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Neuss: Schützen trauern um Jakobuspilger

Neuss : Schützen trauern um Jakobuspilger

Msgr. Robert Kleine traten Tränen in die Augen. Der Präses der Neusser Scheibenschützen schloss am Donnerstag in das Gedenken an die Toten der Gesellschaft ausdrücklich die Opfer der spanischen Eisenbahn-Katastrophe von Mittwochabend ein. Die emotionale Brücke schlägt der heilige Jakobus. Sein Grab steht im Unfallort Santiago de Compostela. Dort sollte am Donnerstag - wie auch in Neuss - sein Patronatstag gefeiert werden.

Wie viele Jakobuspilger im Unglückszug saßen, ist nicht bekannt. Es werden nicht wenige gewesen sein. Die Feiern im galizischen Wallfahrtsort wurden abgesagt. "Wir beten für die Opfer, ihre Familien und alle Helfer", sagte Kleine in Neuss, wo die große Anteilnahme spürbar war.

Traditionell beginnt in Neuss am 25. Juli die heiße Zeit der vorschützenfestlichen Phase. Dann feiern die Scheibenschützen von 1415 - und somit die älteste Gemeinschaft im Neusser Regiment - ihren Patronatstag. Dazu gehört die Messe in der Basilika St. Quirin ebenso wie das Totengedenken an der vom Künstler Bert Gerresheim geschaffenen und von den Scheibenschützen gestifteten Jakobus-Figur auf dem Freithof wie die Morgenfeier im Sparkassen-Forum.

In seiner Ansprache hob Oberschützenmeister Robert Schlune die Bedeutung der Vereine hervor. Wer sie, wie einst die Nationalsozialisten, verbiete, der löse die bürgerliche Mitte auf. Vereine schaffen in Augen Schlunes Verbundenheit, übernehmen öffentliche Aufgaben, transferieren Werte in eine neue Zeit und böten zum Teil Ersatz für sich auflösende Familien. "Vereine sind das Sozialkapital der Gesellschaft", sagte Schlune, "sie stehen eben nicht für Vetternwirtschaft."

Schlunes Gruß galt an diesem Morgen insbesondere Heinz Brings. Der wurde vor 50 Jahren in Kevelaer der bisher einzige Bundeskönig aus Reihen der Neusser Scheibenschützen — mit 26 von 30 möglichen Ringen unter hundert Mitbewerbern.

Neuer Jakobuskönig ist Oliver Kohlemann (36); mit ihm freuen sich Ehefrau Daniela und Sohn Nico. Der Kfz-Mechaniker ist seit 13 Jahren bei den Scheibenschützen. Am Abend wurde er in die Stadt geleitet, wo im Zeughaus der Patronatstag zu seinen Ehren ausklang.

(NGZ)