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Bayer 04 Leverkusen: Im Borussia-Park endet die Leidenszeit der Werkself

Kollektive Erleichterung : In Gladbach endet Bayers Leidenszeit

Die Werkself atmet nach dem ersten Ligasieg seit Anfang Dezember auf. Trainer Gerardo Seoane lobt die Griffigkeit und Dynamik seiner Mannschaft, die Platz drei zurückerobert hat.

Bayer Leverkusen hat seine Sieglos-Serie nach 42 Tagen beendet. Die Erleichterung bei den Verantwortlichen des Werksklubs im Anschluss an den 2:1 (0:0)-Sieg bei Borussia Mönchengladbach war entsprechend groß. „Auf der Trainerbank waren wir in den letzten Minuten angespannter als sonst“, sagte Bayers Trainer Gerardo Seoane, „weil wir es das ganze Jahr schon erlebt haben, dass wir nach Führungen Punkte abgeben mussten.“

In der Hinrunde hatte sein Team allein drei Mal eine Zwei-Tore-Führung verspielt. Im Borussia-Park kam die Werkself hingegen mit einem blauen Auge davon. Nach Toren von Robert Andrich (51.) und Patrik Schick (74.) führten die Gäste abermals mit 2:0, ehe Nico Elvedi mit seinem Anschlusstor die spannende Schlussphase einläutete (81.). Dass Leverkusen überhaupt zittern musste, lag vor allem an der mangelhaften Chancenausbeute in der zweiten Halbzeit. Den Gästen versagten vom Elfmeterpunkt gleich zwei Mal die Nerven. In der 50. Minute scheiterte zunächst Schick an Gladbachs Torhüter Yann Sommer, drei Minuten vor dem Ende fand Kerem Demirbay im Schweizer Schlussmann seinen Meister.

„Wenn man solche Gelegenheiten liegen lässt, wird man normalerweise bestraft“, sagte Sportgeschäftsführer Rudi Völler mit Verweis auf das ungeschriebene Fußballgesetz. Dass seine Leverkusener den Rasen als Gewinner verließen, war für den 61-Jährigen dennoch folgerichtig. „Ich fand‘s hochverdient“, sagte er. Dem Weltmeister von 1990 zufolge könne das Team inzwischen besser mit Rückschlägen umgehen. „Das ist wichtig, zu sehen.“

Auch Sportdirektor Simon Rolfes atmete nach den ersten Auswärtspunkten seit dem 3:1 Ende November in Leipzig auf. „Das war keine gute Phase, auch ergebnistechnisch nicht“, betonte er mit Blick auf die Leidenszeit zuletzt. In Gladbach aber habe die Mannschaft konsequent verteidigt und verdient drei Punkte eingefahren. „Manchmal brauchst du auch Spiele, in denen du leiden musst“, sagte Rolfes.

Durch den Triumph hat Leverkusen den vor Wochen verlorenen dritten Platz hinter dem Spitzenduo aus München und Dortmund zurückerobert. Coach Seoane betonte, dass er bereits vor dem 2:2 zum Jahresauftakt gegen Union Berlin versucht habe, mehr „positive Schärfe“ im Training zu vermitteln. Gegen die Köpenicker habe es das Team schon ganz gut umgesetzt, in Gladbach sei es nun noch einmal besser gewesen.

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„Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, was die Griffigkeit, die Dynamik und das Selbstbewusstsein mit dem Ball angeht. Das war eine gute Leistung.“ Ein erneuter Ausgleich wäre für ihn und die Mannschaft daher nur schwer verkraftbar gewesen. „Wir waren uns in dem Moment bewusst, dass es ein harter Schlag für die Mannschaft gewesen wäre, wenn wir dieses Spiel nicht nach Hause gebracht hätten.“

Abwehrchef Jonathan Tah lobte sein Team vor allem für den enormen Aufwand in der Defensive. „Ich habe gespürt, dass wir das Spiel gewinnen würden – egal, was passiert“, sagte der 25-Jährige. Hätte Leverkusen noch das 2:2 kassiert, wäre das in seinen Augen „natürlich eine Katastrophe gewesen.“ So aber feiert Bayer im Borussia-Park den ersten Sieg nach anderthalb Monaten und ist dem großen Ziel, nach zwei Jahren Abstinenz in die Champions League zurückzukehren, wieder ein Stück näher gekommen.