Moers: „Unsere Musikschule hat 1000 Schüler“

Moers : „Unsere Musikschule hat 1000 Schüler“

Die Stadtspitze hat vorgeschlagen, ab 2016 den Zuschuss zur Musikschule zu reduzieren. Dort sorgen 30 Lehrer für die musische Bildung von Kindern und Erwachsenen. Kann die Einrichtung das mit weniger Geld leisten? Ein Check.

Die Gründung Die Kamp-Lintforter Musikschule ist vermutlich eine der letzten, die in Nordrhein-Westfalen überhaupt gegründet wurden. Sie ging 1991 aus einer fraktionsübergreifenden Initiative des Stadtrates hervor. Dies gilt auch für den Trägerverein der Einrichtung, der 31 Mitglieder hat. Das 31. Mitglied ist die Stadt Kamp-Lintfort. Vorsitzender ist Heinz-Günter Schmitz (SPD), sein Stellvertreter Michael Schmidt (Grüne). Weitere Vorstandsmitglieder: Peter Wähner (Grüne), Hannelore Wolf-Küppers und Saskia Hennig (CDU).

Die Schüler 1000 Menschen aller Altersgruppen nehmen in Kamp-Lintfort die Angebote der Musikschule wahr, davon sind 500 JeKi-Kinder, die im Rahmen des landesweiten Projekts "Jedem Kind ein Instrument" in der ersten bis zur vierten Klasse in Kontakt mit der Musik gebracht werden. In der Hochschulstadt nehmen bis auf die Ebertschule alle Grundschulen an dem Projekt teil. Die Musikschule beteiligt sich an den Wettbewerben von "Jugend musiziert". Beim Regionalwettbewerb gewann der junge Gitarrist und Musikschüler Jan Christoper Heßling den ersten Platz seiner Alterskategorie. Ihm gelang als einziger teilnehmender Gitarrist das Traumergebnis von 25 Punkten. Eine Punktzahl, die die Jury nur selten vergibt. 80 Erwachsene nehmen Unterricht.

Die Lehrer Schulleiter ist Martin Begall. Er studierte Musik an der Kölner Hochschule, unterrichtet Gitarre und übernimmt die Ensembleleitung. Er ist seit 1991 Leiter der Einrichtung. Seine Stellvertreterin ist Babette Scholz (Gitarre). Sie betreut federführend den Elementarbereich und das Projekt JeKi. An der Musikschule unterrichten 30 Lehrer.

Der Unterricht Die Kamp-Lintforter Musikschule ist dem Verband deutscher Musikschulen angeschlossen, der die Kriterien vorgibt, welche Angebote öffentliche Musikschulen vorhalten müssen. Der Lehrplan umfasst den Elementarbereich. Dazu gehören unter anderem Angebote wie die musikalische Früherziehung. In den weiterführenden Stufen bietet die Musikschule Instrumental- und Vokalunterricht an. Die Begabtenförderung gehört ebenso wie die studienvorbereitende Ausbildung zum Berufsfeld der Musiklehrer.

Eine Besonderheit der Musikschule ist der Ballet- und Tanzunterricht. Dieses Angebot geht ebenfalls auf eine Initiative des Stadtrates zurück. "Es gab sogar einen Ratsbeschluss dazu", berichtet Schulleiter Martin Begall. 74 Schüler, ausnahmslos Mädchen, nehmen das Angebot wahr. Martin Begall nimmt einen Wandel in der Musikschullandschaft wahr. "Früher haben uns die Schüler erst verlassen, wenn sie ein Studium begonnen haben, heute ist es bereits beim Übergang zur gymnasialen Oberstufe der Fall." Dies hänge insbesondere mit der Einführung von G 8 zusammen. Viele Schüler haben keine Zeit mehr. Martin Begall: "Um ein Instrument zu erlernen, bedarf es aber Zeit und viel Geduld."

Die Kosten Die Gebühren an der Musikschule richten sich nicht nur nach der Gruppengröße, sondern auch nach der Dauer des Unterrichts. 30 Minuten Einzelunterricht kosten beispielsweise 68,60 Euro. Der 45-minütige Unterricht in einer Zweier-Gruppe kostet 49 Euro, in einer Dreier-Gruppe 36 Euro. Die Teilnahme an der Früherziehung und am Tanzunterricht kostet jeweils 26 Euro.

JeKi und noch mehr Martin Begall und seine Kollegen engagieren sich stark im Programm JeKi. Für dieses Jahr steht der Umbau auf das neue Angebot "JeKits" an. Das birgt für Musikschulen, die früh am Modellprojekt JeKi beteiligt waren, einen enormen Nachteil: Das Land fördert künftig das Projekt nur noch in den ersten beiden Grundschuljahren. "Die Frage, die uns aktuell beschäftigt, ist, wie wir das Angebot auch weiterhin für alle Grundschüler von der ersten bis zur vierten Klasse aufrecht erhalten können. Es fehlt die Gegenfinanzierung. Wir wollen ein entsprechendes Angebot aufbereiten", sagt Begall. Ein weiteres Schulprojekt, das die Musikschule mit dem Gymnasium initiiert hat, ist das Programm JuMP, das an allen weiterführenden Schulen in der Stadt angeboten wird und nahtlos an den JeKi-Unterricht in den Grundschulen anknüpft.

Die Instrumente Besonders nachgefragte Instrumente an der Musikschule sind die Gitarre und das Klavier. Eine Renaissance erfahren in Kamp-Lintfort aktuell die Streicher. "Das hat etwas mit Geigern wie David Garrett zu tun", weiß Martin Begall. Einen ähnlichen Trend stellt er beim Gesang fest. Er wird durch die Castingshows ausgelöst. In Kamp-Lintfort sind darüber hinaus die Instrumente Querflöte, Saxofon und Klarinette stark nachgefragt, aber auch Schlagzeug. "Und alle Angebote, die mit dem Bandbereich zusammenhängen", so Begall.

Die Ensembles Seit zehn Jahren erfolgreich unterwegs ist das Mediterranean Guitar Ensemble. Es hat bereits für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gespielt. Es gibt ein Gitarren-Ensemble, das aus dem JuMP-Projekt hervorgegangen ist. Im Jeki-Bereich gibt es ebenfalls ein Ensemble. Die Musikschule hat ein Saxofon-, Streicher- und Flöten-Ensemble, bietet das Spiel in einer kleinen Bigband an. Außerdem gibt es ein Klavier-Ensemble mit acht Spielern — dem digitalen Klavier sei dank. Die Musikschule bietet zuguterletzt Band-Coachings an.

Das ist aktuell Die Musikschule sucht aktuell die Kooperation mit der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort. Der nächste feststehende Termin ist die "Woche des offenen Unterrichts" vom 16. bis 20. März. Interessierte können sich über das Angebot der Schule informieren. Zu den festen Veranstaltungsangeboten gehören die Reihe "Klassik pur", die am 11. September im Rokokosaal des Klosters Kamp stattfindet, und die Eröffnung der Kamper Nacht. Das Familienkonzert ist ein fester Termin im Advent. Dazu kommen Veranstaltungen wie "Kalibriert", eine Band-Nacht im Kulturzentrum Ka-Liber, und das Urkunden-Casting für alle Schüler, die mal vor einer Jury spielen und bewertet werden wollen.

Das Domizil Die Musikschule hat seit drei Jahren ihren Sitz im Alten Rathaus an der Moerser Straße. Dort verfügt sie über 13 Unterrichtsräume sowie Band-Räume im Keller. Die Einrichtung ist telefonisch unter 02842 2019 zu erreichen, www.musikschule-kamp-lintfort.de

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