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Nettetal: Ein Bündnis, das das Lesen feiert

Nettetal : Ein Bündnis, das das Lesen feiert

Vor 20 Jahren gründeten die Stadtbücherei und Buchhändler den Verein Nettetaler Literaturtage.

Es müssen lustige Abende gewesen sein, damals im "Tuddel", als Autoren, Bibliothekare und Buchhändler zusammensaßen und über das Leben, das Lesen und die Lust am Buch sinnierten. Daran hat sich in all den Jahren nichts geändert: Für die Organisatoren der Nettetaler Literaturtage gehört es auch heute noch dazu, nach Lesungen den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Die Begeisterung für die Literatur ist das Band, das sie zusammenhält.

Vor 20 Jahren wurde der Verein Nettetaler Literaturtage gegründet. Damals stellten Bibliothekare und Buchhändler fest, dass alle eigene Veranstaltungen planten, es aber kein gemeinsames Programm gab. "Jeder machte was eigenes und hatte 15 Zuhörer bei einer Lesung", erinnert sich der Leiter der Nettetaler Stadtbücherei, Ulrich Schmitter. So kam die Idee auf, etwas gemeinsam zu machen. "Wir haben uns ein paar Mal getroffen und gedacht: ,Das klappt'", sagt Schmitter. "Und dann kam der Vorschlag: ,Wir könnten doch einen Verein gründen.'" Bei der ersten Versammlung traten gleich 60 Buchfreunde dem Verein Nettetaler Literaturtage bei. 40 Mark kostete der Jahresbeitrag damals. Heute sind es 21 Euro, 210 Mitglieder hat der Verein inzwischen gewinnen können. Die Beiträge der Mitglieder bilden den Grundstock für den Verein, um Veranstaltungen finanzieren. Hinzu kommen Sponsoren und Förderer.

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Vor 20 Jahren eröffnete der Wortakrobat Marcus Jeroch die ersten Nettetaler Literaturtage. Mit einem Mix aus Akrobatik, Sprachwitz und Slapstick überzeugte er damals das Publikum. Jetzt kehrt Jeroch zurück und eröffnet die Literaturtage am Sonntag, 18. Oktober, in der Werner-Jaeger-Halle. Das Programmheft gibt es ab 10. August, dann beginnt auch der Kartenvorverkauf.

1996 kam Donna Leon, bekannt durch ihre Venedig-Krimis, die damals gerade ihr zweites Buch veröffentlicht hatte. "Wir mussten was dafür tun, dass 80 Leute kommen", erinnert sich Schmitter. Das ist inzwischen anders. Wenn das Programm da ist, ist auch die Nachfrage nach Karten da. Denn Literaturfreunde wissen längst, dass die Organisatoren - die Mitarbeiter der Stadtbücherei und die Nettetaler Buchhändler - ein sicheres Händchen bei der Auswahl haben. Auch wenn ein Autor noch nicht so bekannt ist, darf man sicher sein: Es lohnt sich, hinzugehen. Und auch unter den Autoren hat sich der Verein einen Namen gemacht. Sie fragen, ob sie kommen dürfen. "Nettetal hat sich in der Verlagsszene rumgesprochen", stellt Büchereimitarbeiterin Birgitt Mager fest.

Als Dankeschön für die Mitglieder gibt es alle zwei Jahre als Jahresgabe ein Buch, ein aufwendig gestaltetes Bändchen, das ausgewählte Texte eines Autors enthält. Nun, 2015 ist für den Verein ein besonderes Jahr, und so ist auch die diesjährige Jahresgabe eine ganz besondere. Denn sie enthält keinen Auszug aus einem größeren Werk, sondern ein ganzes Buch. Es handelt sich um Victor Meyer-Eckhardts Buch "Das Vergehen des Paul Wendelin". 1922 erschien das Buch des Schriftstellers, der seine letzten Lebensjahre in der Villa Ursula in Leutherheide verbrachte. 1933 wurde dieses Buch, in dem Meyer-Eckhardt die Gräuel des Ersten Weltkriegs beschreibt, von den Nazis verbrannt und danach nicht wieder aufgelegt. Einzelne Exemplare sind antiquarisch erhältlich, "aber sehr teuer", wie Matussek bemerkt. Matussek hat das Buch besonders intensiv kennengelernt - er transkribierte für die Jahresgabe das Buch nach dem Originaltext. "Literaturwissenschaftlich und literaturgeschichtlich sehr interessant", sagt Matussek über das Buch, "das hat mich sehr beeindruckt".

Ausnahmsweise hat der Verein nun von der diesjährigen Jahresgabe mehr Exemplare drucken lassen. Erhältlich ist "Das Vergehen des Paul Wendelin" in den Nettetaler Buchhandlungen - im Buchladen an der Poensgenstraße in Kaldenkirchen und bei Matussek an der Marktstraße in Lobberich. www.nettetalerliteraturtage.de

(RP)