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Neuss: Fernsehteam hilft Bäcker bei Neustart

Neuss : Fernsehteam hilft Bäcker bei Neustart

Die Traditionsbäckerei Klein aus Uedesheim wird von den Billigwaren der Discounter bedrängt. Nun kommt Expertenhilfe vom Fernsehen.

Die Bäckerei Klein ist seit 111 Jahren in Uedesheim etabliert, und Jenny Klein möchte nicht, dass diese Tradition zu Ende geht. Deshalb steht für die 23-Jährige fest, dass sie den elterlichen Betrieb, in dem sie auch gelernt hat, nach ihrer Meisterprüfung weiterführen will. Einfach wird das nicht, denn die Branche der Handwerksbäcker stirbt einen schleichenden Tod. "Ich trau mich dran", hält Jenny Klein — anders als ihre beiden Brüder — aber fast trotzig dagegen. Sie hat sich um Hilfe bemüht — und beim Fernsehsender "Kabel 1" gefunden.

Jakob Andler nennt solche Rettungsaktion eher fragwürdig. Das immer schneller fortschreitende Sterben der Handwerksbäckerei werde auch das Fernsehen nicht aufhalten, ist der Obermeister der Bäcker-Innung im Rhein-Kreis überzeugt. Im Gegenteil: Solche Aktionen suggerierten, dass es sich um ein Versagen der Betriebsführung handelt. "Tatsächlich aber sterben die Betriebe, weil immer mehr Konsumenten Backprodukte beim Discounter kaufen", sagt Andler. Dabei handele es sich oft um Ware aus dem Ausland. "So wird der Meisterzwang umgegangen", sagt der Obermeister, der auch andere Hygienestandards als Grund für wettbewerbsverzerrende Angebote nennt. Wie sich das auf die Betriebe auswirkt, muss er Jahr für Jahr traurig bilanzieren: "Vor zwei Jahren hatten wir noch 70 backende Handwerksbetriebe im Kreis, heute sind es noch 50. Und zum Jahresende werden wieder viele aufhören." Einige allerdings aus Altersgründen.

Bei den Kleins in Uedesheim ist die Unternehmensnachfolge nicht das Problem, die Konkurrenz der Ketten aber spürt auch Jenny Klein schon. Den Unterschied zwischen den unterschiedlichen Betriebstypen bringt Thomas Ebrahim auf die Formel: "Bei den Discountern ist das Marketing besser als die Ware", bei den Traditionsbäckern sei es genau anders herum. Das ist ein Grund, warum der Betriebswirt und Verhaltenspsychologe als Coach mit dem Kabel-1-Team in die Bäckerei Klein gekommen ist. "Wenn die wüssten, wie die Backwaren entstehen..." sagt Ebrahim, lässt den Satz unvollendet — und lädt lieber am heutigen Dienstag ab 14.30 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein.

Dann ist auch Vater Wiljo Klein (52), Bäcker in vierter Generation, wieder daheim. "Für uns ist es zu einem Kampf um jeden Cent geworden, den das Brötchen teurer macht", hatte er schon vor einem halben Jahr gegenüber der NGZ bilanziert, will es aber weiter auch mit der billigeren Konkurrenz, die auch in Uedesheim Fuß gefasst hat, auseinandersetzen. "Qualität setzt sich durch. Das ist unser Pfund", gibt auch der Coach den Kleins Recht.

Vater und Mutter Klein, zwei Bäcker in der Backstube, zwei Verkäuferinnen und zwei Aushilfen an Markttagen gehören zur Mannschaft an der Rheinfährstraße. Dort hat die gelernte Konditorin Jenny Klein vor einem Jahr selbst gemachtes Eis mit ins Sortiment aufgenommen. Und auch das gibt es schon ab 6 Uhr früh— wenn es der Kunde will.

(NGZ)