Krisenfall auf Probe im Klinikum

Übung : Krisenfall auf Probe im Klinikum

In einer Großübung mit mehr als 500 Beteiligten simulierten Feuerwehr und Krisenstab am Samstag einen besonders erschreckenden Ernstfall – den Brand auf einer Station des Klinikums.

Weißer Rauch quoll aus einem Fenster, Geschrei erhob sich wenig später im Foyer. „Mein Onkel ist da noch drin!“ wiederholte eine junge Frau im Rollstuhl flehend vor dem Hauptportal immer wieder – und erregte prompt das ernsthafte Mitgefühl eines jungen Mädchens. „Das ist alles nur gespielt“, beruhigte deren Mutter.

Bei der Großübung der Solinger Feuerwehr im Städtischen Klinikum sollte am Samstag alles möglichst nah an der Realität sein. Dazu gehörten einmal mehr auch Darsteller, die die verletzten und aufgewühlten Brandopfer mimten und die Rettungskräfte beschäftigten. Erstmals seit 2011, als die Einsatzkräfte den Umgang mit einem Amoklauf im Schulzentrum Vogelsang geprobt hatten, rückten sie mit dem Alarm um 14 Uhr wieder zu einer Übung dieser Größenordnung aus.

Ex-Feuerwehrchef Frank-Michael Fischer, eigentlich seit über zwei Jahren im Ruhestand, übernahm am Samstag noch einmal mit Feuereifer die Übungsleitung. Auch das unheilvolle Szenario hatte er entworfen: Auf einer internistischen Station im ersten Obergeschoss des Hauses G war in einem Krankenzimmer ein Brand ausgebrochen – und bedrohte 23 teilweise bettlägerige Patienten. Zwar begann das Personal des Klinikums zeitig mit der Rettung, geriet aber im dichten Rauch auf den Gängen selbst in Gefahr.

„Das Szenario war bewusst sehr breit angelegt“, betonte Ordnungsdezernent Jan Welzel, der die Leitung eines städtischen Krisenstabs übernahm. Denn die Übung beinhaltete viele Facetten eines Großeinsatzes – von der Nutzung von Rettungsmatratzen, die das Klinikum neu beschafft hatte, über die Abstimmung zwischen Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz bis hin zur überörtlichen Zusammenarbeit. Denn zu den insgesamt 530 an der Übung beteiligten Kräften gehörten auch Feuerwehrleute aus Leverkusen, Remscheid und Wuppertal. „Das hat gut funktioniert“, bekräftigte Oberbürgermeister Tim Kurzbach später, und lobte außerdem die gute Kooperation zwischen Feuerwehr und Klinikum.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit und der Umgang etwa mit den Anfragen beunruhigter Angehöriger standen auf dem Prüfstand. „Wir konnten die Übungsziele erreichen“, resümierte der Solinger Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller am späten Samstagnachmittag, ohne ins Detail zu gehen. Die intensive Auswertung der Übungsergebnisse werde nun folgen, erklärte Jan Welzel.

Der normale Betrieb des Klinikums lief während der mehrstündigen Übung natürlich weiter. Auch die Zufahrt zur Notfallambulanz blieb trotz des riesigen Aufgebots an Einsatzfahrzeugen frei. Anwohner und Patienten waren nach Angaben der Stadt im Vorfeld über die Besonderheiten des Tages informiert worden. Der Schauplatz des mit künstlichem Nebel versursachten Infernos beherbergt im wirklichen Leben ohnehin keine Betten. Und die zum Teil furchterregend geschminkten Verletztendarsteller des Deutschen Roten Kreuzes konnten kurz nach dem Einsatz auch schon wieder lächeln.

Auf die Arbeit der Einsatzkräfte habe das Bewusstsein um die geplante Übungs-Situation jedoch kaum Einfluss gehabt, betonten alle Beteiligten in der Nachbetrachtung des Einsatzes. „Künstlichkeiten verschwinden bei so etwas fast komplett“, sagte etwa Ottmar Müller, „alle machen ihre Arbeit wie im realen Einsatz.“

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