Jüchen : Polo entlässt seinen Gründer

Klaus Esser ist nicht mehr Geschäftsführer beim insolventen Motorradspezialisten Polo. Insolvenzverwalter Horst Piepenburg übernimmt die Geschäfte bis zum Verkauf an einen Investor. Der Deal steht offenbar kurz bevor.

Er ist der Gründer, Gesellschafter, und bis gestern war er auch Geschäftsführer von Polo. Doch nun hat Klaus Esser in dem insolventen Jüchener Unternehmen nichts mehr zu sagen. Der Insolvenzverwalter Horst Piepenburg entband Esser gestern von seinen Aufgaben als Geschäftsführer. Neben Esser müssen noch drei weitere Mitarbeiter aus der Unternehmensspitze gehen. Das geht aus einer internen Mitarbeiterinformation hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

Foto: Michael, Reuter

Piepenburg und sein Mitarbeiter Markus Kier sind nun allein für die Unternehmensleitung verantwortlich. Esser, der den Motorrad-Zubehör-Händler 1980 gegründet hatte und dem 51 Prozent der Unternehmens-Anteile gehören, hatte am 6. Dezember 2011 das Insolvenzverfahren vor dem Mönchengladbacher Landgericht beantragt. Seit dem 1. Februar läuft das offizielle Verfahren. 800 Mitarbeiter, davon 233 am Standort der Hauptzentrale in Jüchen, sind betroffen.

128 Millionen Verbindlichkeiten

Esser selbst war gestern, wie bereits seit Dezember, für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er meldete sich schriftlich bei den Mitarbeitern und sprach von einer "einzigartigen Unternehmenskultur". Er hoffe, dass die erhalten bleibe, auch wenn er die weitere Entwicklung nicht mehr begleiten werde. Mit seiner Demission läuft alles auf einen Verkauf Polos an einen Investor hinaus. Das heißt: Esser wird auch seine Unternehmensanteile los.

Dann wäre der Gründer auch nicht mehr Gesellschafter und damit endgültig raus aus dem Unternehmen. Esser hatte Polo 1980 in Willich-Schiefbahn gegründet. 1996 folgte der Umzug nach Düsseldorf-Reisholz. Und 2008 wurde die neue Konzernzentrale in Jüchen bezogen. Deutschlandweit betreibt Polo 95 Geschäfte. Wie viele davon künftig bestehen bleiben, ist unklar. Darüber entscheidet allein der Käufer.

Verkauf noch in diesem Monat?

Horst Piepenburg sieht in dem Verkauf Polos an einen Investor offenbar den einzigen Weg, das Unternehmen überhaupt noch auf Kurs zu bringen. "Nur bei Umsetzung der beabsichtigten Investorenlösung wird sich für die Gläubiger eine Quotenerwartung und für die gesicherten Forderungen von Lieferanten, Vermietern und Kreditinstituten eine fast vollständige Befriedigung ergeben können", teilte Insolvenzverwalter Piepenburg dem Insolvenzrichter in seinem Gutachten mit, das unserer Redaktion vorliegt.

Nach Informationen unserer Zeitung soll der Verkauf der Gesellschafter-Anteile sogar noch in diesem Monat erfolgen. Offenbar war Esser damit nicht einverstanden. Um Interessenskonflikten mit den neuen Gesellschaftern vorzubeugen, entließ Piepenburg Esser aus der Geschäftsführung.

Dem Gutachten Piepenburgs zufolge, belaufen sich die Verbindlichkeiten Polos auf insgesamt knapp 128 Millionen Euro. Dem stehen Vermögenswerte von knapp 115 Millionen Euro gegenüber. Die Unterdeckung von rund 13 Millionen Euro sorgte dafür, dass Esser den Insolvenzantrag stellen musste, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Piepenburg besorgte daraufhin innerhalb weniger Wochen neun Millionen Euro, so dass das Geschäft in diesem Jahr gesichert ist.

(NGZ)