraum ökologisch auf, schafft Platz für Hochwasser, dient der Kiesindustrie und dem Bau der B 58n.

Wer in den letzten fünf Jahren regelmäßig auf der B 8 zwischen Wesel und Dinslaken unterwegs war, der hat von der Brücke am Lippeschlösschen aus gewaltige Erdbewegungen beobachten können. Die Landschaft ist nach einem hoch komplizierten Plan mit Gewinn für alle verändert worden. Wo die Lippe früher kanalisiert ihren Lauf zur nahen Mündung in den Rhein nahm, da breitet sich jetzt eine Aue aus, die sich naturnah entwickeln wird. Das lässt sich schon geraume Zeit mit Gewissheit sagen, denn etliche Arten haben Flora und Fauna bereits bereichert.

Das Projekt Lippeverlegung, 2005 mit einem Vertrag gestartet und 2009 begonnen, hat Ökologie, Ökonomie und Hochwasserschutz unter einen Hut gebracht. Das wurde gestern mit einem kleinen Festakt an der nun wieder entfesselt zum Rhein strömenden Lippe gefeiert. Landesumweltminister Johannes Remmel sprach von einem "Vorzeigeprojekt" und fühlte sich angesichts des neuen Landschaftsbildes gleich zum Fliegenfischen angeregt.

Im März war die Lippe bei Niedrigwasser noch auf ihrer alten Linie bei Wesel Richtung Rhein unterwegs und nicht mit der neuen Auenlandschaft verbunden. Foto: Hans Blossey

Es klingt nach der Quadratur des Kreises: Kies und Sand gewinnen, Rückhalteraum für Rhein- und Lippehochwasser schaffen, Biotope anlegen, Gewerbeflächen erschließen und Platz für die Weseler B 58-Südumgehung schaffen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der neuen Rheinbrücke steht. Das alles hat vergleichsweise reibungslos geklappt. Land, Kreis, Stadt, Lippeverband, Straßen NRW, RAG und die Weseler Kiesfirma Hülskens hatten dazu den öffentlich-rechtlichen Vertrag geschlossen.

Holger Ellerbrock, Dr. Ansgar Müller, Dr. Jochen Stemplewski, Ulrike Westkamp, Minister Johannes Remmel, Marie-Luise Fasse, Norbert Meesters und Werner Schauerte-Küppers (v.l.) pflanzten beim Festakt Silberweiden. Foto: Peggy Mendel
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Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 17 Millionen Euro gab das Land. "Aus dem Wasserentnahmeentgelt, was ja nicht unumstritten ist. Aber hier kann man sehen, was damit gemacht wurde", sagte Minister Remmel. 76 Hektar Aue sind entstanden. Auf einer Strecke von 2,5 Kilometer kann die Lippe nun wieder frei fließen. An manchen Stellen 160 Meter breit und damit dreimal so breit wie vorher. An gut 60 Tagen im Jahr soll das Gelände überflutet sein. Eine Kinderstube für Jungfische und ein Refugium für Eisvogel, Uferschwalbe, Biber, Fischotter sind die Ziele. Aufgestaut wird das Lippewasser durch eine sogenannte Sohlgleite, eine künstliche Stufe aus Steinen nahe der Mündung in den Rhein. Hier wurde eine Umtragestelle für Kanuten angelegt. Bis 2027 will das Land rund 2,1 Milliarden Euro in das Programm "Lebendige Gewässer" stecken, um die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen.

Die Lippe ist mit 220 Kilometer Länge übrigens der längste Fluss Nordrhein-Westfalens und der einzige, der alle drei Landesteile durchfließt. Touristisch verbindend wirkt die neue Römer-Lippe-Route von Xanten nach Detmold, von der aus die neu modellierte Landschaft gleichfalls genossen werden kann.

Vor zahlreichen Gästen schritten acht Vertreter gestern schließlich bei dem kleinen Festakt zur Tat und pflanzten Silberweiden am Ufer: Umweltminister Johannes Remmel (Grüne), die Landtagsabgeordneten Marie-Luise Fasse (CDU), Norbert Meesters (SPD) und Holger Ellerbrock (FDP) sowie Landrat Dr. Ansgar Müller und Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Dr. Jochen Stemplewski (Lippeverband) und Werner Schauerte-Küppers (Hülskens).

(RP)