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Neuss: "Bananen-Sprayer" zeigt Bilder aus 30 Jahren

Neuss : "Bananen-Sprayer" zeigt Bilder aus 30 Jahren

Der als Bananen-Sprayer bekannt gewordene Künstler Thomas Baumgärtel zeigt auf Schloss Reuschenberg 360 Arbeiten aus seinem Atelier. Veranstalter ist die Kunstinitiative "Wurzeln und Flügel".

Ein Zufall war es nur, aber ein so prägender, dass er Thomas Baumgärtel den Titel "Bananen-Sprayer" einbringen sollte. Als der gebürtige Rheinberger während seines Zivildienstes vor mehr als 30 Jahren in einem katholischen Krankenhaus seiner Heimatstadt ein heruntergefallenes Kreuz fand, bestückte er es auf seine Weise: Er nagelte seine Frühstücksbanane darauf, die Schale klappte er wie Flügel auf, die Frucht selbst war der Körper. Ob das ein offener Protest war? Wohl mehr eine spontane Eingebung — die fortan dazu führte, dass die Banane des wesentliche Element in Baumgärtels Kunst wurde. Der 53-Jährige sprüht, malt und formt Bananen für seine Kunstaktionen, fordert Widerspruch heraus, zeigt dabei großen Humor, aber legt auch manches schmerzhaft offen.

Wie groß seine Bandbreite ist, lässt sich derzeit in einer Ausstellung erleben, wie sie in diesem Umfang wohl noch nie möglich war. Rund 360 Arbeiten hat Baumgärtel unterbringen können — in den Ausstellungsgebäuden rund um das Schloss Reuschenberg, das auch Sitz der Kunstinitiative "Wurzeln und Flügel" ist. Und so freut sich nicht allein der Künstler, sondern auch der Vereinsvorstand um die Goldschmiedin Beate Düsterberg: "Es war ein wunderbarer Zufall, der uns zusammengerbacht hat!"

Baumgärtel, der Psychologie und Freie Kunst an der Fachhochschule Köln studiert hat und Meisterschüler bei Professor Franz Dank war, nutzt die einmalige Chance, seine Werk-Laufbahn von den Anfängen bis in die Gegenwart zu präsentieren. Darunter ist natürlich auch ein Foto der ersten gekreuzigten Banane als Reminiszenz, aber sind eben auch gemalte Bilder — etwa von Köpfen wie aus den "Körperwelten" , die gar nicht erst an die gelbe Frucht denken lassen, sondern mehr noch zeigen, dass der spätere Sprayer ein ausgezeichneter Maler ist und genau weiß, wo und wie er Akzente setzen muss. Am stärksten wird das bei den späteren Bildern sichtbar, die er unter dem Motto "Gelber Bananen-Pointillismus" zeigt.

Allein mit Schablonen des Bananen-Stiels malt er sprayend Bilder, die aus der Ferne verblüffend genaue Porträts ergeben und nur aus der Nähe die zig Stiele sichtbar machen. Mal kommt dabei eine Hommage an Tintoretto und seine "Liegende Nymphe" heraus, mal ein augenzwinkerndes Porträt von Apple-Gründer Steve Jobs mit einem verführerisch leuchtend-roten Apfel. Rund 20 000 Mal hat er für sein größtes Bild Stiel um Stiel aneinandergesprüht.

Doch bei aller künstlerischer Fertigkeit — was Baumgärtels Arbeiten zudem so besonders macht, ist der Humor. Der Künstler ist ganz im Hier und Jetzt verankert, was etwa an seiner Version des NSA-Wappens natürlich mit gelber Banane zu erkennen ist oder bei den Arbeiten zum Thema "Deutsche Einheit". Ist das respektlos? Vielleicht auch, aber mehr noch zwingt er auf diese Weise jeden Versuch zur überhöhenden Bedeutung nieder.

Die vielen verschiedenen Räume der Ausstellungsgebäude teilt er in Themenblöcke ein. Da gibt es etwa die "Kunstorte", die Baumgärtel seit etwa Mitte der 1980er Jahre mit seinem Bananen-Zeichen vernetzt. Er sprühte eine Banane auf die Außenwände von Galerien genauso wie neben die Türen zu einer Behörde. Immer ist sie aber auch ein Zeichen der Anerkennung nach dem Motto "Hier wird mit Kunst gut umgegangen". Und so ist die gelbe Frucht längst so etwas wie ein Qualitätssiegel geworden. Schloss Reuschenberg hat er natürlich auch eine Banane gewidmet.

(NGZ)