Erstvertretung spielt bald in der Ersten Regionalliga: "Raphael Wilder ist für uns wie Sechser im Lotto"

Erstvertretung spielt bald in der Ersten Regionalliga: "Raphael Wilder ist für uns wie Sechser im Lotto"

Mit einem mächtigen Paukenschlag mischen die Elephants Grevenbroich die Basketball-Szene auf: Obwohl die Mannschaft den Aufstieg als Tabellendritter der Zweiten Regionalliga sportlich verpasst hat, spielt das Team in der kommenden Saison in der Ersten Regionalliga. Raphael Wilder (links) wechselt von Maccabi Düsseldorf nach Grevenbroich. Gerald Burbach, Zweiter Vorsitzender der Elephants (rechts), freut sich nicht nur auf einen erstklassigen Coach, sondern auch auf die Erste Regionalliga. NGZ-Foto: H. Jazyk -->

Mit einem mächtigen Paukenschlag mischen die Elephants Grevenbroich die Basketball-Szene auf: Obwohl die Mannschaft den Aufstieg als Tabellendritter der Zweiten Regionalliga sportlich verpasst hat, spielt das Team in der kommenden Saison in der Ersten Regionalliga. Raphael Wilder (links) wechselt von Maccabi Düsseldorf nach Grevenbroich. Gerald Burbach, Zweiter Vorsitzender der Elephants (rechts), freut sich nicht nur auf einen erstklassigen Coach, sondern auch auf die Erste Regionalliga. NGZ-Foto: H. Jazyk -->

Möglich macht den unerwarteten Sprung in die dritthöchste Klasse "Tausendsassa" Raphael Wilder. Der Vorsitzender, Abteilungsleiter, langjährige Kassierer und Trainer des erst in der vergangenen Spielzeit in die Erste Regionalliga aufgestiegenen Lokalrivalen Maccabi Düsseldorf, auf der rechten Rheinseite nur "Mr. Maccabi" genannt, wechselt in die Schloss-Stadt - im Gepäck den Platz in der für die Elephants neuen Spielklasse. Anfang der kommenden Woche finden sich beide Vereine zu einer Spielgemeinschaft zusammen. Die wird allerdings sofort wieder aufgelöst. Wenn sich der Staub gelegt hat, verfügen die Elephants nicht nur über das Startrecht für die Erste Regionalliga, sondern dürfen zudem Ober- und Bezirksliga mit einer sowie die Landesliga mit zwei Mannschaften bestücken. Maccabi Düsseldorf meldet zukünftig nur noch für die Bezirksliga.

"All das ist mit heißer Nadel gestrickt", verrät Gerald Burbach, Zweiter Vorsitzender der Elephants. Erst vor gut einer Woche sei man mit Raphael Wilder in Kontakt getreten, "weil sich die Vertragsverhandlungen mit unserem Trainer M|2aty|2as R|2anky nicht zu unserer Zufriedenheit entwickelt hatten". Perfektes Timing. Wilder, der das von der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf unterstützte Maccabi fast im Alleingang in zwei Jahrzehnten von der Zweiten Kreisklasse bis in die Regionalliga geführt hatte, befand sich "gerade in einer Zweifelphase, weil ich erkennen musste, dass Maccabi seine sportlichen Grenzen erreicht hat". Folglich ergriff er die Chance beim Schopf, bot den Elephants eine Spielgemeinschaft an. Die konnten ihr Glück gar nicht fassen, hatten sie sich doch soeben durch eigenes Verschulden um jede Aufstiegsmöglichkeit gebracht.

  • Lokalsport : Elephants schlagen Düsseldorf in einem irren Duell

Burbach: "Raphael Wilder ist für uns wie ein Sechser im Lotto mit der Ersten Regionalliga als Zusatzzahl." Am Montag schritt der neue Mann gleich zur Tat, informierte seine Mannschaft, die, obwohl von vielen Experten als Abstiegskandidat eingestuft, bereits vor dem letzten Spiel am Wochenende gegen Wulfen das Klassenziel erreicht hat. "Ein sehr bewegender Moment", räumt Wilder ein. "Die Spieler waren ziemlich geschockt." Am Dienstag sprachen die Elephants mit Matyas Ranky, einigten sich mit ihm, dass er nach dem Saisonfinale am Samstag vor heimischem Publikum gegen Solingen noch bis zum 31. Mai nur noch als Jugendtrainer in Grevenbroich tätig sein wird. "Er hat unsere Entscheidung akzeptiert", teilte Burbach mit. "Er wird wohl wieder nach Ungarn zurückkehren." Die Mannschaft erfuhr am Mittwoch Abend von dem Coup.

Wer auch in der kommenden Saison das Trikot der Elephants tragen wird, steht noch in den Sternen. "Wir fangen bei null an", sagt Wilder und verspricht: "Es gibt keine Privilegien, auch für meine alten Spieler nicht." Beim Try-out am 8. April in Gustorf erhalte jeder Akteur die gleiche Chance. Wichtig bei der Zusammensetzung seiner Truppe ist dem Coach, "dass wir ein Team sind. Das Spiel darf nicht auf einen Spieler zugeschnitten sein. Ich will eine Mannschaft, die stolz darauf ist, für mich und den Verein zu spielen." Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit den Elephants, für die Burbach betont: "Unsere Basis werden wir nicht verlieren. Wir bleiben nach wie vor die Elephants-Family." Der gehört natürlich auch der bislang als sportlicher Leiter engagierte Laszlo Lang weiterhin an. "Unser Mister-Elephants", weiß Burbach. Er soll die Oberliga-Mannschaft betreuen, die zukünftig allerdings ebenfalls in den Verantwortungsbereich Wilders fallen soll. "In einer Art Stufensystem soll die Durchlässigkeit von der Jugend bis in die Erste Regionalliga gegeben sein", erklärt Burbach.

Von seinem neuen Arbeitsplatz zeigt sich Wilder (47 Jahre), Inhaber einer kleinen Werbeagentur und dreifacher Familienvater, jedenfalls begeistert. "Der Verein hat alles, was Maccabi nicht hat. Es ist unfassbar, was die hier aufgebaut haben. Das sind absolut professionelle Strukturen, die im Bereich des Westdeutschen Basketballverbandes ihres Gleichen suchen." Sein Ziel: "Die kommende Saison ist ein Lehrjahr, da wäre der siebte Platz ein großer Erfolg. Aber das Fernziel heißt Zweite Bundesliga." Dirk Sitterle

Mehr von RP ONLINE