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Solingen: Sicherheit: Jobcenter rüstet auf

Solingen : Sicherheit: Jobcenter rüstet auf

150 Mitarbeiter kümmern sich um Arbeitslose. Meist laufen die Gespräche friedlich. Doch nach der tödlichen Messerattacke von Neuss kommt nun das schon bestehende Solinger Sicherheitskonzept erneut auf den Prüfstand.

Nach dem tödlichen Messerangriff auf eine Arbeitsvermittlerin in Neuss nimmt das Solinger Jobcenter die eigenen Sicherheitsstandards genau unter die Lupe. Das sagte gestern eine Rathaussprecherin. Die Stadt, die das Jobcenter mit seinen beiden Standorten an der Kamper Straße in Ohligs sowie am Rathausplatz in der Innenstadt seit Anfang des Jahres betreibt, will so möglichst ausschließen, dass Mitarbeiter in Solingen Opfer von vergleichbaren Attacken wie jener in Neuss werden.

Möbelrücken für mehr Schutz

"Wir werden in den kommenden Tagen in den Büros an der Kamper Straße überprüfen, ob dort ausreichend Fluchtmöglichkeiten vorhanden sind", sagte die Stadtsprecherin. So soll sichergestellt sein, dass Möbel nicht im Weg stehen, wenn ein "Kunde" des Jobcenters aggressiv reagiert — ein Konzept, das am neuen Standort Rathausplatz bereits umgesetzt wurde. Darüber soll ein sogenanntes Deeskalationstraining fortan für alle Arbeitsvermittler verpflichtend werden. "Dies wird im Rahmen von Fortbildungen geschehen", so die Sprecherin.

150 Mitarbeiter des Solinger Jobcenters beraten die mehreren Tausend Arbeitslosen in der Klingenstadt, die kein Arbeitslosengeld I beziehen, sondern auf Hartz IV angewiesen sind. Die meisten Gespräche, so betonte man gestern bei der Stadt, verliefen dabei durchaus in einer freundlichen Atmosphäre. Allerdings: Auch in Solingen kommt es immer wieder mal zu brenzligen Situationen — etwa dann, wenn sich einzelne Arbeitssuchende von ihren Sachbearbeitern ungerecht behandelt fühlen.

"Beleidigungen sind leider Gottes an der Tagesordnung", sagte die Stadtsprecherin. Und in der Zeit der alten Arge habe es auch schon tätliche Angriffe gegeben. "Da ist dann ein PC-Bildschirm vom Schreibtisch gerissen worden", so die Sprecherin. Damals endete dieser Vorfall mit einer strafrechtlichen Verfolgung des Angreifers, so die Sprecherin.

Um vergleichbare Eskalationen in Zukunft tunlichst zu vermeiden, wird das Jobcenter fortan von Beginn an konsequenter durchgreifen. War es bislang so, dass verbale Attacken ohne rechtliche Folgen blieben, müssen "Kunden", die gegenüber den Mitarbeitern ausfallend werden, seit der Messerattacke von Neuss damit rechnen, angezeigt zu werden. "Einen solchen Fall hat es aber in den zurückliegenden Wochen zum Glück noch nicht gegeben", hieß es gestern aus dem Rathaus.

Ohnehin bestehen im Solinger Jobcenter schon heute umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Zum Konzept gehört beispielsweise, dass die Türen der Berater sowohl an der Kamper Straße als auch am Rathausplatz mit Milchglasscheiben versehen sind. So werde dem Datenschutz entsprochen, der Beratungsgespräche in einer geschützten Atmosphäre verlange. Gleichzeitig könne aber von außen stets erkannt werden, wenn sich im Beratungszimmer selbst eine Situation zuspitze, sagte die Stadtsprecherin.

Des Weiteren sind die Büros der Jobcenter-Mitarbeiter untereinander allesamt mit Türen verbunden, damit schnell Hilfe kommen kann, aber auch eine zusätzliche Fluchtmöglichkeit besteht. Und es gibt ein Alarmsystem, dass die Arbeitsvermittler jeder Zeit über ihren Computer aktivieren können.

(RP/rl)