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Viersen: Wohnen am Kaiser's-Hochhaus?

Viersen : Wohnen am Kaiser's-Hochhaus?

Das Management des früheren Viersener Großunternehmens denkt über eine neue Nutzung des ehemaligen Verwaltungssitzes am Lichtenberg nach. Bürgermeister Günter Thönnessen sieht Kaiser's "massiv in der Pflicht".

Es waren deutliche Worte, die Viersens Bürgermeister Günter Thönnessen der Spitze der Immobilienabteilung von Kaiser's Tengelmann mit auf den Rückweg in ihre neue Konzernzentrale in Mülheim gab: "Viersen hat Kaiser's über Jahre die Treue gehalten. Daher hat die Entscheidung des Konzerns die Menschen in der Stadt irritiert, als es 2010 hieß, der Verwaltungssitz zieht nach Mülheim um. Es gab hier eine leichte Verbitterung. Ich denke, Kaiser's hat in Viersen etwas gutzumachen."

Urban Plattes, seit Mai Vorsitzender der Geschäftsführung der Tengelmann Real Estate und damit zuständig für den Immobilienbesitz des Unternehmens, zeigte sich davon unbeeindruckt, als er die "ersten Visionen" zur Modernisierung des alten Verwaltungshochhauses am Lichtenberg und eine mögliche Neugestaltung des Umfeldes vorstellte. Seit zwei Jahren hat Kaiser's vergeblich versucht, das neungeschossige Objekt über einen Makler auf den Markt zu bringen. "Viersen ist eben nicht Frankfurt", kommentierte Plattes dieses Ergebnis.

Als vor einigen Monaten die Viersener Grünen in einer Sitzung des Hauptausschusses erste Gedanken über eine mögliche Nutzung des Gebäudes als zentralen Standort der Stadtverwaltung ins Spiel brachten, kam Bewegung in die Angelegenheit. Auch wenn die Politik dem Modell wenig Chancen einräumte, die Mülheimer Denker sahen eine Möglichkeit, die leerstehende Immobilie zu reaktivieren. "Das ist mit Blick auf das benachbarte Baugebiet Solferinostraße städtebaulich in Viersen ein ganz wichtiger Bereich", betonte Plattes, der für einen Kurzvortrag in den Viersener Hauptausschuss gekommen war. Er räumte ein, dass es noch keine Pläne, sondern nur "erste Gedanken" für eine Nutzung des 43 000 Quadratmeter großen Areals gibt. Kaiser's könne sich vorstellen, das Hochhaus zu modernisieren und als Bürostandort zu erhalten, im Umfeld könnte sich Wohnen oder Gewerbe entwickeln. Plattes: "Wir sind ganz am Anfang."

Nach einer Sanierung bietet das Hochhaus 35 Arbeitsplätze auf jeder Etage, dazu kommen noch rund 2000 Quadratmeter unter anderem im Bereich der ehemaligen Kantine. Auch für das Kesselhaus, das derzeit noch in Betrieb ist, könnte sich der Geschäftsführer eine neue Nutzung vorstellen: "Zum Beispiel als Veranstaltungshalle."

Hier legte Bürgermeister Günter Thönnessen noch einmal den Finger in die Viersener Wunde: "Wir wollen auf keinen Fall, dass durch irgendwelche Überlegungen, die bestehenden Arbeitsplätze im dortigen Fleischereibetrieb oder im Logistikzentrum durch bauliche Maßnahmen gefährdet werden." Plattes versprach abschließend, das Hochhaus auch dann zu sanieren, wenn die Stadtverwaltung es nicht nutzen sollte.

(RP)