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Solingen: Neustart der Gottesdienste

Neustart der Gottesdienste in Solingen : Zwischen Normalität und Unsicherheit

Die Gemeinden in der Klingenstadt wollen ihr Angebot für Gläubige vorsichtig ausweiten. Doch noch sind nicht in allen Kirchen Gottesdienste möglich.

Kein Gesang, kein Friedensgruß per Händedruck und viel Abstand: Das richtige festliche Gemeinschaftsgefühl wollte bei vielen Gläubigen auch nach dem Neustart der Gottesdienste im Mai nicht aufkommen. Zumal es um manche Kirchorte weiterhin still ist. „Gemeinde ist Gemeinschaft, die darf nicht zerbrechen“, mahnt Ursula Winkelhoch. Stammkirche der früheren Dekanatsrats-Vorsitzenden ist St. Josef an der Krahenhöhe. Dort finden weiterhin keine Gottesdienste statt. „Viele Leute, mit denen ich spreche, sind beunruhigt darüber, dass es nicht weitergeht“, berichtet Winkelhoch. Ausweichen können sie und ihre Mitgläubigen derzeit auf die Eucharistiefeiern in der Höhscheider Kirche St. Suitbertus, die wie St. Josef zur katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer gehört. Dieser Weg sei aber gerade vielen älteren Menschen zu weit, beklagt Winkelhoch.

In der Pfarrgemeinde St. Clemens ist es das namensgebende Gotteshaus an der Goerdelerstraße, auf das sich die Messfeiern aktuell konzentrieren. In den insgesamt neun Kirchen des Sendungsraums im Solinger Süden und der Stadtmitte gebe es sehr unterschiedliche Voraussetzungen, erklärt derweil Stadtdechant Pfarrer Michael Mohr. Mancherorts stehe allein die Größe der Räume einer Messfeier im Wege. Das ist aber nur ein Aspekt unter vielen: „Die Erfahrung aus der letzten Zeit mit der Feier in zwei Kirchen zeigt, dass alles rund um die Feier der Messe so komplex ist, dass es schwierig ist, all das einfach auszuweiten“, betont Mohr – und erwähnt dabei zum Beispiel die notwendigen Voranmeldungen, die Vor- und Nachbereitung der Messen und die Organisation von Ordnerdiensten. Gerade zu letzteren motiviere man immer wieder Ehrenamtler.

Ein Selbstläufer sei das aber nicht. „Alle, die sich einbringen wollen, könnten das auch jetzt schon tun. Dazu hat es auch bereits Einladungen gegeben, die nur relativ zögerlich angenommen wurden“, berichtet der Stadtdechant. Außerdem kämen auch aus anderen Heimatkirchen durchaus viele Gläubige nach St. Clemens und St. Suitbertus. Die bisherige Gottesdienstordnung soll in Solingen-Mitte und im Süden der Stadt erst einmal bestehen bleiben. Dazu trügen neben den vermehrten Corona-Fällen in den Ferien und der großen Zahl an Risikopatienten unter den Messbesuchern auch personelle Veränderungen in den Pfarreien bei, sagt Mohr, stellt aber zugleich klar: „Wir werden die Situation immer wieder neu bewerten.“

Die frühere Dekanatsrats-Vorsitzende Ursula Winkelhoch mahnt:„Gemeinde ist Gemeinschaft, die darf nicht zerbrechen.“ Foto: Peter Meuter

Mehr Angebote soll es im Solinger Westen geben: Nachdem Gottesdienste in der Pfarrgemeinde St. Sebastian zuletzt nur noch in St. Joseph in Ohligs und St. Mariä Empfängnis in Merscheid stattgefunden hatten, wird nun auch in den anderen beiden Kirchorten wieder gefeiert: Ab Freitag, 14. August, um 9 Uhr empfängt St. Katharina in Wald wieder die Kirchgänger, am selben Tag um 18.30 Uhr auch Liebfrauen in Löhdorf. Möglich machen das Ehrenamtler. „Es haben sich Teams gebildet, die sich um die Vorbereitung und Umsetzung der Hygiene-Konzepte kümmern“, freut sich der leitende Pfarrer Meinrad Funke. Die Helfer regeln den Zugang zur Kirche, haken Listen mit Anmeldungen ab und desinfizieren Ablageflächen.

Unterschiedliche Wege schlagen die zehn Gemeinden des evangelischen Kirchenkreises ein: Viele setzen auf die Kombination aus Präsenzgottesdiensten und Live-Streams. Zuletzt scherte auch die Lutherkirche wieder in den Kreis der Gottesdienstorte ein. Die sollen dort zunächst einmal im Monat stattfinden. Auch in Wald befasst sich das Presbyterium mit der Wiederaufnahme der Präsensgottesdienste. „Es ist ein Spagat zwischen Normalität und Vorsicht“, erklärt Stadtkirchenpfarrern Friederike Höroldt.