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Nettetal: Nettetal muss 150 Flüchtlinge nehmen

Nettetal : Nettetal muss 150 Flüchtlinge nehmen

Am Freitagnachmittag erhielt Bürgermeister Christian Wagner die Nachricht. Es handelt sich um Menschen, die vor der Erstaufnahme registriert und ärztlich untersucht werden. Die Stadt richtet die ehemalige Hauptschule Lobberich her.

Nun also auch Nettetal. Bis Dienstag um 18 Uhr bleibt der Stadt Zeit, eine Unterkunft für 150 Flüchtlinge herzurichten, die die Bezirksregierung Düsseldorf am vergangenen Freitag avisiert hat. Es handelt sich um eine "vorgelagerte Erstaufnahme", deren Kosten das Land trägt. Die Flüchtlinge werden dem Kontingent der Stadt Nettetal angerechnet.

Bürgermeister Christian Wagner hatte am Freitag gerade Martina Wirth als neue Leiterin des Generationentreffs "Kindter Eck" in Schaag begrüßt, als er bei der Rückkehr ins Rathaus von Landrat Peter Ottmann eine erste Nachricht erhielt. Im Telefonat mit Regierungsvizepräsident Roland Schlapka erfuhr Wagner Näheres. Im Wege der Amtshilfe müsse die Stadt eine Notunterkunft für 150 Flüchtlinge vorbereiten. Das Land habe keine Möglichkeit mehr, die Menschen unterzubringen. Um die Obdachlosigkeit zu vermeiden, müsse die Stadt jetzt helfen.

Am Samstagabend hatte die Stadt eine Lösung regelrecht aus dem Boden gestampft. Die Menschen werden in die leerstehende ehemalige Hauptschule in Lobberich einziehen. "Das wollten wir ursprünglich vermeiden, aber jetzt führt daran kein Weg mehr vorbei", erklärte Wagner am Sonntag. Voller Begeisterung und großer Dankbarkeit schilderte er die enorme Hilfsbereitschaft und Tatkraft, die diese Nachricht in der Stadt entfalten konnte.

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Am Samstagmorgen scharten sich 60 Männer und Frauen aus der Verwaltung, vom DRK, MHD, THW, Feuerwehr und weiteren Organisationen zusammen, um in der Lobbericher Hauptschule die Unterbringung generalstabsmäßig vorzubereiten. "Es war beeindruckend, mit welcher Präzision und Professionalität jeder Einzelne anschließend an seine Aufgabe heranging", bestätigte auch die Fachbereichsleiterin Ina Prümen-Schmitz.

Ein Notlagestab hatte seit Freitag mehrfach getagt. Wertvolle Hilfen und vor allem zusätzliche Informationen lieferten sowohl die Stadt Viersen als auch dort bereits mit der Unterbringung betraute Kräfte von Hilfsorganisationen. "Wir können auf die am Ransberg gemachten Erfahrungen zurückgreifen, da sind viele Informationen zu Details geflossen, an die wir zunächst kaum gedacht hätten", sagte sie gestern. Es kamen dabei einige Glücksfälle zusammen. So ist Jörn Pachel tätig im Fachbereich für Sicherheit, Ordnung und Verkehr, gleichzeitig aber auch Zugführer im Technischen Hilfswerk. Die Koordination der Hilfskräfte hat die Stadt dem DRK-Bereitschaftsführer Torsten Zerres übertragen.

"Es ist einfach großartig, welche Kräfte da innerhalb weniger Stunden freigesetzt wurden und dann auch strukturiert an ihre Aufgaben herangingen", sagte der Bürgermeister. Als er am Sonntag kurz noch einmal in der Hauptschule vorbeischaute, waren das Gebäude erkundet, die Elektrik ertüchtigt, Klassen- und andere Räume mit Betten ausgestattet, alle Räume grundgereinigt und viele Feinheiten bereits erledigt. Kaum war Wagner weg, traf die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche ein, um sich mit Ina Prümen-Schmitz und weiteren Kollegen abzustimmen.

Einige Probleme sind noch nicht endgültig gelöst: Als die Hauptschule geschlossen wurde, hat man die Wasserversorgung abgestellt. Um sie in Gang zu bringen, vergehen bis zu vier Wochen, weil das Wasser beprobt werden muss. In der benachbarten Turnhalle werden Duschen und Sanitäranlagen aufgeteilt. Der Sportbetrieb wird nicht beeinträchtigt. Den 150 Asylbewerbern stehen dennoch nur zehn Duschen zur Verfügung. Ina Prümen-Schmitz forscht derzeit selbst in den Niederlanden und Belgien nach Duschfahrzeugen. "Bisher waren wir nicht erfolgreich. Frühestmögliche Termine einer Miete sind irgendwann im Oktober", sagte sie. Toilettenwagen hat die Stadt dagegen in ausreichender Zahl ordern können.

 Helfer von DRK, MHD und THW sorgten im Laufe des Samstags dafür, dass Betten in die Hauptschule geschafft und aufgebaut wurden.
Helfer von DRK, MHD und THW sorgten im Laufe des Samstags dafür, dass Betten in die Hauptschule geschafft und aufgebaut wurden. Foto: (2) Jungmann

Die Krankenhausküche wird das Essen liefern, das in der früheren Aula eingenommen werden kann. Transport und Verteilung stellen MHD und DRK sicher. Die Erfahrungen in Viersen haben gezeigt, dass die Asylbewerber nach einigen Tagen in der Lage sind, bestimmte Aufgaben selbst zu übernehmen. Die Stadt will den katholischen Sozialdienst (SKM) bitten, die Betreuung der Menschen zu übernehmen. Ein Raum in der Schule wird als Gebetsraum für Muslime eingerichtet.

 Christian Wagner und Ina Prümen-Schmitz ruckelten am Sonntag noch einige Betten in Klassenräumen zurecht.
Christian Wagner und Ina Prümen-Schmitz ruckelten am Sonntag noch einige Betten in Klassenräumen zurecht. Foto: Peters, Ludger (lp)

Die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Martina Kruß, schaltete sich auf Bitten der Stadt ebenfalls schon ein, denn auf die Ankömmlinge wartet eine Eingangsuntersuchung. "Wir werden auf niedergelassene Ärzte, eventuell auch auf Unterstützung durch das Krankenhaus zurückgreifen. Das Problem besteht darin, dass wir etwa drei Ärzte benötigen, die auf Abruf stehen. Die Zuweisung der Flüchtlinge wird stoßweise erfolgen. Außerdem werden schon nach wenigen Tagen voraussichtlich die ersten 20 oder 30 Flüchtlinge Lobberich wieder verlassen und neue eintreffen", erklärte Bürgermeister Wagner.

 Die Videoüberwachung hat Vandalismus an der Schule verhindert.
Die Videoüberwachung hat Vandalismus an der Schule verhindert. Foto: Peters, Ludger (lp)

In die ehemalige Hausmeisterloge werden Security-Kräfte einziehen. Wagner zeigte sich erleichtert, dass die Stadt mit einem Unternehmen zusammenarbeitet, dessen Kräfte "hohe soziale Kompetenz" mitbringen. "Diese Leute sind so gut, dass sie in Randzeiten auch Betreuungsleistungen leisten können." Sie werden die Menschen abschirmen, Privatpersonen werden keinen Zugang erhalten.

 Das Technische Hilfswerk lieferte ebenfalls Hilfsgüter zur Unterbringung der ab Dienstag ankommenden Asylbewerber.
Das Technische Hilfswerk lieferte ebenfalls Hilfsgüter zur Unterbringung der ab Dienstag ankommenden Asylbewerber. Foto: Jungmann, Güner (gju)

Vorbereitet hat der Fachbereich Soziales auch den unmittelbaren Empfang der Asylbewerber ab Dienstagabend: Es werden sprachkundige Helfer da sein, die Arabisch oder auch Serbisch sprechen. "Das Problem besteht darin, dass es kaum jemand mit Farsi-Kenntnis gibt." Farsi ist Amtssprache unter anderem in Afghanistan. Afrikaner verständigen sich meist auf Englisch oder Französisch.

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(RP)