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Neuss: Unverkrampfter Jazz von Esther Berlansky

Neuss : Unverkrampfter Jazz von Esther Berlansky

"Berlansky 2 ist da", hatte die Sängerin Esther Berkovits Berlansky ihren Freunden per E-Mail mitgeteilt. Es sei zwei Wochen alt, 14 mal 12,5 cm groß und trage den schönen Namen "in between". Zugleich hatte sie klargestellt: "Nein, es war keine schwere Geburt!" Wenn man einmal in das "zweitgeborene" Album hineinhört, glaubt man das sofort, so natürlich frisch und unverkrampft klingt es.

"Ich freue mich, zu Hause zu sein", sagte Berlansky bei der Begrüßung zu ihrem CD-Release-Konzert in der Alten Post, denn wie für eine Taufe üblich, hatte die aus Neuss stammende Sängerin in ihre Heimatstadt eingeladen. Auch sonst hatte dieser Abend, der innerhalb von Philipp van Enderts Jazzreihe "Blue in Green" stattfand, etwas von einer Familienfeier. Viele Verwandte, Freunde und Musikerkollegen waren gekommen, rückten näher zusammen, damit alle Platz hatten, und gratulierten zur neuen CD. Ihrem Stil, einer Mischung aus Eigenkompositionen, der Folklore ihrer ungarischen Wurzeln, Jazz-Harmonien und -Improvisationen sowie einzelnen Elementen aus Klassik und Avantgarde, ist Esther Berlansky seit ihrem Debüt-Album "Growin' Up" von 2007 treu geblieben.

Verändert hat sich die Instrumentierung. Kontrabass (in der neuen Band: André Nendza) und Schlagzeug (Oliver Rehmann) sorgen auch weiterhin für die dunkle Grundierung, die Berlanskys helle, klare Stimme strahlen lässt. An die Stelle des Pianos ist nun jedoch das Vibraphon (Mathias Haus) getreten, als Gast ist diesmal statt einer Bassklarinette ein Streichquartett dabei. Der zarte, silbrige Ton des Vibraphons ergänzt sich schön mit Berlanskys beweglicher Sopranstimme. Ihre Linien umranken einander, laufen parallel oder kontrapunktisch gegeneinander, bis sie sich in den Solo-Passagen voneinander trennen – ein Freiraum, in dem das Vibraphon in brillanten Improvisationen seine ganze Dynamik und Virtuosität zeigen kann.

Den Jazz-Standard "You Don't Know What Love Is" hatte Esther Berlansky für Stimme und Streichquartett bearbeitet. Da die Streicher jedoch nicht nach Neuss kommen konnten, arrangierte die Sängerin den Song speziell für das Konzert noch einmal neu. Mit einem sogenannten "Looper", einem Effektgerät, mit dem man während des Konzerts aufzeichnen und abspielen und auf diese Weise in einem additiv-repetitiven Arrangement mehrere Stimmen übereinanderschichten kann, zeigte die Sängerin zur Verblüffung des Publikums, dass noch viel mehr in ihr steckt – nämlich eine ganze Band.

(NGZ)