Stadt Neuss sucht nach Erziehern für die Kitas

Stadt auf Werbetour : Neuss sucht händeringend nach Erziehern für die Kitas

Die Pläne für die Etablierung einer Fachschule für Sozialpädagogik sind vom Tisch. Grund: Schon die vorhandenen Ausbildungskapazitäten werden nicht ausgeschöpft. Dabei fehlen in der Stadt auf Sicht hunderte Erzieher.

Bürgermeister Reiner Breuer wollte ein starkes Votum, um mit breitem Rückhalt für die Einrichtung einer Fachschule für Sozialpädagogik in Neuss streiten zu können. Dahinter stand und steht die Hoffnung, durch mehr Ausbildungskapazitäten die Personalnot in den Kindertageseinrichtungen zu entschärfen. Doch auch wenn der Rat solche Pläne unterstützt – sie zerplatzten schon mit dem ersten Gespräch, das Jugenddezernent Ralf Hörsken in dieser Sache führte. „Die Voraussetzung für die Genehmigung einer weiteren Fachschule ist nicht gegeben, weil es die Nachfrage nicht gibt“, sagt er.

Einen Bedarf gibt es natürlich schon. Rund 120 Erzieher und Erzieherinnen müssen in Neuss künftig Jahr für Jahr neu anfangen, will die Stadt das nötige Ausbauprogramm für Kindertageseinrichtungen umsetzen und auch noch die Abgänge durch Pensionierung kompensieren. Diesen Wert hat Jugendamtsleiter Markus Hübner errechnet. Doch weil derzeit nicht einmal die vorhandenen Ausbildungskapazitäten ausgeschöpft werden, besteht wohl in der Tat kein Bedarf an einer neuen Schule.

Größter Ausbildungsträger ist das Erzbischöfliche Berufskolleg mit den Standorten Marienberg und Marienhaus. Dort, so berichtet Schulleiterin Gerda-Maria Himmels, musste in der Vergangenheit noch kein Bewerber abgewiesen werden. Das aber wäre die Voraussetzung, um mit Aussicht auf Erfolg über eine weitere Schule auch nur nachzudenken. Und sollte es nötig sein, so erklärt Christina Weyand vom Erzbistum als Schulträger, „wird sich das Berufskolleg dem steigenden Bedarf anpassen“. Denn die Schule sei ja 1970 zum Zweck der Erzieherausbildung gegründet worden.

313 frühpädagogische Fachkräfte befinden sich derzeit an dem Kolleg in Ausbildung, 80 Plätze blieben unbesetzt. Nach Abschluss des Anmeldeverfahrens für das nächste Jahr zeichnet sich ab, dass 64 Plätze frei bleiben werden, davon 27 in der Kinderpflege, 13 im Bereich Erzieher (Vollzeitschule) sowie 23 in der sogenannten praxisorientierten Erzieherausbildung (PIA).

Vor diesem Hintergrund denkt der Jugenddezernent Hörsken über eine Werbe-Tour durch die weiterführenden Schulen nach. Dort will er für den Beruf des Erziehers werben. Denn die Personalgewinnung ist seiner Überzeugung nach das größte Problem, um eine qualifizierte Kinderbetreuung sicherzustellen. Hörsken bezeichnet es als erschreckend, wie unattraktiv dieser Beruf – im Vergleich mit anderen Jobs – für junge Menschen ist. Er erfuhr aber beim Besuch im Berufskolleg, dass das Einkommen bei der Entscheidung für den Erzieherjob nur nachrangige Bedeutung hat. Eine Schlussfolgerung für ihn: „Wir müssen junge Menschen für dieses Beruf begeistern.“ Eine andere: „Wir müssen ihnen den Zugang möglichst einfach erklären.“

Die Stadt nimmt aber auch die Träger in die Pflicht. Schließlich sind vor allem sie es, die Personal suchen. Am 25. März hat die Verwaltung diese Partner bei der Kinderbetreuung zu einer Fachkonferenz eingeladen. Dabei werde er dafür werben, sagt Hörsken, dass diese möglichst viele PIA-Ausbildungsverträge schließen, damit zumindest die vorhandenen Schulkapazitäten ausgefüllt werden. Der Vorteil für die Träger: Jugendliche im PIA-Ausbildungsgang stehen den Trägern zumindest zur Hälfte der Zeit in den Einrichtungen zur Verfügung.

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