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Erste Selbsthilfegruppe für Frauen mit Alkoholproblemen trifft sich in Neuss

Hilfsangebot in Neuss : Unterstützung für den Weg aus der Alkoholsucht

Andrea K. (Name von der Redaktion geändert) hat getrunken, viele Jahre viel zu viel. Seit zehn Jahren ist sie „trocken“ und möchte nun in einer Selbsthilfegruppe anderen Frauen mit Alkoholproblem helfen.

Der Weg bis zu der Erkenntnis, dass man unbedingt Hilfe braucht, ist ein langer, ein sehr langer. Das weiß Andrea K. nur zu genau. Denn sie ist ihn selbst gegangen. Und nun will die trockene Alkoholikerin anderen Frauen helfen, die das noch vor sich haben. Mit ihrer Idee, eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit Alkoholproblemen zu gründen, ist sie zur Fachambulanz für Suchtkranke der Caritas gegangen und fand dort sofort Gehör. Einmal hat ein solches Treffen wenige Wochen später im März stattgefunden. Dann kam Corona. Nun will Andrea K. wieder loslegen. An jedem zweiten und vierten Samstag, jeweils von 15 bis 16.30 Uhr im Ons-Zentrum an der Rheydter Straße 176. Wer kommt, so war der Plan, braucht seinen Namen nicht zu nennen. In Corona-Zeiten ist das nun anders. „Wegen der Nachverfolgung bei eventuell positiv getesteten Kontakten, müssen wir jetzt eine Liste auslegen. Doch der Datenschutz bleibt gewahrt“, sagt sie. Wer kommt, ist nicht verpflichtet, seine Geschichte zu erzählen oder sich gar für seine Alkoholsucht zu rechtfertigen. Man kann auch nur zuhören“, so die 54-Jährige, die betont, dass es ihr wichtig sei, einander mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Andrea K. ist auch regelmäßig zu einer Selbsthilfegruppe gegangen, eine, in der Frauen und Männer saßen. Für sie war das in Ordnung. Doch irgendwann dachte sie, dass es wichtig wäre, dass Frauen mit Alkoholproblemen einen Raum hätten, in dem sie nur unter sich sind. Sie selbst ist seit zehn Jahren abstinent. Den Wunsch, in bestimmten Situationen noch einmal zum Alkohol zu greifen, hat sie nicht. „Ich wäre nicht mehr bereit, für den kurzen Moment des Genusses das aufzugeben, was ich mir in den vergangenen Jahren aufgebaut habe“, sagt sie und ergänzt: „Ich weiß ja, was das für ein Kampf war. Denn möchte ich nicht von vorne beginnen.“

Den ersten Kontakt mit Alkohol hatte sie wie viele als Jugendliche, und stellte schnell fest, dass er sie dabei unterstützte, so zu sein, wie sie „ohne“ eben nicht war: selbstbewusster, locker, weniger ängstlich. Das gefiel ihr. Doch um den Status zu erreichen, brauchte sie über die Jahre immer mehr Alkohol. Als sie mit Mitte 30 ungewollt schwanger wurde und klar war, dass sie alleinerziehend bleibt, wollte sie perfekt sein – perfekt als Mutter und perfekt im Job. „Ich war zu stolz, mir Hilfe zu holen“, erzählt sie. Mit Mitte 40 hatte sie dann den Tiefpunkt erreicht und entschloss sich von einem Tag auf den anderen, nicht mehr zu trinken. Wie sie das allein schaffte, weiß sie heute auch nicht mehr. Kann es auch nicht empfehlen, sich nicht ambulant oder stationär Hilfe zu holen. Erst nachdem sie das Schlimmste überstanden hatte, machte sie einen ambulanten Entzug. Mittlerweile hat sie ihr Leben komplett umgekrempelt, hat studiert und ist jetzt im sozialen Bereich tätig. „Es ist wichtig, für sich selber gut zu sorgen, mit sich achtsam zu sein und sein Leben in die Hand zu nehmen“, sagt sie. Dabei nun möchte sie anderen Frauen helfen. „Es ist so schwer, sich zu offenbaren, weil man sich so unendlich schämt“, sagt Andrea K. Das weiß sie nur zu gut.

Info Weitere Infos unter 0157 30984742 oder per Mail unter sghmeinneuesleben@web. de. Der nächste Termin für die Gruppe ist am 10. Oktober.