Gefahren werden von Fußgängern unterschätzt

Drei Fußgänger sterben, zwei weitere werden schwer verletzt im Oberbergischen Kreis : Polizei: Fußgänger unterschätzen die Gefahren

Retroreflektierende Bekleidung und Hilfsmittel wie Leuchtwesten oder -bänder erhöhen die Sichtbarkeit und somit die Sicherheit eines Fußgängers beträchtlich!

Fußgänger sind in der dunklen Jahreszeit stärker gefährdet und müssen ganz besonders aufpassen. Dies gilt auch noch für die kommenden Monate Februar und März, heißt es jetzt seitens der Polizei. „Die tragischen und vermeidbaren Unfälle der letzten Wochen zeigen, dass sich viele Fußgänger der Gefahren der Verkehrswirklichkeit offensichtlich nicht bewusst sind“,erklärt Monika Treutler, Sprecherin der Kreispolizeibehörde in der oberbergischen Kreisstadt Gummersbach.

In den letzten zwei Monaten (Anfang Dezember 2018 bis heute) kam es kreisweit zu mehreren schweren Verkehrsunfällen mit Fußgängern bei Dunkelheit bzw. schlechten Sichtbedingungen.

  (Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei. Das Bild darf nur in Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei Nennung der Bildquelle verwendet werden.) Foto: ADAC/dpa/tmn. Foto: dpa-tmn/ADAC

▶ Im Dezember wird ein 58-jähriger Mann beim Überqueren der Fahrbahn in Gummersbach-Derschlag von einem Pkw erfasst und verstirbt;

▶ im Januar wird eine 77-jährige Fußgängerin beim Überqueren der Fahrbahn in Lindlar von einem Pkw angefahren und schwer verletzt;

▶ ebenfalls im Januar wird ein 92-jähriger Fußgänger mit Rollator beim Überqueren der Fahrbahn in Gummersbach-Dieringhausen von einem Pkw erfasst und verstirbt zwei Tage später im Krankenhaus;

▶ im Januar wird ein siebenjähriges Mädchen beim Überqueren der Fahrbahn von einem Pkw erfasst und zieht sich hierbei schwere Verletzungen zu;

▶ im Februar überquerte eine 85-jährige Frau der Fahrbahn in Gum-mersbach-Dieringhausen, wird von einem Pkw erfasst und verstirbt vier Tage später im Krankenhaus.

Polizeisprecherin Treutler: „Fußgänger werden in der Dunkelheit oft nicht oder zu spät gesehen. Überwiegend dunkle Kleidung macht sie für andere, insbesondere motorisierte Verkehrsteilnehmer, nahezu unsichtbar. Die Fußgänger werden erst im letzten Moment gesehen, und zwar erst dann, wenn ein Reagieren z. B. des Autofahrers zu spät erfolgt, um den „Schaden“ noch abzuwenden.“

Das gelte sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene und hierbei ganz besonders für lebensältere Personen und gerade für die dunkle Jahreszeit. Hinzu kommen altersspezifische Handicaps von Groß und Klein. Kinder bis zum zehnten Lebensjahr beispielsweise könnten eine einmal begonnene Bewegung nicht abrupt abbrechen wie ein Erwachsener und könnten vor das fahrende Fahrzeug laufen, das sie anschauen.

Machen sich Fußgänger und Fahrradfahrer durch retroreflektierende Materialien (Kleidung, Schirm, Tasche, reflektierende Bänder bzw. Überziehwesten) sichtbar, vergrößert dies ihre Sicherheit um ein Vielfaches. Treutler: „Bei der durchschnittlichen Reaktionszeit von einer Sekunde legt der Kraftfahrer schon bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von lediglich 30 km/h etwa 9 Meter zurück, bevor er es schafft, den Fuß auf das Bremspedal zu setzen und damit den Anhaltevorgang einzuleiten! Bei 50 km/h vergrößert sich der Reaktionsweg bereits auf 15 Meter.“

Auch die Örtlichkeit, die vom Fußgänger für die Fahrbahnüberquerung gewählt werde, trage entscheidend zu dessen Sicherheit bei. Zwischen geparkten Autos werde der querende Fußgänger oft zu spät oder gar nicht vom motorisierten Verkehrsteilnehmer wahrgenommen.

Die Polizeisprecherin empfiehlt: „Nutzen Sie Überquerungshilfen, auch wenn dies einen Umweg bedeutet, da ein Fahrzeugführer hier auch mit Überquerenden rechnet.“

Aber auch an diesen Stellen sollte der Fußgänger sich darüber vergewissern, ob seine Absicht der Überquerung auch wahrgenommen wurde. Desto weiter die Straße für den Passanten selbst einsehbar ist, desto eher wird er auch von einem Fahrzeugführer gesehen.

Für den Kraftfahrer gilt: Insbesondere für Kinder und auch für ältere Menschen nur an gesicherten Überquerungshilfen (Verkehrsinsel, Zebrastreifen, Fußgängerampel) anhalten. Ansonsten mit angepasster Geschwindigkeit und erhöhter Aufmerksamkeit am „gefährdeten Fußgänger“ vorbeifahren, denn die Bewertung der Verkehrssituation durch den Gegenverkehr entzieht sich der eigenen Kontrolle und für den nachfolgenden Verkehr könnte der Fußgänger vom eigenen Fahrzeug verdeckt werden.

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