Ngz-Sportler Des Monats August Kevin Deden: Mister Zuverlässig hatte noch mal Spaß

Ngz-Sportler Des Monats August Kevin Deden : Mister Zuverlässig hatte noch mal Spaß

Mit 33 Jahren hatte Kevin Deden seine aktive Tenniskarriere eigentlich schon abgeschlossen und sich ganz aufs Trainerdasein konzentriert. Doch in der Zweiten Bundesliga lief er mit fünf Siegen und ohne Niederlage noch mal zu großer Form auf.

Neuss Wenn einer, sagt Marius Zay, "wenn einer eine solche Auszeichnung verdient hat, dann der Kevin." Der Teamchef des TC Blau-Weiss Neuss muss es wissen, spielt er doch mit Kevin Deden "gefühlt seit einem halben Jahrhundert" gemeinsam Tennis.

Zuletzt in der Zweiten Liga. Dass der Rekordmeister sie nach einem Jahr auf direktem Wege Richtung Oberhaus verlässt, liegt nicht zuletzt an Kevin Deden. Der 33-Jährige lief fünf Mal im Einzel auf und ging fünf Mal als Sieger vom Platz. "Ein besseres Back-up als Kevin kannst du gar nicht haben," sagt Marius Zay über seinen Kumpel, den sie an der Jahnstraße nur "Mister Zuverlässig" nennen.

Eine Eigenschaft, die Kevin Deden jetzt den Titel "NGZ-Sportler des Monats August" einbrachte. "Wie kommt das denn?", war seine erste Reaktion. Aufheben um seine Person hat der gebürtige Tönisvorster, der gerade dabei ist, von Krefeld nach Düsseldorf zu ziehen ("mit meiner Freundin zusammen") nie gemacht.

Auch nicht, als er sich bis auf Position 398 der Weltrangliste vorgearbeitet hatte. Das war am 24. August 2009. Deden war gerade fünfundzwanzigeinhalb Jahre alt, also im besten Tennisalter, um noch weiter nach oben zu klettern - in jene Ränge, wo sich der Einsatz finanziell bezahlt gemacht hätte. Doch zum "return of invest" kam es nicht: Erst riss die Sehne im Finger, dann streikte das Knie. "Und irgendwann hatte ich keine Lust mehr, immer wieder neu anzufangen, irgendwann war die Luft 'raus", sagt Kevin Deden heute. Besonders frustrierend sei gewesen, stets von Neuem auf kleinen Turnieren aufzulaufen, "von denen du eigentlich geglaubt hast, du hättest sie hinter dir."

Tennis als Ochsentour, eine Erfahrung, die auch andere gemacht haben. Dennoch hat die Faszination des Sports Kevin Deden nie losgelassen. Vielleicht, weil er schon als Kind damit infiziert wurde: "Ich war vier, als mein Vater mich mit zum Tennisplatz genommen hat. Da habe ich dann den Ball mit dem Schläger vor die Ballwand gehauen", erinnert sich der 33-Jährige. Die Eltern haben ihn gefördert - sein Vater ist auch heute noch bei fast jedem Bundesligaspiel dabei - aber auch gebremst: "Wir haben einen Kompromiss geschlossen: Erst die Schule beenden, dann durfte ich auf die Tour gehen", sagt Deden junior. Nach Fachabitur und Zivildienst stieg der "große Blonde" in den Profizirkus ein - Ergebnis siehe oben.

Auch wenn es nie zum ganz großen Erfolg und der entsprechenden ganz großen Kasse gereicht hat: Sein Geld verdient Kevin Deden auch heute noch mit Tennis. Während der Verletzungspausen machte er eine Ausbildung zum staatlich geprüften Tennislehrer, heuerte dann bei seinen alten Kumpels Marius Zay und Sascha Klör und deren Tennisschule mit dem schönen Titel "Tennis Ewige Liebe" an und landete so schließlich beim TC Blau-Weiss Neuss. Von Montag bis Samstag steht er auf dem Platz oder in der Halle, 45 bis 50 Wochenstunden kommen so zusammen. Kein Zuckerschlecken, aber ein Job, der ihm Spaß macht und ihm auch viel gibt: "Am liebsten arbeite ich mit Jungs und Mädchen zwischen 13 und 16 zusammen, die leistungsorientiert sind", sagt Deden, "das ist nämlich das, was ich selbst am besten kenne." Aber auch Kinder und Senioren gehören zu seinen Schützlingen, der älteste ist im Moment 62 Jahre alt. "Kevin ist für uns als Trainer unverzichtbar. Mit seiner ruhigen, besonnenen Art kommt er bei den Leuten bestens an", sagt Marius Zay.

Dass er trotz des vielen Übens das eigene Ballgefühl (und die nötige Fitness) nicht verloren hat, zeigt seine Bilanz der abgelaufenen Zweitliga-Saison. "Das hat Spaß gemacht, das war wie früher", sagt Deden, der für den Osterather TV, den Solinger TC und BW Neuss in Erster und Zweiter Liga auflief. Dass es nach dem Aufstieg der Neusser in der kommenden Spielzeit wohl nicht mehr für die Erste Liga reicht bei ihm, ficht ihn nicht an: "Dann konzentriere ich mich halt mehr aufs Coachen. Und für ein, zwei Döppelchen wird es noch gehen.."

(NGZ)
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