1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Modellbauer lieben die Sommer-Saison

Neuss : Modellbauer lieben die Sommer-Saison

Bei schönem Wetter kreuzen zahlreiche Modellschiffe auf dem Stadtgarten-Weiher. Gesteuert werden sie von den Mitgliedern des Schiffsmodellbauvereins Neuss, die endlich ihre prachtvollen Werke zu Wasser lassen können.

Es ist der Traum vieler Menschen, einmal Kapitän eines großen Ozeandampfers, eines Rettungsbootes oder eines Schnellbootes zu sein. Meist bleibt dieser Wunsch unerfüllt, doch es besteht die Möglichkeit, den Traum wahr werden zu lassen: Als Kapitän eines Modellschiffs. Der Sommer ist für alle, die dieses Hobby lieben, die schönste Zeit des Jahres. Nach dem Anfahren Anfang Mai sind die Mitglieder des Schiffsmodellbauvereins (SMV) Neuss nicht mehr zu bremsen: Dann treffen sie sich jeden Sonntag ab zehn Uhr am Stadtgarten-Weiher, den der Verein von der Stadt gepachtet hat, um ihre prachtvollen und erstaunlich detailreichen Fahrzeuge zu Wasser zu lassen.

Zahlreiche Spaziergänger beobachten das bunte Treiben — nicht selten entschließt sich jemand spontan, selbst zum "Mini-Kapitän" zu werden. Schon seit einigen Jahren ist Rolf Gründken mit "an Bord", gerade werkelt er an seiner "Thalia", einem französischen Forschungsschiff im Maßstab 1:25. "Ich habe mir den Bauplan besorgt und alles , was ich brauchte, habe ich aus Holz selbst hergestellt", sagt der 67-Jährige. Und weil der Sommer zwar die schönste Zeit zum Ausprobieren, aber nicht zum Bauen ist, wird die Thalia erst zum Saisonstart 2014 zu Wasser gelassen. "Etwa zwei bis drei Jahre dauert es, bis ein Modell fertiggestellt ist", sagt Gründken. Faszinierend daran sei, dass am Anfang ein Stück Papier steht, aus dem nach und nach ein schönes Schiff entsteht.

Leidenschaftlicher Schiffsmodellbauer ist auch Manfred Karl, der stolz seine "Halny", ein polnischer Seenotretter aus den 1950er Jahren, über das Wasser steuert. Beinahe jedes Detail hat er selbst angefertigt, vom Rumpf über die Brüstung bis hin zu den Andreaskreuzen, die das Schiff zieren. "Lediglich Kleinigkeiten wie die Rettungsringe habe ich gekauft", gesteht der 74-Jährige. Den Bauplan bekam er von einem Vereinskollegen, der eine umfangreiche Sammlung besitzt. Dennoch war das nicht genug: "Auf einem Plan sieht man nicht alle Details. Deshalb habe ich im Internet nach Fotografien gesucht und tatsächlich eine detailreiche Serie eines Schwesterschiffs gefunden." So konnte er unter anderem das Ruderhaus noch besser nachbauen.

"Die meisten von uns bauen im Winter, damit sie im Sommer die Schiffe fahren lassen können. Aber gerade bei sehr hohen Temperaturen freue ich mich an so manchem Tag auf meinen kühlen Hobbykeller", sagt Manfred Karl. Dort gibt es Maschinen, Miniaturwerkzeuge, eine Drehbank und jede Menge Material. "Außerdem muss man im Sommer auch manchmal etwas reparieren, was beim Fahren kaputt gegangen ist."

(NGZ)