Neuss: Politik will zweite Schule für Erzieher

Personal-Mangel in Neuss : Politik will zweite Schule für Erzieher

Die SPD erhält für ihren Vorschlag breite Unterstützung. Der Landrat will den Personal-Mangel früher bekämpfen.

Die Stadt Neuss braucht dringend neue Kita-Plätze – und der Bedarf wird auch in Zukunft weiter steigen. „Neuss ist eine wachsende Stadt“, betont Sozialdezernent Ralf Hörsken regelmäßig. Deshalb schafft die Stadtverwaltung unter anderem Provisorien und plant den Bau weiterer Kitas im Stadtgebiet. Nun schlägt die SPD Alarm in der verzwickten Kita-Diskussion. „Es reicht nicht aus, die notwendigen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, es muss auch qualifiziertes Personal gefunden werden“, heißt es in einem vom Fraktionsvorsitzenden Arno Jansen und seiner Stellvertreterin Claudia Föhr unterzeichneten Antrag zur Ratssitzung am Freitag, 8. Februar.

Damit möchte die SPD die Stadt beauftragen, die Errichtung einer weiteren Fachschule für Sozialpädagogik in Neuss zu erwirken und alle dafür nötigen Voraussetzungen zu prüfen und bereitzustellen. Bürgermeister Reiner Breuer soll zudem mit dem Rhein-Kreis Neuss Gespräche aufnehmen, um die Errichtung dieser Schule „schnellstmöglich“ zu erreichen.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke gibt auf Nachfrage unserer Redaktion an, vor wenigen Wochen ein Gespräch mit Breuer zum Thema „Wie kann der Rhein-Kreis Neuss neue Erzieherinnen gewinnen?“ geführt zu haben. Der Antrag der SPD greife jedoch zu spät. „Es geht nicht um die Frage eines zusätzlichen Ausbildungs-Standortes, sondern darum, junge Leute überhaupt erst für den Beruf zu begeistern“, so der Landrat. Dass neue Kräfte gebraucht werden, darüber sei man sich parteiübergreifend einig. Wie viele neue Kräfte bis wann benötigt werden, sei nur schwer zu bestimmen, weil sich die Zahlen monatlich verändern.

Aktuell gibt es im Rhein-Kreis Neuss zwei Fachschulen für Sozialpädagogik, an denen Erzieherinnen ausgebildet werden: im Erzbischöflichen Berufskolleg Marienhaus (Neuss) und in der Fachschule im Berufsbildungszentrum Grevenbroich (Berufskolleg des Rhein-Kreises Neuss). Eine frühere am Hammfelddamm in Neuss ansässige Fachschule für Sozialpädagogik wurde vor Jahren aufgelöst.

Die Stadt Neuss soll aus Sicht des FDP-Fraktionsvorsitzenden Manfred Bodewig nicht länger warten, um die nötige Infrastruktur für neue potenzielle Erzieherinnen zu schaffen. Auch wenn die Kräfte noch fehlen, sollte man bereits jetzt Eckpfeiler setzen, um zukünftig etwas an der angespannten Personallage bei der Kinderbetreuung verbessern zu können. „Wir sehen es grundsätzlich positiv, wenn Neuss als Standort für Fachschulen ausgebaut wird“, so Bodewig.

Ähnlich sieht es Roland Sperling. „Grundsätzlich ein guter Ansatz“, findet der Fraktionsvorsitzende der „Linken“ in Neuss. Helga Koenemann, Fraktionsvorsitzende der Neusser CDU, kündigt zwar intensive Beratungen innerhalb des Fraktionsvorstandes zu diesem Thema an, sollten sich die Voraussetungen ergeben, sei das Vorhaben der Sozialdemokraten aber „sicherlich ein vernünftiges Ziel“.

Ralf Hörsken sieht vor allem ein Problem im U3-Bereich. Dort braucht die Stadt bis zum Jahr 2020 zusätzliche 870 Plätze, um eine angestrebte Versorgungsquote von 50 Prozent der Kinder unter drei Jahren zu gewährleisten. Wichtig sei bei der Debatte zudem, nicht nur an künftige Erzieher zu denken, sondern auch an die Lehrer, die diese ausbilden sollen. „Das Problem löst sich nicht von alleine“, so Hörsken.

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