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Neuss: Kitas zu teuer für Gutverdiener

Neuss : Kitas zu teuer für Gutverdiener

Eine neue Studie hat Kindergartenbeiträge in 102 deutschen Städten auf ihre soziale Gerechtigkeit untersucht. Ergebnis: In vielen Städten zahlen wohlhabende Eltern zu wenig für die Kinderbetreuung – in Neuss jedoch zuviel.

Das Online-Verbraucherportal geld.de hat in einer Studie in 102 Städten in Deutschland die Kindergartenbeiträge städtischer Kindertagesstätten unter die Lupe genommen. Während in den meisten Fällen vor allem die Besserverdienenden an ihrem Einkommen gemessen zu wenig für die Betreuung ihrer Kinder zahlen, sind die Maximalbeiträge in 32 Städten zu hoch – auch in Neuss.

Als Gutverdienender gilt in Deutschland, wer mehr als 60 000 Euro brutto jährlich erhält. Für die Statistik war dieser Wert allerdings nicht relevant – sie vergleicht lediglich die Maximalbeiträge und stellt sie in Relation zum Durchschnittseinkommen vor Ort. Der Grund: Die Einkommensobergrenze, nach der die Städte den Höchstbetrag für ihre Kita-Beiträge ermitteln, ist in Deutschland höchst unterschiedlich: Sie schwankt zwischen 20 400 und 125 000 Euro pro Jahr.

In Neuss liegt sie bei 85 000 Euro. Dann zahlen Eltern für den Vollzeit-Platz in einer städtischen Kita den Höchstsatz von 357 Euro. Gerecht – so rechnen die Statistiker vor – wäre aber ein monatlicher Beitrag von 220,21 Euro. Und auch die Betreuung der Kleinsten in einer Kinderkrippe ist zu teuer: 444 Euro kostet sie; 333,97 Euro wären optimal .

Sozial- und Jugenddezernent Stefan Hahn sieht die Aussagen der Studie mit geteilter Meinung. "Es ist immer die Kardinalfrage : Wie verteilt man Kindergartenbeiträge gerecht? Für uns war es wichtig, vor allem die einkommensschwachen Familien zu unterstützen und deren Kinder zu fördern." In Neuss werden die Beiträge nach dem Jahreseinkommen, dem Alter des Kindes und Betreuungszeit gestaffelt.

Seit vergangenem Jahr gilt: Wer unter 20 000 Euro brutto jährlich verdient, zahlt nichts für den Kindergartenplatz – egal, wie alt das Kind ist und wie viele Stunden es dort verbringt. Darüber liegt der niedrigste Satz für 45 Stunden Betreuung in einer städtischen Kita bei 49 Euro. "Wir sind der Meinung, dass das derzeitige Konzept gerecht ist. Sonst hätten wir es als Fraktion nicht beschlossen", sagt Rolf Knipprath (CDU), Mitglied im Haupt- und im Sozialausschuss. Auch der Sozialdezernent ist dieser Meinung. Weder sozial Schwache, noch Gutverdienende werden seiner Ansicht nach geschröpft: Unabhängig vom Einkommen der Eltern können Geschwisterkinder den Kindergarten kostenlos besuchen. Das dritte Jahr ist generell kostenfrei – allerdings zahlen die Eltern in solch einem Fall wieder für die Betreuung jüngerer Geschwisterkinder. Die Beiträge ganz abzuschaffen – wie beispielsweise in Düsseldorf – stünde ebenfalls zur Diskussion, so Hahn. In den nächsten Haushaltsberatungen werde man darüber sprechen.

"In diesem Zusammenhang kommen die Beiträge ohnehin auf den Prüfstand", sagt Hannelore Staps (SPD), Zweite Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Kindergärten sollten wie Schulen kostenlos sein. Damit, so Staps, sei die Diskussion um die Beiträge obsolet: "Alle Familien würden entlastet."

(NGZ)