Cold Case: In Solingen rollen Ermittler alte Fälle auf

LKA rollt alte Fälle auf : Tatort Solingen - mysteriöse Kriminalfälle im Visier

Eine LKA-Gruppe nimmt sich alte Verbrechen vor. Auch Solinger Fälle wurden von der Polizei zuletzt in die Datei eingegeben. Die Hoffnung beruht vor allem auf DNA-Spuren.

Der Fall gehört zu den mysteriösesten in der Solinger Kriminalgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. In den letzten Augusttagen des Jahres 2011 machte sich die damals 51-jährige Anett Carolin Kaiser zu einer Urlaubsfahrt nach Spanien auf. Nach wenigen Tagen wollte die zierliche Frau eigentlich wieder zuhause sein. Doch es wurde eine Reise ohne Wiederkehr. Bis zum heutigen Tag fehlt von der Solingerin jede Spur.

2011 verschwand Anett Carolin Kaiser

Ortswechsel: Das Landeskriminalamt NRW residiert in einem schmucklosen Bau an einer Ausfallstraße im Düsseldorfer Süden. Doch hinter der eher tristen Fassade des LKA steckt jede Menge Technik. Und dazu der Wille, Verbrechen unter allen Umständen aufzuklären - auch wenn es viele Jahre dauert. Aus diesem Grund wird seit einigen Monaten beim Landeskriminalamt eine neue Einheit aufgebaut, die das Ziel hat, ungelöste Fälle doch noch zu entschlüsseln.

Etwa jenen der verschwundenen Anett Carolin Kaiser. Wobei diese Vermisstensache beileibe nicht das einzige kriminalistische Rätsel in Solingen ist. So haben die Sachbearbeiter des unter anderem für die Klingenstadt zuständigen Polizeipräsidiums Wuppertal in den zurückliegenden Wochen gleich eine ganze Reihe von ungeklärten Verbrechen in die entsprechende LKA-Datei für Cold Cases (Kalte Fälle) eingestellt.

Sexualverbrechen, Raubmord - noch immer ungeklärt

Denn immerhin könnten sich ja immer mal wieder neue Ansatzpunkte ergeben, sagte eine Sprecherin der Polizei am Freitag auf Anfrage. Tatsächlich sind es einige Ermittlungsakten zu feststehenden beziehungsweise vermuteten Kapitalverbrechen, die trotz intensiver Arbeit nie geschlossen werden konnten. Beispielsweise ereignete sich im Jahr 1995 am Frankfurter Damm ein Sexualverbrechen an einer jungen Frau, bei dem der bis heute unbekannte Täter nach der eigentlichen Tat noch mit einem Auto über sein Opfer fuhr. Oder der Fall eines 79-jährigen Rentners, der ein paar Jahre später, 1999, in seiner eigenen Wohnung an der Neustraße ermordet wurde.

Vermutlich ein Raubmord, waren seinerzeit doch sämtliche Räume und Schränke des Mannes durchsucht worden. Aber ganz genau vermögen das die Fahnder erst dann zu sagen, wenn sie den Täter haben. Womit das Landeskriminalamt mit seiner neuen Ermittlungsgruppe ins Spiel kommt.

Mord verjährt nie

So ist es durchaus denkbar, dass sich die dortigen Beamten den Fall des getöteten Rentners demnächst noch einmal vornehmen. Denn Mord verjährt nie - aber im Zuge neuer Untersuchungen könnte sich ja herausstellen, dass es doch "nur" Totschlag war. Und dies würde bedeuten, dass der Täter nach 20 Jahren, also 2019, straffrei bleiben würde.

"Vielfach ruhen die Hoffnungen der Polizei auf verfeinerten DNA-Methoden", sagte jetzt ein Sprecher des LKA, der parallel betonte, die Fahnder seiner Behörde würden auch vor Ort ermitteln. "So können sich unsere Profiler eines Falles annehmen", verdeutlichte der Sprecher. Denn schließlich führe ein neuer Blick auf Sachen bisweilen zu neuen Erkenntnissen.

Auch im Fall von Ann Carolin Kaiser ? Nicht auszuschließen, wobei bei der vermissten Solingerin noch nicht einmal zu 100 Prozent klar ist, ob sie wirklich Opfer eines Verbrechens wurde. Theoretisch ist es denkbar, dass die Frau vor fast sieben Jahren freiwillig mit ihrem alten Leben ausgebrochen hat.

Was für Monika Byrne-Weesbach in keinem Fall gilt. Am 30. März 2010 wurde die Leiche der 63-jährigen ehemaligen Lehrerin in ihrer Wohnung am Neumarkt gefunden. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Todesfall aussah, entwickelte sich Wochen später zu einem der spektakulärsten Verbrechen der zurückliegenden Jahre. Es ist bis heute ungeklärt.

Ein Bekannter der Toten brachte die Polizei Tage nach dem Verbrechen auf die Spur. Der Mann hatte eine SMS erhalten, in der behauptet wurde, Monika Byrne-Weesbach sei umgebracht worden. Eine nachträgliche Obduktion bestätigte am Ende den Verdacht - nur der Mörder läuft bis zum heutigen Tag frei herum.

(or)
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