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Mönchengladbach: Schleuserring warb Heiratswillige an

Mönchengladbach : Schleuserring warb Heiratswillige an

Der Bundespolizei hat einen marokkanischen Schleuserring zerschlagen. Gestern Morgen haben haben 80 Beamte zeitgleich zwölf Wohnungen in Mönchengladbach, Viersen, Geldern, Düsseldorf, Aachen und Krefeld durchsucht. Der Schwerpunkt des Einsatzes habe in Mönchengladbach/Viersen gelegen, sagte Günter Ahr, Sprecher der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin.

Die Bande soll Deutsche angeworben haben, um gegen Bezahlung eine Scheinehe in Marokko einzugehen. Die Heiratswilligen, es soll sich dabei um Männer und Frauen handeln, erhielten bei der Einreise in Marokko eine Anzahlung von 2000 Euro. Nach der Hochzeit in Marokko begaben sich die deutschen Staatsangehörigen zurück in ihre Heimat und stellten dort einen Antrag auf Familienzusammenführung. Sobald die Behörden ihnen einen Aufenthaltstitel für den Ehepartner erteilt hatten, bekamen sie laut Günter Ahr noch einmal 2000 Euro. Die Eingeschleusten mussten an die Organisation 12 000 bis 15 000 Euro bezahlen.

Im Oktober 2009 begannen die verdeckten Ermittlungen der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Köln im Auftrag der Staatsanwalt Mönchengladbach. Vorausgegangen war ein Hinweis auf eine Scheinehe. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen so mindestens elf Marokkaner nach Deutschland gebracht worden sein. "Durch Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft in Rabat konnten weitere beabsichtigte Schleusungen verhindert werden", berichtete Ahr. Bislang besteht der Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von vornehmlich marokkanischen Staatsangehörigen. "Ob auch aus anderen Ländern Menschen eingeschleust wurden, ist Bestandteil weiterer Ermittlungen", sagte der Sprecher der Bundespolizei.

Bei den gestrigen Wohnungsdurchsuchungen wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Der Hauptverdächtige ist ein 52-Jähriger mit unbekannter Staatsangehörigkeit. Er wurde in seiner Wohnung in Viersen angetroffen und verhaftet. Weitere Männer und Frauen wurden vorläufig festgenommen. Vermögenswerte, zu denen die Beschuldigten wegen ihrer Straftaten kamen, wurden auf Anordnung des Gerichtes beschlagnahmt.

Nach den Strafbestimmungen des Aufenthaltsgesetzes drohen den Beschuldigten Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Das sichergestellte Beweismaterial werde nun ausgewertet und die umfangreichen Ermittlungen fortgeführt, so Ahr.

(RP)