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Stadtsportverband Ratingen will finanzielle Hilfe für Sportvereine

Unterstützung in der Pandemie : Das soll der Corona-Hilfsfonds leisten

Bislang haben die Sportvereine der Stadt kaum eine Möglichkeit, finanzielle Hilfen in der Pandemie in Anspruch zu nehmen. Das will der Stadtsportverband Ratingen ändern. Dessen Vorsitzender Michael Schneider erklärt die Idee dahinter.

Der Stadtsportverband (SSV) Ratingen hat einen Antrag bei der Stadt über die Einrichtung eines Corona-Hilfsfonds für die Sportvereine eingereicht. Bislang sind bestehende Angebote für die Klubs nahezu nicht nutzbar: Die Soforthilfen für den Sport können nur in Anspruch genommen werden, wenn die Existenz nachweislich bedroht ist. Und auch die sogenannten Novemberhilfen verfangen kaum, da diese nur auf Umsätze ausgerichtet sind, zu denen aber etwa Mitgliedsbeiträge, die das Gros der Wirtschaftlichkeit der Breitensportvereine ausmachen, nicht zählen.

Darum beantragt der SSV nun Fördergelder, deren Höhe nach Ermessen der Stadt zwischen 10.000 und 50.000 Euro insgesamt liegen sollen. „Der Antrag wird noch konkretisiert und nun in den Haupt- und Finanzausschuss eingebracht“, erklärt Michael Schneider. Der Vorsitzende des SSV, dem fast 80 Vereine angegliedert sind, erläutert, dass es nicht darum gehe, die finanziellen Verluste der Vereine abzufedern, sondern um eine Unterstützung zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs, sobald der Lockdown im Amateur- und Breitensport von der Politik beendet ist. „Die Vereine sollen die Maßnahmen, die sie dann ergreifen müssen, auch umsetzen können“, sagt Schneider. „Nach dem ersten Lockdown haben noch einfache Stoffmasken gereicht, um zu den Trainingsstätten zu kommen, nun werden es vermutlich FFP-2- oder OP-Masken sein müssen. Das ist schon ein anderer Kostenfaktor. Die Vereine werden wohl Hygienekonzepte schreiben, umsetzen und kontrollieren müssen, Desinfektionsmittel besorgen, Trennwände aufstellen oder Ein- und Ausgänge beschildern müssen.“

All das kostet Geld, das die Vereine nach dem ersten Lockdown selber aufgebracht haben. Nun hat der SSV die Sorge, dass eben das die Klubs abschrecken könnte, vor einem Wiedereinstieg ins Training erneut zu investieren – deswegen will er mit dem Hilfsfonds unterstützen. Praktisch soll das dann so aussehen: „Der Verein stellt einen Antrag und beschreibt, was er braucht. Dieser Antrag wird dann geprüft und mit der Stadt und den bestehenden Vergaberichtlinien für öffentliche Gelder abgestimmt und dann umgesetzt“, sagt Schneider.

Ein zweiter Baustein für den Hilfsfonds: Neben den kommunalen Fördermitteln könnten Zuwendungen von Sponsoren oder Spendengelder dort hinein fließen. „Wir wollen Firmen die Möglichkeit geben, sich solidarisch zu zeigen. Die Bereitschaft dazu ist trotz der wirtschaftlichen Lage größer denn je – und es muss ja kein Geld sein, auch Sachspenden können helfen“, sagt Schneider. Zwar gibt es bereits einen Fonds von der Stadt für Unternehmen und auch Vereine, allerdings ist der ähnlich gestaltet wie die „Novemberhilfen“, also an eine Bedrohung der Existenz gekoppelt. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn die Stadt das entschärfen würde, aber solange wollen wir den Hilfsfonds einrichten als schnelle, unbürokratische und schlanke Lösung in enger Abstimmung mit dem Sportamt und der Stadt“, erklärt Schneider.

Einstweilen ist der Lockdown bis mindestens 7. März verlängert, früher öffnen sollen unter anderem Kindertagesstätten, bereits ab 22. Februar. „Wir plädieren als SSV dafür, den Sport in die Entscheidungen über Öffnungen einzubeziehen und ihn als Teil der Lösung zu begreifen“, betont Schneider und ergänzt: „Körperliche Ertüchtigung ist für die Entwicklung von Kindern und generell für die Psychologie eminent wichtig. Wir sind uns der Gefahr des Virus und der Mutationen bewusst und müssen auf Sicht fahren, aber Fitness ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Die Grundkompetenz der Vereine ist nun wichtiger denn je: für sportliche Betätigung sorgen und soziale Kontakte wiederherstellen.“

Klar ist, dass die Inzidenz eine Rolle spielt bei einem Wiedereinstieg in den Sport. „Aber wenn die Zahlen lokal so sind, dass Vereine für die Kleinsten wieder öffnen und zumindest draußen wieder Sport anbieten könnten, muss das auch möglich gemacht werden“, fordert Schneider und führt aus: „Wenn Kitas wieder geöffnet sind – warum können dann Kinder, teilweise sogar dieselben wie in der Betreuung, nicht nachmittags auch zusammen Sport treiben in gut strukturierten Vereinen mit gelebten Hygienekonzepten? Da könnte ich nachvollziehen, dass die Akzeptanz dafür schwindet. Deshalb muss eine sichere und gerechte Öffnungsstrategie für den Sport in die politischen Überlegungen miteinbezogen werden.“