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Neuss: Verschworen gegen die Welt

Neuss : Verschworen gegen die Welt

Zwei junge Menschen, die ihre Liebe zueinander rettet – um die geht es im Theaterstück "Clyde und Bonnie" am RLT. Nicht nur die Geschichte überzeugt, sondern vor allem die jungen, leidenschaftlichen Schauspieler.

Zwei junge Menschen, die ihre Liebe zueinander rettet — um die geht es im Theaterstück "Clyde und Bonnie" am RLT. Nicht nur die Geschichte überzeugt, sondern vor allem die jungen, leidenschaftlichen Schauspieler.

Beide haben es genau gespürt: Bei ihrer Begegnung ist die Welt für einen Augenblick stehen geblieben. "Alles wurde ganz anders" weiß Bonnie, und Werner, genannt Clyde, stimmt mit Leidenschaft zu. Eine Verschwörung, eine Explosion, eine Flucht und eine ungeheure Kraft, die alles in ihren Bann zieht, ist die "amour fou" zwischen den beiden jungen Leuten, die das Leben bislang nicht gerade von der Sonnenseite erlebt haben: Zwei, die sich kraft ihrer Liebe am eigenen Kopf aus dem Dreck ziehen, sind die Helden in Holger Schobers "Clyde und Bonnie", einem nach Schobers eigenen Angaben "B-Movie fürs Theater", das Christof Seeger-Zurmühlen jetzt im Rheinischen Landestheater für Zuschauer ab 15 Jahren rasant, spannend, mitreißend inszeniert hat.

Dabei ist das Faszinierende gar nicht einmal die packend in temporeichem Wechsel zwischen Geschehen und Rückblenden erzählte Geschichte der beiden Figuren, die mit Phantasie, Lebendigkeit und Kraft auf die ihnen von der Gesellschaft zugedachte Rolle als Verlierer pfeifen und stattdessen das eigene Leben zu einer jener großen Kinolegenden umdeuten, mit denen sie vor dem Bildschirm groß geworden sind. Ausstatterin Monika Franz gibt dieser Geschichte mit ein paar Bühnenträgern, einer Drehtür und wenigen Umzugskartons einen wunderbar offenen Bühnenraum, der Boxring und Autorücksitz, Bankeingang und Rückzugsort sein kann. Bojan Vuletic schafft mit seiner sehr filmisch orientierten Musik eine Atmosphäre voller Tempo und Gefühl, dezent und prägnant zugleich.

Was Seeger-Zurmühlens Inszenierung aber allem voran so berührend macht, das sind die beiden jungen Schauspieler: In ihrer ersten Rolle am Rheinischen Landestheater ist Sigrid Dispert magisch, atemberaubend, hinreißend und zeigt eine großäugige Bonnie mit ungeheurer Natürlichkeit und wachen Sinnen, authentisch, herzerweichend, fröhlich, direkt. Fast noch ein Kind, das seine Würde und Zuversicht, seine Lebendigkeit und Energie allen Widrigkeiten zum Trotz bewahrt hat, ist diese Bonnie.

Sie ist begabt zu einer Liebe, die mehr ist als das verzweifelte Aneinanderlehnen zweier Verlorener. Den Clyde zeigt Henning Strübbe ebenso bewegend als Träumer und Einzelgänger, vor allem als tapferen Kämpfer, der wie Orpheus für seine Bonnie einmal quer durch die Hölle gehen würde und zurück. Auch wenn es ein wenig ratlos macht, warum Seeger-Zurmühlen beiden zusätzlich zum ohnehin akrobatischen Einsatz in dem quirlig-rasanten Stück immer wieder abverlangt, buchstäblich einander zu tragen, ist allen gemeinsam eine tolle Inszenierung gelungen.