Rheinberg: Geschichten aus dem Ratssaal

Rheinberg: Geschichten aus dem Ratssaal

Das Buch "Kommunalpolitik in Rheinberg" von Norbert Ricking soll jungen Leuten Anreize für politisches Engagement bieten.

Ob der Marktplatz umgestaltet wird, Neubaugebiete erschlossen werden oder sich der Personalbestand der Stadtbücherei ändert: Die Entscheidungen darüber werden zumeist im Ratssaal gefällt. Norbert Ricking war als Ratsmitglied 30 Jahre lang nicht nur dabei, das Rheinberger Urgestein hat die Geschicke der Stadt als stellvertretender Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender maßgeblich mitgeprägt.

Seine Erinnerungen hat er nun in dem Buch "Kommunalpolitik in Rheinberg von 1945 bis heute" zusammengefasst, auch um jungen Leuten Anreize für ein politisches Engagement zu bieten. "Politikverdrossenheit fängt vor Ort an und das hat den Ausschlag gegeben, dieses Buch zu schreiben. Es gibt viele Passagen in dem Buch, die belegen, dass hier richtig was bewegt wurde", erklärte Ricking gestern bei der Buchvorstellung im Alten Rathaus, zu der der Heimatverein geladen hatte. Als Antriebskräfte der kommunalen Entwicklung nannte Ricking beispielhaft Carl Schiffer und Ferdinand Lanz. "Der damalige Stadtdirektor Lanz war der Architekt unserer Kommunalpolitik. Er hat dafür gesorgt, dass wir bei der kommunalen Gebietsreform die einzige Gemeinde in NRW waren, auf die die umliegenden Kommunen von sich aus zugekommen sind."

Es war die Zeit eines hauptamtlichen Stadtdirektors und eines ehrenamtlichen Bürgermeisters. Die Abschaffung der kommunalen Doppelspitze 1999 hält Ricking bis heute für eine Fehlentscheidung: "Wenn dann, wie in Rheinberg geschehen, ein Mitarbeiter aus der Verwaltung (Hans-Theo Mennicken, Anm. d. Red.) Bürgermeister wird, ist der Rat lahmgelegt."

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Um seine Erinnerungen aufzufrischen, hat sich der Rheinberger Ehrenringträger im Stadtarchiv alte Sitzungsprotokolle durchgelesen. Herausgekommen sind heute fast schon amüsante Geschichten wie etwa die Debatte darum, den geplanten Rathausneubau im Stadtpark entstehen zu lassen. Dass der multifunktionale Bau im hinteren Bereich des Marktplatzes entstanden ist und nicht als hässlicher Beton-Anbau des alten Rathauses den Ortskern verschandelt, ist einer Bürgerinitiative zu verdanken. Ricking begrüßt diese Art der Bürgerbeteiligung: "Man hat ja gerade wieder am Pulverturm gesehen, das Bürger etwas bewegen können, wenn sie sich zusammentun. Kommunalpolitik ist nicht für die Bürger, sondern wird von den Bürgern gemacht."

Die dürfen sich nicht nur über alte Geschichten freuen, verspricht der 86 Jahre alte Autor: "Das ist zum Teil auch sehr spannend, denn da sind Interna bei, von denen die Leute noch gar nichts wissen." Bürgermeister Frank Tatzel, der das Vorwort beisteuerte, bezeichnete das Buch als wichtige Lektüre für junge Menschen, die sich in der Politik arrangieren möchten.

Info: Wer sich eines der 150 Exemplare zum Preis von 9,90 Euro sichern möchte, darf sich bei Norbert Ricking, Telefon 02843 1252, melden.

(erko)