Heiligenhaus: Bürgermeister beklagt Umgangston in Gremien

Heiligenhaus : Beck: Ton im Rathaus wird rauer

Keine Spur von Amts-Idylle: Vor allem in den Gremien ist immer wieder ein Moderator gefragt.

Anfeindungen gegenüber Bürgermeistern nehmen in Deutschland zu. „In Heiligenhaus ist das nicht so ausgeprägt, wie das offensichtlich, erschreckenderweise in anderen Städten der Fall ist“, sagt Bürgermeister Michael Beck. Auch er bekomme kritische Zuschriften, „die Tonlage ist schon verschärfter, aber auch nicht eklatant. Ich hoffe, dass das auch im Rahmen bleibt.“

Entschärft habe sich dagegen in Teilen der Ton gegenüber den Rathaus-Mitarbeitern: „In den klassischen Bereichen mit Publikumsverkehr gibt es aber immer eine Anzahl von schwierigen Problemlagen.“ Für Mitarbeiter des Fachbereichs Soziales konnte durch einen Umzug der Räumlichkeiten aus der unteren Etage in das Erdgeschoss, bauliche Veränderungen und Schulungen die Situation nach Ansicht des Verwaltungschefs verbessert werden. Er stellt aber fest, dass sich der Umgang miteinander auch auf anderen Ebenen verändere, „das scheint ein gesellschaftliches Problem zu sein“. So hat das Stadtoberhaupt in der politischen Arbeit einen Wandel des Umgangstons im Miteinander ausgemacht. Er bedauert: „Der Ton ist rauer geworden.“ Natürlich habe es das vereinzelt immer schon gegeben, „aber dass wir uns so beklagen müssen, wie das nun der Fall ist, ist neu. Ich sehe da meine Aufgabe, gerade in der Ratsarbeit das Miteinander auf eine Ebene zu bringen, die den respektvollen Umgang mit den Instrumenten der Sitzungsleitung möglich macht. Aber da ist noch Luft nach oben, was den gegenseitigen Respekt angeht.“ Dass man hart um Positionen ringe und versuche, Mehrheiten zu begeistern und zu organisieren, das seien klassische Instrumente der Demokratie, betont Beck: „und das muss eine Demokratie aushalten, soviel ist klar, aber wie heißt es so schön: Der Ton macht die Musik.“ Der Diskurs habe Grenzen, denn in den Gremien sitzen neben den Hauptamtlern der Verwaltung, zu deren Beruf die Gremienarbeit gehöre, vor allem Menschen, die ihre Freizeit opfern, um sich politisch für die Belange ihrer Kommune einzusetzen, „und dass die im Zweifelsfall in der Ausübung ihres Ehrenamtes so diskreditiert werden, das bedaure ich sehr und da würde ich mir eine Veränderung wünschen.“ Natürlich sei Kommunalpolitik nicht immer einfach und es müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden, „man ist manchmal eben gezwungen die kleinstmögliche Kröte zu schlucken“, sagt der Bürgermeister. „Demokratie bedeutet aber auch, dass die Mehrheit bestimmt und dann gehört es auch dazu, wenn es eine solche demokratische Entscheidung von genauso gewählten Vertretern der Bürger gibt, als Unterlegener diese demokratisch getroffene Entscheidung zu akzeptieren. Das ist einfach unser demokratisches System und ich kenne kein besseres.“

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