Solingen: Scharfe Kritik an Heidebad-Schließung

Solingen : Scharfe Kritik an Heidebad-Schließung

Die BfS will wissen, warum das Freibad in der Heide am Wochenende nach einem Personalengpass geschlossen blieb - zumal der Schwimmbetrieb in der Klingenhalle ganz normal lief. Die Bädergesellschaft verteidigt den Entschluss.

Das 50-Meter-Becken in der Klingenhalle war am Sonntag überschaubar gefüllt. Nicht mal ein Dutzend Badegäste zog gegen 9.45 Uhr seine Bahnen. Wobei sich die Schwimmer äußerst sicher fühlen konnten: Denn gleich drei Personen der städtischen Bädergesellschaft guckten vom Beckenrand aus zu und beobachteten die Freizeitsportler. Doch damit nicht genug: Im 25-Meter-Becken nebenan stand ein Kursus Meerjungfrauschwimmen unter Anleitung einer Bäderangestellten auf dem Programm. Vier Mädchen schlüpften in die großen Flossen. Und an der Kasse stempelte eine weitere Angestellte Zehner-Karten ab oder kassierte bar den Eintritt.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, sind in allen Bädern - nicht nur in der Heide - mindestens drei Kräfte nötig. Foto: Meuter Peter

Von Personalmangel war im Klingenbad also keine Spur - wohl aber im Heidebad, dem einzig verbliebenen Freibad in städtischer Hand. Denn dort blieben die Becken das gesamte Wochenende über aufgrund von personellen Engpässen geschlossen, nachdem die Schwimmer bereits am Freitag wegen einer Personalversammlung ausgesperrt gewesen waren. Was in den Augen die Bürgergemeinschaft für Solingen (BfS) wiederum ein "beispielloses Versagen" der Bädergesellschaft darstellt, das es nun aufzuarbeiten gelte.

Es sei nämlich mehr als unverständlich, wie ein städtischer Betrieb die erholungssuchenden Solinger derart vor den Kopf stoßen könne, hieß es jetzt vonseiten der BfS. "Wir werden in den kommenden Ausschüssen eine detaillierte Aufklärung und einen Maßnahmenplan einfordern, wie dies in Zukunft zu vermeiden ist", sagte BfS-Sprecher Jan-Claudius Salewski. So sei unter anderem vollkommen unklar, auf welche Weise denn eigentlich ein Personalmangel habe entstehen können, wo doch parallel das Hallenbad Vogelsang geschlossen sei.

Tatsächlich steht dieses Bad den Schwimmern wegen des zurzeit laufenden Neubaus schon seit Monaten nicht mehr zur Verfügung. Gleichwohl betonte die Geschäftsführerin der Solinger Bädergesellschaft, Kirsten Olsen-Buchkremer, gestern auf Anfrage, das zwischenzeitliche Aus im Heidebad sei notwendig gewesen. Denn schließlich gehe "die Sicherheit der Badegäste immer vor", sagte Olsen-Buchkremer.

Wie die Solinger Bäder-Chefin ausführte, hatten Ende vergangener Woche mehrere Krankheitsfälle zu den besagten personellen Engpässen geführt. Und da der Wetterbericht gleichzeitig "zwei kühle und bedeckte Tage" angekündigt habe sowie am Sonntag wegen des Deutschland-Spiels bei der Fußball-Weltmeisterschaft ohnehin nur "mit ganz wenig Besuch zu rechnen gewesen sei, habe man sich zuletzt entschieden, nicht das Freibad in der Heide, sondern das Klingenbad offen zu halten.

Dabei ist sich die Solinger Bädergesellschaft der Tragweite dieser Entscheidung sehr wohl bewusst. Selbstverständlich sei es misslich, wenn ein Freibad, das lediglich einige wenige Monate in der Sommerzeit geöffnet werden könne, aus Personalgründen geschlossen bleiben müsse, sagte Kirsten Olsen-Buchkremer.

Dennoch bat die Geschäftsführerin um Verständnis. "Wir befanden uns eben in einer Ausnahmesituation", unterstrich die Bäder-Chefin, die versicherte, an einem heißeren Wochenende als dem zurückliegenden dem Heidebad den Vorzug gegeben zu haben.

Rückendeckung erhielt Kirsten Olsen-Buchkremer am Montag vom Vorsitzenden des Sportausschusses, Ernst Lauterjung. "Ich gehe davon aus, dass die Bädergesellschaft nach bestem Wissen gehandelt hat", sagte Lauterjung. Allerdings, so der Sozialdemokrat, erwarte auch er bei der morgigen Sitzung des Sportausschusses - gerade im Hinblick auf das geschlossene Hallenbad Vogelsang - noch nähere Informationen zu der Schließung im Heidebad.

Geschäftsführerin Olsen-Buchkremer rechnete derweil den Personalaufwand in den einzelnen Bädern schon einmal dezidiert vor. So seien pro Bad grundsätzlich "mindestens zwei Fachangestellte beziehungsweise Festangestellte rettungsfähige Personen" sowie eine Servicekraft für die Kasse nötig, betonte die Bäder-Chefin gestern. Nur so sei die Verkehrssicherheitspflicht zu gewährleisten.

(uwv)