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Neuss: Wie Firmen Fachkräfte finden

Neuss : Wie Firmen Fachkräfte finden

Nur zwei von zehn Unternehmen haben erkannt, dass sie mit Familienfreundlichkeit etwas gegen den drohenden Fachkräftemangel tun müssen. Vorbildfunktion misst die Agentur für Arbeit den St. Augustinus-Kliniken zu.

Diese "Bombe" hat eine lange Lunte: Fachkräftemangel. Dass er droht und gravierende Folgen für Wirtschaft wie Arbeitswelt haben würde, ist bekannt und der Zeitpunkt angesichts der demografischen Entwicklung sogar fast berechenbar.

Doch nur zwei von zehn Unternehmen stellen sich dem Problem, wollen diese "Bombe" entschärfen helfen. Die Neusser St. Augustinus-Kliniken mit ihren 4000 Mitarbeitern gehören dazu. Auch aus eigenem wirtschaftlichen Interesse wie Paul Neuhäuser zugibt, der Sprecher des Vorstandes.

Für Johannes-Wilhelm Schmitz ist die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen wesentlich, damit der Fachkräftebedarf auch in Zukunft gedeckt werden kann. Und zwar schnell. "Wir marschieren auf den Punkt zu, wo das zunehmend schwerer wird", sagt der Leiter der Agentur für Arbeit Mönchengladbach, der schon Engpässe gerade bei Ärzten, in der Pflege und den Heil-Hilfsberufen ausmacht.

Will man aber das Potenzial weiblicher Arbeitskräfte ausschöpfen, steht zwangsläufig die Frage nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Raum. "Man kann qualifiziertes weibliches Personal nur gewinnen und halten, wenn man in diese Vereinbarkeit investiert", sagt Angelika König, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) der Agentur für Arbeit. Denn Frauen leisten noch immer den größten Anteil bei Kindererziehung und häuslicher Pflege. So weiß König aus der Praxis: "Viele Frauen in Teilzeit würden gerne aufstocken — wenn möglich."

Bei den St. Augustinus-Kliniken mit 75 Prozent weiblichen Mitarbeitern wurde dieser Zusammenhang schon vor Jahren erkannt. Am angeschlossenen Johanna-Etienne-Krankenhaus eine Kindertagesstätte mit erweiterten Öffnungszeiten zu schaffen, war eine Konsequenz daraus.

Entscheidender allerdings ist aus Sicht von Neuhäuser "ein Kulturwandel in den Köpfen der Chefs und Vorgesetzten". So musste etwa die traditionelle Vorstellung überwunden werden, ein Arzt habe rund um die Uhr verfügbar zu sein, damit man zu einer familienfreundlicheren Dienstplangestaltung kommen konnte. Langsam, freut sich Neuhäuser, "kommen die Früchte dieser Überzeugungsarbeit zum Tragen".

Arbeitszeitkonten wurden eingeführt, Teilzeitarbeit gestärkt, die Möglichkeiten für Berufsrückkehrerinnen verbessert, Planungssicherheit der Arbeitszeiten versprochen. "Es ist wichtig zu wissen, wann man nach Hause kommt", erklärt dazu Personalleiter Bernward Gellenbeck.

Ob das messbare Auswirkungen hat, kann Neuhäuser nicht sagen. Er stellt aber fest, dass die Augustinus-Kliniken offene Stellen besetzen können und eine hohe Personalkontinuität besteht. "Die durchschnittliche Dauer der Betriebszugehörigkeit liegt schon bei über zehn Jahren."

(NGZ)