Neuss: Klassische Musikwerke zwischen Idylle und Pathos

Neuss: Klassische Musikwerke zwischen Idylle und Pathos

Die Deutsche Kammerakademie spielte das letzte Abo-Konzert der Saison unter dem Motto "Besinnliches".

Ganz der vorösterlichen Zeit war das fünfte Abokonzert der Deutschen Kammerakademie (DKN) unter Chefdirigent Lavard Skou Larsen gewidmet. Unter dem lapidaren Motto "Besinnliches" fesselten Werke, die — und das gibt es nur in der Musik — Tod und Trauer gar schön erscheinen lassen.

Der Engländer William Walton schreibt 1944 für Lawrence Oliver's Film über Shakespeares "Henry V." eine barocke "Passacaglia", die in gemäßigt moderner Tonsprache den Tod Falstaffs betrauert. Anerkennende Blicke der Zuhörer im gut besuchten Zeughaus zu Nachbarn links und rechts signalisierten: "Die DKN ist heute gut disponiert." Nahtlos schlossen sich, "um die Dramaturgie zu steigern" (Orchestermanager Martin Jakubeit), zwei kaum hörbare Glockenschläge an.

Sie läuteten den "Cantus in Memoriam Benjamin Britten" ein, den Arvo Pärt 1977 für Streichorchester und Glocke schrieb. Er hätte den englischen Komponisten gerne getroffen, "da ich Britten für mich entdeckt hatte", der plötzliche Tod 1976 verhinderte dies. Pärts Meditation über dessen Tod beginnt kaum hörbar, wird durch kanonartig hinzukommende Stimmen gesteigert, um schließlich zu ersterben. Die DKN spielte die oft lang anhaltenden gleichen Akkorde in der "unglaublichen Reinheit", die Pärt an Brittens Musik so schätzte.

Ausgefeilt und ansatzlos rein spielen nun mit der DKN Hörner die "Maurerische Trauermusik c-Moll" von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Luxemburger Alexander Müllenbach, gerade 65 Jahre alt geworden, gehört zu den einfallsreichsten Komponisten seiner Generation. Mehr als 100 Werke kennzeichnen seinen persönlichen Stil zwischen Tonalität und Dodekaphonie, Serielles und Emotionales ergeben lyrische, traumhafte, manchmal auch traumatische Klangbilder.

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Die fünf Sätze des "Gloire et Décadence" (von 2001) verbinden Madrigal und tönernen Zerfall, in einem heiteren "Ballo" verziert die Solovioline (Fenella Humphreys) virtuos Barock, mit Trommeln geht es in den Krieg, das Schluss-"Notturno" verzichtet traurig raunend auf derartige Kapriolen.

"Huch, das war ulkig", lautete der Kommentar von Christina Wasmund, leidenschaftlicher DKN-Fan. In pathetischer Reife wurde aber das letzte Werk des Konzertes musiziert: "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz" von Joseph Haydn.

Dieses ungewöhnliche Orchesterwerk, das nach einer Einleitung sieben langsame Sonatensätze aneinander reiht, kann auch in der Streicherfassung begeistern. Aber nur dann, wenn — wie jetzt im Zeughaus — Lavard Skou Larsen, zudem auch die erste Geige spielende, die Meditationsmusik noch meisterhaft steigert.

(Nima)
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