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Solingen: Eine Leiche im Spätburgunder

Solingen : Eine Leiche im Spätburgunder

Eine besondere Lesung konnten die Gäste in der Stadtbibliothek erleben: Während des Abends gab es drei hessische Wein-Schätze des Weingutes Wagner aus Essenheim zur Verkostung.

Wein ist sicher kein alltägliches Getränk im Lesecafé der Stadtbücherei. Aber in der alljährlichen und bundesweiten Aktionswoche "Treffpunkt Bibliothek" sind pfiffige Ideen gefragt. Schätze sollen gehoben werden. Die Solinger Bibliothek hatte da die Idee, Schätze aus dem Winzerkeller zu heben, schließlich passen Wein und Literatur gut zusammen.

"Goethe hätte ohne seinen täglichen Liter Wein überhaupt keine Zeile aufs Papier bekommen", scherzte Bibliotheksleiterin Claudia Elsner-Overberg bei ihrer Eröffnung der Krimi-Lesung mit Weinverkostung. Andreas Wagner, Weinbauer in Rheinhessen, hat in diesen Tagen mit dem neuen Wein alle Hände voll zu tun. Wenn es dann mal etwas ruhiger wird, schreibt er Krimis rund um den Wein.

In seinem Erstling "Herbstblut" lässt er einen Kellermeister in der roten Maische im Gärbehälter sterben. Der Titel "Abgefüllt" sagt schon aus, dass sich auch sein zweiter Krimi im Milieu von Wein und Winzern abspielt.

Aus diesem Buch las am Mittwochabend vor einem großen Publikum der Düsseldorfer Opernsänger Manfred Klee. Er ist ein guter Freund des hessischen Winzers, und der hatte ihn großzügig mit Wein versorgt. Denn zwischen dem Mord und der Tätersuche konnten die Zuhörer in drei Pausen den 2010er Silvaner, einen trockenen Riesling und einen Spätburgunder verkosten.

Im Buch hat es den Bezirkspolizisten Paul Kendzierski aus dem Ruhrgebiet in die Weingemarkung Nieder-Olm verschlagen. Er soll sich nicht nur mit der Aufklärung eines geheimnisvollen Todesfalls beschäftigen, sondern auch für Ruhe und Ordnung beim Weinfest sorgen. Zudem muss sich der Biertrinker noch als Weinkenner ausgeben, damit er sich nicht vor den Winzern blamiert.

Das ist nicht nur spannend geschrieben, auch der Humor kommt nicht zu kurz. Manfred Klee singt im Chor der Deutschen Oper am Rhein, seine prägnante Baritonstimme ist sehr gut geeignet für eine Lesung, die großen Spaß machte. Wenn das Keltern des neuen Weins geschafft ist, wird sich Andreas Wagner auch wieder mit dem Killen beschäftigen, jedenfalls am Schreibtisch.

(wgu)