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Arbeitsgruppe spricht über den Einzelhandel in Viersen-Dülken

Workshop in Dülken : Dülken muss eine Marke werden

In einem Workshop zum Einzelhandel in Dülken sprachen die Teilnehmer über Stärken und Schwächen des Stadtteils. Vor allem das Thema Leerstand beschäftigte sie.

Leerstand, verfallende Fassaden, für Passanten gut sichtbar platzierte Mülltonnen und sogar herumhuschende Ratten: Den Dülkener Einzelhändlern fallen so manche Kritikpunkte ein, wenn sie über ihre Einkaufsstraßen im Ortskern sprechen. Keine Frage, schön klingt das alles nicht. Aber: „Nur schön ist auch blöd“, sagt Ulf Schroeders. Der Investor hatte im vergangenen Jahr die leerstehende Kreuzherrenschule saniert, Denkmalschützer freuten sich – doch auch für den Rest Dülkens hat er Ideen. Zum Beispiel dazu, wie Kunden ins Zentrum gelockt und so der Einzelhandel gestärkt werden könnte. „Wir müssen Dülken als Marke sehen, als Produkt“, sagt er. Das gelte es dann, gut zu verkaufen. Natürlich müssen die Dülkener vorher wissen, wie und an wen sie das Produkt verkaufen wollen. Unter anderem darüber sprachen die 15 Teilnehmer des Workshops „Einzelhandel“, zu dem die Stadt Viersen ins Dülken-Büro eingeladen hatte.

Der Workshop ist einer von fünf, die sich an die Stadtteilkonferenz „Misch dich ein“ Anfang Oktober anschließen. Was die Gruppen erarbeiten, soll in die Fortschreibung des Immobilienwirtschaftlichen Masterplans für Dülken einfließen, der 2019 überarbeitet werden soll.

Zu dem Treffen im Dülken-Büro kamen hauptsächlich Einzelhändler. Lukas Kratzer, der für das Dülken-Büro den Einzelhandel im Stadtteil im Blick behält, moderierte. Anna Knebel vom Fachbereich Stadtentwicklung unterstützte ihn. Von ihr wollte Einzelhändlerin Anke Nedelka wissen: „Was passiert mit den leerstehenden Häusern, die die Stadt aufgekauft hat?“. Den Gebäuden an der Blauensteinstraße könne man beim Verfall zuschauen. „Es wäre schon interessant zu erfahren, ob da in einem Jahr was passiert, oder vielleicht erst in zehn“, sagte Nedelka. Darüber zu informieren, „so weit sind wir noch nicht“, antwortete Knebel.

Den Workshop nutzten die Einzelhändler, um Probleme und Missstände anzusprechen. Dass etwa der Edeka-Markt wie von Planern erhofft Kunden in die Innenstadt locke, treffe gar nicht zu, waren sie sich einig. Nun ist auch noch vorübergehend der Wochenmarkt als Frequenzbringer weggefallen, weil er wegen Bauarbeiten an die Melcherstiege verlegt wurde: „Der Wochenmarkt fehlt uns total am Alten Markt“, sagte Günter Kamp vom Vorstand des Werberings Viersen aktiv. „Er ist samstags ein Treffpunkt für die Dülkener“, ergänzte er.

Vor allem über den Leerstand in Dülken sprach die Arbeitsgruppe. Es gebe Anfragen von Interessenten, sagte Kratzer. Doch viele der Gebäude hätten entweder bauliche Mängel oder seien vom Zuschnitt einfach nicht mehr modern – von 30 leeren Ladenlokalen könne er einem Interessenten mit einer gezielten Anfrage meist nur zwei bis drei passende anbieten. Grund für den Leerstand seien jedenfalls nicht die Mietvorstellungen der Eigentümer.

Kratzer wollte von der Gruppe wissen: „Was soll mit den Räumen passieren, in denen kein Handel mehr gesehen wird?“ Wohnraum schaffen, war eine Antwort. Vielleicht sei eine Möglichkeit, dass sich Handwerk im Zentrum ansiedelt, sagte Buchhändler Günter Doetsch.

Wichtig sei, den Investoren Flächen für gute Architektur zu bieten, sagte Schroeders: „Wir müssen attraktiver werden für die Leute von außerhalb.“ Mit der Marke Dülken könnte gezielt geworben werden – also zum Beispiel mit dem historischen Charme der Altstadt, aber auch mit großstädtischen Komponenten. Denn Schroeders ist sicher: „Das Gegensätzliche erzeugt Spannung.“