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Mönchengladbach: Weniger Menschen haben Minijob, verdienen aber mehr Geld

Mehr Geld bei 450-Euro-Jobs : Wieder weniger Minijobber in Gladbach

Vor allem in der Gastronomie gibt es deutlich weniger Menschen mit kleineren Jobs. Sie sollen zwar ab 2022 mehr Geld verdienen können, aber trotzdem warnen Gewerkschaften.

Menschen mit einem 450-Euro-Job gehören in Mönchengladbach zu den Verlierern der Corona-Pandemie. Ihre Stelle ist leicht zu kündigen, viele haben infolgedessen ihre Beschäftigung verloren. Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Mönchengladbach unter Berufung auf Zahlen der Agentur für Arbeit mitteilt, ist die Zahl der Minijobber in der Stadt von März 2020 bis März 2021 auf 23.661 zurückgegangen. Das war ein Rückgang um 6,2 Prozent, im März 2020 (also gerade zu Beginn der Pandemie) hatte die Arbeitsagentur noch 25.661 Minijobs in der Stadt registriert. Allein im Gastgewerbe habe es nach DGB-Angaben in diesem Zeitraum einen Rückgang um 9,4 Prozent gegeben.  Dabei seien es vor allem Frauen, die in 450-Euro-Jobs tätig sind. 13.705 Minijobber sind demnach weiblich, nur 9.956 Männer gehen einer solchen geringfügigen Beschäftigung nach.

Die Reform-Pläne der Ampel-Koalition im Bund stoßen bei den Gewerkschaftern in der Region auf gemischte Reaktionen. Der Mönchengladbacher DGB-Vorsitzende Patrick Stock etwa kritisiert, dass durch die Anhebung der Minijobgrenze auf 520 Euro nur noch mehr solcher Beschäftigungsverhältnisse entstünden, die „null soziale Sicherheit bieten“, so Stock: „Minijobs bedeuten bei Jobverlust kein Kurzarbeitergeld, kein Arbeitslosengeld und für viele nach Arbeitsende auch keine Rentenansprüche.“

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Ähnlich sieht dies die Regionalchefin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Ina Korte-Grimberg. Die NGG geht von 14.500 Gladbachern mit Minijobs aus, davon 1750 in der Gastronomie. Geringfügig Beschäftigte würden dann zwar 70 Euro im Monat mehr verdienen als heute. „Die Gefahr ist aber, dass Minijobs damit immer mehr reguläre Arbeitsplätze verdrängen. Und sie drohen auch zur Teilzeit-Falle zu werden: Beschäftigte geben sich notgedrungen schneller mit 520 Euro pro Monat zufrieden, obwohl sie eigentlich gern ein paar Stunden länger arbeiten und ein paar Euro mehr verdienen würden“, warnt Ina Korte-Grimberg. Sie kritisiert, dass Minijobs „nicht vom ersten Euro an sozialversicherungspflichtig“ seien: „Minijobs bieten keine Kranken-, keine Arbeitslosen- und keine Pflegeversicherung. Und in der Regel auch keine Einzahlung in die Rentenkasse.“

(angr)