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Neuss: Trash zum Weglachen

Neuss : Trash zum Weglachen

In großer Besetzung spielt die nur aus Männern bestehende Propeller Company die "Comedy of Errors". Die Inszenierung von Edward Hall beim Shakespeare-Festival überzeugt auf ganzer Linie.

Kung Fu Fighting hilft ihr auch nicht weiter. Antipholus pariert jeden Schlag, und so gibt Luciana lieber auf, bevor es kritisch wird. Ohnehin werden die beiden später ein Paar, aber das kann die junge Frau aus Ephesus jetzt kaum ahnen. Schließlich ist Antipholus der Mann ihrer Schwester Adriana ... Moment, das stimmt, und stimmt nicht. Denn dieser Antipholus ist nicht der aus Ephesus, sondern der aus Syrakus. Der unbekannte Zwillingsbruder, der mit seiner Ankunft in dem fremden Land für allerhand Verwirrung sorgt und selbst nicht ahnt, dass es da noch eine zweite Ausgabe von ihm gibt, die auch noch genauso heißt wie er. Nicht minder kompliziert ist die Sache bei seinem Diener Dromio, von dem es auch einen zweiten gleichen Namens in Ephesus als Diener des dortigen Antipholus gibt.

Ach, Shakespeare hat sich mit seiner "Komödie der Irrungen" über die zwei, durch ein Schiffsunglück getrennten Zwillingspaare schon eine Geschichte ausgedacht, wie sie kurioser kaum sein kann. Aber sei's drum, ist schließlich seine erste Komödie (vermutlich), scheint sich Regisseur Edward Hall gedacht zu haben, als er sich an deren Inszenierung mit den Männern seiner Propeller Company machte. Und was ist dabei herausgekommen? Ein trashiges, wunderbar gespieltes Vergnügen. Einfach nur zum Weglachen.

Die Männertruppe nimmt das Stück auseinander, dass die Fetzen fliegen. Das fängt schon mit dem Ort an. Ephesus muss irgendwo in Mexiko liegen. Sombreros tragende Musiker sind die ganze Zeit dabei, setzen ihre Instrumente nicht nur für Musik ein, sondern kommentieren jeden Schlag und manchmal auch bestimmte Begriffe.

Die Inszenierung ist auch eine Detailschlacht, aber sie erschlägt Stück und Zuschauer nicht. Angefangen von den quietschbunten Kostümen über die punktgenaue Besetzung bis hin zu den vielen Slapstickszenen — zweifellos erweisen sich die Propeller-Mannen als Wiedergänger der legendären Komikertruppe Monty Python.

Einfach nur köstlich: die eingebaute "Teufelsaustreibung" mit dem Trickkünstler Pinch (Tony Bell), der wie ein Erweckungsprediger daherkommt. Zudem geht der Regisseur mit den Zwillingspaaren ungewöhnlich um, lässt sie von jeweils zwei Darstellern verkörpern — was Dugald Bruce-Lockhart und Sam Swainsbury als die beiden Antipholusse sowie Richard Frame und Jon Trenchard als Dromios hinbekommen, ohne dass einer den anderen übertrumpft.

Überhaupt steht bei Hall eine große Besetzung auf der Bühne. Es wuselt vor lauter Menschen, laut und körperlich geht es zu. So viele kleine und große Einfälle könnten eine Inszenierung auch überfrachten, aber bei der Propeller Company ist nichts zu viel.

(NGZ)