Neuss: TaS will Kabarett und Theater mehr verzahnen

Neuss : TaS will Kabarett und Theater mehr verzahnen

21 500 Zuschauern haben in der vergangenen Saison das Theater am Schlachthof besucht. Die beiden neuen Chefs sind hochzufrieden.

Einer ist immer da. Auch in den Theaterferien, die im Theater am Schlachthof (TaS) nur bedingt eine freie Zeit einläuten. Denn anders als in den Vorjahren laufen die Kinderaktionen des TaS in dieser und in der nächsten Woche, geht es im August mit den Proben für die neue Saison los ... "Nur das Telefon ist nicht ständig besetzt", sagt Britta Franken und lacht. Sie ist der eine Teil des Leitungsduos und für die Geschäftsführung des TaS zuständig, der andere ist Markus Andrae als Künstlerischer Leiter. Gemeinsam haben sie nun ihre erste komplette Spielzeit abgewickelt.

Um es vorweg zu nehmen: Sie sind beide hochzufrieden. Die Zahlen stimmen — das TaS hatte in der gerade abgelaufenen Spielzeit rund 1500 Zuschauer mehr als in der davor: 21 500 statt 20 000. Damals, mitten in der Spielzeit 2011/12 waren Franken und Andrae nach dem plötzlichen Tod von TaS-Chef Reinhard Mlotek eingesprungen, konnten nur an Stellschrauben drehen.

Mit der ersten komplett eigenverantworteten Spielzeit 2012/13 haben sie dagegen die Vergangenheit auch ein bisschen auf den Kopf gestellt. "Wir haben uns etwa von den opulenten Revuen verabschiedet", sagt Andrae und gibt zu: "Das haben uns viele Zuschauer übelgenommen, und wir haben Mühe gehabt, das Publikum wieder zu gewinnen, das mal da war." Abgeschlossen sei der Vorgang nicht, sagt er und weiß auch, dass das "noch sehr viel Anstrengungen kosten wird".

Gleichwohl sieht er das Haus auf dem richtigen Weg und Entwicklungen wie etwa seiner eigenen Regiearbeit mit dem Stück "Das war ich nicht" von anfänglich schleppendem Zuspruch bis hin zum Schluss doch ausverkauften Vorstellungen als Ermutigung. "Ich musste meine Ansicht revidieren", sagt er selbstkritisch, "denn das TaS hat nicht ein Publikum, sondern spricht zwei völlig getrennte Zuschauerbereiche, nämlich für Kabarett und für Theater, an." Nimmt man den Kindertheaterbereich dazu, der — wie Britta Franken sagt — so erfolgreich wie noch nie war, sind es sogar drei.

Bei den Erwachsenen hat Andrae vor allem mit dem eigenen Kabarettgewächs "Rathauskantine" bei gleichzeitiger Reduzierung der Gastspiele auf zwei pro Monat gepunktet. Daraus zieht er nun den Schluss, Theater und Kabarett im Spielplan mehr zu verknüpfen, Stücke auszusuchen, die beide Zuschauergruppen anlocken. Und auch dem Wunsch nach Bühnenkombis von Theater und Musik wie beim "Marilyn-Monroe-Abend" wird er entsprechen. Zudem macht er weiter, wo er schon erste Erfolge sieht: "Das TaS geht in die Stadt" — und ist bei anderen Aktionen wie "Literarischer Sommer" oder "Neuss liest ein Buch" dabei.

Und wie klappt es mit der Zusammenarbeit der beiden Chefs? "Da gibt es überhaupt nichts zu meckern", sagt Andrae, und Franken ergänzt lachend: "Wir sind so unterschiedlich und kannten uns vorher ja auch gar nicht so gut — aber gerade deswegen klappt es vermutlich so toll."

(NGZ)
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