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Nettetal: Der Steinkauz-Kümmerer

Nettetal : Der Steinkauz-Kümmerer

Heinz Tüffers (79) hat viel zu tun: Der Naturschützer baut gerade Brutröhren für die Eulenvögel. Die montierten 63 Stück müssen ersetzt und gereinigt werden. Seit 40 Jahren kümmert sich der Nettetaler um Kauz & Co

Heinz Tüffers (79) hat viel zu tun: Der Naturschützer baut gerade Brutröhren für die Eulenvögel. Die montierten 63 Stück müssen ersetzt und gereinigt werden. Seit 40 Jahren kümmert sich der Nettetaler um Kauz & Co

Heinz Tüffers ist froh, dass er viele alte Holzrollläden aufbewahrt hat. "Sie sind ideal für eine Steinkauz-Brutröhre", sagt der 79-jährige Naturschützer. Tüffers, der 1985 auch Mitbegründer des Nabu-Naturschutzhofes im Sassenfeld war, hat sich dort auf einem Dachboden eine Werkstatt eingerichtet.

Auf dem Tisch liegen eine Säge und dicke Äste. Mit Holzscheiben. Teerpappe, Draht und einem Holzverschluss verwandelt Tüffers die abgetakelten Rollläden in behagliche Brutröhren für die kleinen Eulen. "Brutöhren sind wichtig", sagt er. Denn den Steinkäuzen würden natürliche Brutstätten fehlen. Immer seltener finden die Tiere Nahrung, weil die Wiesen nicht mehr für die Landwirtschaft genutzt werden. Vielerorts ist der Vogel bereits verschwunden. Doch: "In den Kreisen Viersen, Geldern und Kleve gibt es den größten Bestand an Steinkäuzen in ganz NRW", sagt Heinz Tüffers. In NRW selbst werden 70 Prozent des gesamten deutschen Bestands - rund 5450 Brutpaare - gezählt.

Und er will mithelfen, dass sich die kleine Eulenart vermehrt. Deshalb ist er der unermüdliche Baumeister der Brutröhren - diese fertig zu kaufen, wäre zu teuer. 63 Stück gibt es in ganz Nettetal, Süchteln und Grefrath. Die wasserdichten Röhren, die etwa in Ästen von Obstbäumen befestigt sind, müssen regelmäßig gereinigt und auch ersetzt werden - bis zu sieben Jahre hält eine Röhre. "Wasser mag der Steinkauz gar nicht", sagt Tüffers. Vier bis fünf Tage sind für eine vollständige Prüfung aller Röhren notwendig.

Doch dabei ist Heinz Tüffers nicht allein: Auf einer 20.000 Quadratmeter großen Fläche hat der Naturschutzbund einen Hof gepachtet; dort sind fast täglich Naturschützer jeden Alters aktiv. Darunter auch Jugendliche wie Fenja und Hendrik, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr oder Bundesfreiwilligendienst leisten oder für das Kolpingwerk aktiv sind. "Angefangen haben Heinrich Maibaum und ich 1985 mit dem Naturschutzhof. Damals suchten wir eigentlich nur einen Platz für unsere Geräte. Wir konnten ja nicht ahnen, dass daraus etwas derart Großes werden würde", schildert Heinz Tüffers. Schrittweise wurde die Pacht erweitert.

Auf dem Areal - Wahrzeichen ist der "Lebensturm" - können Besucher unterschiedliche Aspekte der Natur erleben, etwa im Bauerngarten, im Kräutergarten, am Hochteich oder am Vogelnesterlehrpfad. Nach dem Saisonbeginn im Frühjahr ist der Naturschutzhof ein beliebtes Ziel für Ausflügler.

Auch auf dem Gelände selbst sind die Brutröhren für Steinkäuze zu finden. Von den 63 Stück werden zurzeit 37 von Steinkäuzen bebrütet - in den übrigen Röhren haben es sich Dohlen, Stare, Amseln oder Tauben bequem gemacht: "Auch zwei Marder haben wir gefunden", erzählt Tüffers.

Von März bis Juni dauert die Brutzeit. Vier bis sechs Jungtiere gehen aus einer Brut hervor. "Erfahrungsgemäß erreichen aber nur ein bis zwei Tiere ein höheres Alter", weiß der Naturschützer. Ein Risiko für die Jungtiere: Sie fallen aus den hohen Brutröhren, können nicht mehr zurück. Die Jungtiere werdengenerell nach sechs Wochen Fütterung von den Eltern vertrieben und müssen sich ein neues Revier suchen.

Die Reinigung der Brutröhren liefert viele Erkenntnisse über die kauzigen Bewohner: "So konnte ein Experte einmal 24 unterschiedliche Mausarten anhand der Knochenreste bestimmen", sagt der Nettetaler. Die Röhren sind mit Kot, aber auch mit dem Gewölle der Tiere verunreinigt, also den unverdaulichen Nahrungsresten von Ratten, Mäusen, Maulwürfen und Würmern.

Ein Treffen mit einem Steinkauz ist dabei durchaus möglich: "Wir haben bei der Reinigung schon schlafende Steinkäuze angetroffen. Die ließen sich nicht aus der Ruhe bringen." Erst bei zuviel Unruhe flogen sie weg - und kehrten dann in das frisch geputzte Nest zurück.

(busch)