Heiligenhaus. Falterexperte erklärt heimische Schmetterlinge

Heiligenhaus : Experte erklärt die Welt der Schmetterlinge

Dietmar Borbe ist pensionierter Biologielehrer und ein gefragter Fachmann, was die rund 30 in Heiligenhaus heimischen Falterarten angeht.

(RP) „Gibt es noch Schmetterlinge in Heiligenhaus? Wenn ja wie viele und welche und wie leben sie? Diesen Fragen ging der Bürgerverein Oberstadt-Nord in einer Mitgliederversammlung nach und lud dazu den Experten Dietmar Borbe vom Heiligenhauser Verein für wissenschaftiche Naturschutzpatenschaften ein. Er ist für Stadt und Kreis ehrenamtlich tätig und berichtete über die örtliche Schmetterlingswelt und andere Besonderheiten.

Der Biologe und Schmetterlingsexperte Dietmar Borbe hat in gut zehn Jahren 10.000 Fotos zusammengetragen. Foto: RP/Borbe

Schon am Anfang machte der ehemalige Realschullehrer deutlich, dass es ein Leben des Schmetterlings im eigentlichen Sinne gar nicht gibt, sondern einen immer durchgehenden Zyklus der Falter über die Eiablage, die dann über die Raupe zur Puppe und schließlich wieder zum neuen Falter führt. Diese Transformationen finden in ein bis vier Generationen pro Jahr statt. Schnell zog Borbe die Zuschauer mit seinen Fotos in ihren Bann, als er zeigte, dass die meisten Falter nur wenige Wochen, andere, wie der Zitronenfalter, jedoch bis zu einem Jahr aushalten können. Dabei hält letzterer Eis und Schnee bis -20 Grad Celsius in Sträuchern aus.

Auch diesen Schwalbenschwanz fotografierte Borbe in Heiligenhaus. Der Schmetterling stammt aus der Familie der „Ritterfalter“. Foto: D. Borbe

In Heiligenhaus und Umgebung konnten bisher rund 30 Tagfalterarten registriert werden. Dabei stehen etliche auf der Roten Liste. Falter, die also je nach Gefährdungsgrad bedroht sind. Einige davon sind auch auf der Deponie an der Friedhofsallee anzutreffen.

Der Glasflügler ähnelt mit seiner gelb-schwarzen Streifung entfernt einer Wespe – das schützt ihn vor Fressfeinden. Foto: Dietmar Borbe

Tagfalter besitzen viele Möglichkeiten die Umgebung wahrzunehmen. Beim Sehen vermögen ihre Facettenaugen nicht nur den menschlichen Bereich zu erfassen- wenn auch etwas anders, sondern darüber hinaus auch im weiteren Bereich des Lichtspektrums. Mit ihren „Ohren“, den sogenannten Tympanalorganen, unter Brust und Hinterleib vernehmen sie Geräusche der Umgebung. Klickgeräusche von Spiegelreflexkameras vertreiben sie schnell.

Raupen leben oft infolge ihrer Häutungen über einen längeren Zeitraum, in dem sie fressen, fressen, fressen und abermals fressen. Sie selbst werden dann auch leicht ein Opfer anderer Tiere wie mancher Vögel, die diese eiweißreiche Nahrung für ihre Jungenaufzucht schätzen. Insgesamt steckt in diesem Tierbereich eine sehr große Biomasse.

Borbe ging vor seinen Zuhörern ins Detail: Die Nachtfalter besitzen im Gegensatz zu den Tagfaltern fadenförmige bzw. fächerartige Fühler, je nachdem, ob sie weiblich oder männlich sind. Von diesen hauptsächlich nachtaktiven Tieren konnten im Heiligenhauser Raum insgesamt im Laufe der Jahre über 500 nachgewiesen werden. Manche Nachtfalter, wie Glucken, Pfauenaugen und Pappelschwärmer haben nur einen verkümmerten Rüssel oder gar keinen. Die Raupe hat während ihrer Entwicklung enorm viel Energie gespeichert. Das reicht für kurze Zeit, mindestens bis zur Paarung. Die zahlreichen Schuppen auf der Flügeloberseite verhindern Schmutz- und Regenablagerung.

Eine vom Menschen konstruierte Kunststoffoberfläche beruht ebenfalls wie die schon seit Jahrhunderten genutzte Schiefer- und Schindelabdeckung von Dach- und Häuserwänden auf dem gleichen Prinzip. Im medizinischen Bereich forscht man an neueren Entwicklungen von Kathetern, die bei der Abwehr von Bakterien helfen.

Der ehemalige Realschullehrer zeigte, mit welchen Methoden er arbeitet. Nachts lockt er die Falter mit speziellen Lichtquellen an. Mit Pheromonen (Duftstoffen) konnte er ebenfalls zahlreiche Arten nachweisen. Mit Hilfe einer Mischung aus Alkohol, Hefe und Sirup verleitet er viele Nachtfalter zum Trinken an Baumstämmen. Besonders interessant: das an Eichen lebende Große Eichenkarmin (Catocala sponsa), das unter Naturschutz steht. Die prophylaktische Besprühung von rund 200 Eichen gegen die Eichenprozessionsspinner mit einem biologischen Präparat solle auf dessen Harmlosigkeit hinweisen. Borbe sieht das kritisch: Hier werde mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

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