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Im Kreis Viersen wird der Grippeschutzimpfstoff knapp

Grippeimpfung im Kreis Viersen : Grippeimpfstoff ist fast vergriffen

Wer sich im Kreis Viersen gegen Grippe impfen lassen möchte, hat es derzeit schwer. Apotheker melden, dass die Impfstoff-Vorräte so gut wie aufgebraucht sind. Ob Nachschub kommt, ist ungewiss.

Seit rund zehn Jahren hat Wolfgang Cohnen keine Grippe mehr gehabt. „Aber ich gehöre zur Risikogruppe“, sagt der Viersener – schließlich sei er 78 Jahre alt. Cohnen beschloss also, sich in diesem Jahr gegen Grippe impfen zu lassen. „Ich habe bei meinem Hausarzt in Viersen-Dülken angerufen, aber der hat keinen Grippeimpfstoff mehr“, sagt er. Bei drei weiteren Ärzten in Dülken habe er es versucht, dann auch bei vier Apotheken in Viersen und Dülken telefonisch angefragt: „Die haben alle nichts mehr.“ Joachim Kresken, Sprecher für den Kreis Viersen im Apothekerverband Nordrhein, bestätigt: „Zurzeit sind keine Impfstoffe mehr verfügbar. Es gibt in den Apotheken höchstens noch Restbestände.“

Jeweils im Frühjahr würden die Hersteller den zu erwartenden Bedarf an Impfstoff für die kommende Grippesaison abfragen und dann produzieren, erläutert Apotheker Kresken aus Viersen-Süchteln. Sein Eindruck: „Der Hauptgrund für den Versorgungsengpass ist, dass sowohl von der Industrie als auch von Ärzten und Apothekern falsch kalkuliert wurde.“ Veit Eck, Apotheker aus Viersen, hat noch eine andere Erklärung: „Im Vorjahr hatten wir fast 1400 Grippetote, jetzt ist die Nachfrage erhöht.“ Seit einigen Tagen gebe es bei ihm im Geschäft „massenhaft Anfragen von Patienten“, deren Hausärzte keine Impfstoff-Dosen mehr vorrätig haben. „Das ganze System ist relativ unkontrolliert, es beruht auf Erfahrungswerten.“ Denn die Ärzte, für die er später beim Großhandel Impfstoff-Dosen bestellt, könnten ja Anfang des Jahres nur schätzen, wie viele Einheiten sie vermutlich in der nächsten Saison brauchen. Und auch er muss in jedem Frühjahr kalkulieren, für wie viele Privatpatienten, die direkt bei ihm Impfstoff kaufen möchten, er Ampullen ordern soll. Bevor ein Grippeimpfstoff auf den Markt kommt, muss ihn das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, freigeben. „Die Hersteller können nicht unbegrenzt viel Impfstoff auf Verdacht produzieren, weil dieser am Ende der Saison vernichtet werden muss“, erläutert Sprecherin Susanne Stöcker. „Ein Grund für Impfstoffknappheit kann eine Nachfrage sein, die höher ist als erwartet. Es kann auch sein, dass in einigen Bereichen Impfstoffe in großer Menge noch vorrätig sind, in anderen Fällen dagegen fehlen.“ Nach bisherigen Erkenntnissen des Paul-Ehrlich-Instituts gebe es keinen bundesweiten Engpass: „Wir vermuten, dass es regionale Engpässe gibt, verursacht durch ungleiche Verteilung der Impfstoffe.“ Seit dem 31. Oktober rufe das Institut Angehörige von Heilberufen und Verbraucher auf, über ein Online-Formular mitzuteilen, wenn ein Grippeimpfstoff nicht mehr verfügbar ist. Aus dem Kreis Viersen gebe es bisher wenige Meldungen.

Apotheker Eck versucht derzeit täglich, telefonisch bei Großhändlern zumindest ein paar Ampullen zu ergattern, seine Mitarbeiter rufen Hersteller an, fragen: „Habt ihr was da?“ Wenn sie erfolgreich sind, sei der Impfstoff in der Apotheke dann aber schnell wieder vergriffen. Auch Kresken wartet auf Nachschub, es sei angekündigt, dass einige Hersteller nachliefern, sagt er. „Aber sicher ist das nicht.“ Sollte es in ein paar Wochen wieder Dosen geben, lohne es sich für Patienten auf jeden Fall, sich  impfen zu lassen.

Wolfgang Cohnen hat sogar über das Kreis-Gesundheitsamt versucht, an Impfstoff zu kommen. Doch der Kreis sei in dem Fall nicht zuständig und könne keinen Einfluss auf die Impfstoffvergabe nehmen, erläutert Sprecher Markus Wöhrl. Cohnen hat die Suche vorerst eingestellt: „Dann muss ich jetzt wohl einfach hoffen, dass es mich nicht erwischt.“