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Seelsorger Nils Wiese verlässt Solingen

Aus den Gemeinden : Das ganz Große klein verpacken

Der 38-jährige Seelsorger Nils Wiese verabschiedet sich von der Pfarrgemeinde St. Sebastian. Dort war der gebürtige Düsseldorfer zwischenzeitlich dienstältester Seelsorger.

Ein wenig betriebsame Unordnung ist bereits ins Büro eingekehrt. Neben dem Regal stehen gepackte Kisten, daran lehnen noch ungefaltete Umzugskartons. In ihnen werden bald wohl viele Andenken landen wie Briefe, Bilder, bunt beschriftete Kerzen – und ein pinkes Plastikpony. Mit dem verbindet Nils Wiese ganz spezielle Erinnerungen: „Damit haben mich vor einigen Jahren Jugendleiter zum Geburtstag überrascht“, erzählt der Pastoralreferent an der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian, „und ich habe sie sogar später beim Weihnachtsgottesdienst in meine Predigt eingebaut.“

Das „ganz Große klein zu verpacken“, wie er sagt, ist auch ein wichtiger Bestandteil seines Wirkens: Dass er das beherrscht, davon konnten sich zahlreiche Besucher von Familiengottesdiensten überzeugen, denen er spielerisch und mit viel Humor den Zugang zur christlichen Botschaft vermittelte.

Am 23. August nimmt der 38-Jährige zumindest beruflich Abschied aus Solingen. Eine Woche später tritt er eine Stelle bei der Katholischen Hochschulgemeinde in seiner Geburtsstadt Düsseldorf an. Die bietet Kulturveranstaltungen und Beratung für Studenten und Lehrpersonal. „Es ist in offenes Haus für alle Konfessionen“, sagt Wiese – und betont: „Ich bin jemand, der sich gerne neue Herausforderungen sucht.“ Eine solche trat der studierte Theologe und Literaturwissenschaftler im Jahr 2009 im Seelsorgebereich Solingen-West an. Damals galt es, die Jugendarbeit der vier Kirchorte St. Joseph in Ohligs, St. Mariä Empfängnis in Merscheid, Liebfrauen in Löhdorf und St. Katharina in Wald zu vernetzen.

„Meine Tätigkeit ist ein bunter Blumenstrauß“, beschreibt Wiese sein Arbeitsfeld. Im Solinger Westen pflegte er den Kontakt zu Grundschulen, konzipierte den Firmunterricht neu, organisierte die Kurse für die Erstkommunion und leitete Ferienfreizeiten. Manch ein Kind, das er einst betreute, ist inzwischen erwachsen. So ergaben sich auch Freundschaften in den elf Jahren seines Dienstes – eine ungewöhnlich lange Zeit für einen Pastoralreferenten auf erster Stelle.

Eigentlich hätte bereits nach fünf Jahren ein Wechsel angestanden. Aber nach mehreren Pensionierungen strebte man beim Erzbistum für den Seelsorgebereich eine gewisse Kontinuität an. „Und ich betrachtete meine Arbeit noch nicht als beendet“, betont Nils Wiese, der phasenweise zum dienstältesten Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft aufstieg. So wurde sein Dienst zweimal verlängert. Und nicht nur die personellen Umbrüche – Prälat Heinz-Manfred Jansen ging in den Ruhestand, Meinrad Funke wurde leitender Pfarrer – erlebte der schon seit seiner Jugend kirchlich Engagierte in Solingen: Auch der Steuerungsgruppe für die 2019 umgesetzte Fusion der vier Kirchorte gehörte er an.

Zu den erfüllendsten Aufgaben hätten für ihn die Seelsorgegespräche gehört, blickt Wiese zurück: „Dabei konnte ich Menschen zum Teil über Jahre begleiten.“ Fleißig war der Wahl-Ohligser auch neben dem Beruf und bildete sich unter anderem an der Journalistenschule in München weiter. Aktuell arbeitet er an seiner Promotion in Theologie. Am Sonntag, 23. August, um 16 Uhr findet in St. Mariä Empfängnis an der Eifelstraße sein Abschiedsgottesdienst statt. Und vielleicht wartet danach noch eine andere Überraschung auf Nils Wiese.