Viersen: Der Martinszug, bei dem doppelt geteilt wird

Brauchtum: „Ich geh’ mit meiner Laterne...“

Beim Martinszug der Körnerschule wird gleich doppelt geteilt. Wir stellen stellvertretend für alle Martins stille Helfer vor.

Dieser Abend wird Kraft kosten: Laufen. Singen. Laterne schwenken. Am Donnerstagfrüh gab’s deshalb für alle ein reichhaltiges Frühstück in der Körnerschule: einen Drei-Kilogramm-Weckmann. Nicht für jeden der rund 300 Grundschüler, aber für jede Klasse. Und dann schauten sich die Schüler noch einmal ihre selbst gebastelten Laternen an: In den ersten Klassen haben sie die Form der Klassentiere – Pinguin, Eule... Die der vierten Klassen erinnern an Kunstwerke von Friedensreich Hundertwasser.

Polizist Dominic Leiterer hebt die Kelle. Er marschiert seit vier Jahren an der Spitze des Martinszuges der Körnerschule. Die kennt er gut. „Meine Kinder haben diese Schule besucht“, erklärt der Mann mit der neongelben Sicherheitsweste. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Seit Jahrzehnten hat die Grundschule in der Viersener Innenstadt ihren eigenen Martinszug. Der ist besonders, weil es gleich zwei Mantelteilungen gibt. Eine auf dem Schulhof. Und eine auf der Wiese des nahegelegenen Kinderkrankenhauses. „Die kleinen Patienten gucken dann aus den schön geschmückten Fenstern zu. Da wird der Martinsgedanke wirklich gelebt“, freut sich Schulleiterin Kerstin Antkowiak. Denn so funktioniert das ja mit der Freude: Wird sie geteilt, verdoppelt sie sich.Antkowiak hat mit den Kindern die Martinslieder geübt. Die singen voller Inbrunst „Lasst uns froh und munter sein“ und „Loop, Müller, Loop“ und natürlich „St. Martin“, unterstützt von zwei Musikkapellen.  Vorn die Kinder, dahinter die Eltern und Geschwister. Es geht zum Kinderkrankenhaus, dann zum Schulhof.

Der heilige Martin grüßt mit weiß behandschuhter Hand die Kinder. In der Uniform des römischen Soldaten, der der Legende nach seinen Mantel mit einem Bettler teilte, steckt schon seit vielen Jahren Franz-Heinrich Busch, dessen Kinder und Enkelkinder einst die Körnerschule besuchten. Foto: Knappe, Joerg (jkn)
  • Martinsbrauch in Ilverich und Büderich : Laterne, Laterne

Martinstüten gibt es nicht für die Mädchen und Jungen. „Wir sind keine reiche Schule, haben nur einen kleinen Förderverein“, sagt Antkowiak. Aber die Kinder würden die Süßigkeiten auch gar nicht vermissen. Es gibt Kinderpunsch, Würstchen – und Geflügelwürstchen für die muslimischen Schüler, die dem christlichen Heiligen ebenfalls fröhlich zuwinken. Kleine Laternen werden verkauft. „Von dem Erlös finanzieren wir die Musikkapellen“, berichtet die Schulleiterin. Und der heilige Martin hat auch eine Bitte: dass die Hälfte des übriggebliebenen Erlöses an die Aktionsgemeinschaft Viersen-West-Afrika gespendet wird. Antkowiak: „Und mit der anderen Hälfte unterstützen wir ein Percussion-Projekt für unsere Zweitklässler.“

Plötzlich fehlte der Bettler, beziehungsweise: die Bettlerin. An der Körnerschule darf in ungeraden Jahren immer ein Mädchen den Bettler spielen, in geraden Jahren ein Junge. Spontan sprang die neunjährige Schülerin Cemre Gezer ein. Und ihre Zwillingsschwester schaute aus der Masse zu. Foto: Knappe, Joerg (jkn)
Mehr von RP ONLINE