Mönchengladbach: Tour de Düsseldorf mit der Tante Ju

Niederrhein-Rallye im Kreis Viersen : Oldtimer-Tour mal ganz französisch

Sie gehört seit vielen Jahren zum Frankreichfest in Düsseldorf und machte jetzt auch im Kreis Viersen Station: 150 französische Klassiker starteten bei der „Tour de Düsseldorf“ zur Rundfahrt an den Niederrhein.

Der Stopp vor dem Hugo Junkers-Hangar wird zum Defilee der französischen Oldtimer. Bugatti, Rosengarts, die als „Göttin“ verehrten legendären DS, Citroen Traction Avants und andere französische Klassiker queren die große Halle. Vor der alten Junkers Ju 52 lassen die Fahrer ihre Lieblinge ablichten – und sind begeistert: Von der „Tante Ju“, von der Location, von Mönchengladbach. Der Hangar ist die letzte Station der großen Oldtimerrallye „Tour de Düsseldorf“ vor der Rückkehr in die Landeshauptstadt. Die Oldtimertour mit ausschließlich französischen Raritäten läuft parallel zum Fest der deutsch-französischen Freundschaft. 150 Klassiker sind morgens am Burgplatz gestartet. Der Weg führt zur Bolten Brauerei in Korschenbroich (deren Chef Michael Hollmann auch eine Leidenschaft für Oldtimer hat), von dort aus vorbei an Schloss Neersen, durch Viersen zum Schwalmtaler Gasthaus Am Heidweiher und über den Stopp am Hugo-Junkers-Hangar zurück nach Düsseldorf.

Stefan Schneider fährt die Tour am Steuer einer hellblauen „Ente“, Citroen 2 CV. Die Marke feiert 2018 ihr 70-Jähriges. Daher hat Schneider sein Schätzchen aufgerüstet mit Wimpeln und Geburtstagsbändern. „Sie ist mein erstes Auto, meine Treueste“, sagt er schmunzelnd über das blaue Auto. Der Kauf sei damals, vor 45 Jahren, eine Revolution und nur dank der Unterstützung durch seine Oma möglich gewesen, sagt der 63-jährige Mönchengladbacher.

„Blue Carmague“ lautet die französische Originalbezeichnung für das Blau mit sanftem Stich ins Türkise. In den Papieren steht „Azurblau“, das Kraftfahrtbundesamt hatte den Farbton nicht anders einordnen können. In der Beziehung der Ente mit dem Namen „Maggy“ und ihrem Fahrer gab es eine „schlimme Zeit“, in der das Fahrzeug wegen nötiger Restaurierung stillstehen musste. Bis aufs Lackieren hat Schneider die Arbeiten selbst ausgeführt.

Stefan Schneider aus Mönchengladbach war mit seiner „Maggy“ dabei, einem Citroen 2CV, den er vor 45 Jahren gekauft hat. Foto: Stephan Schellhammer

Vor wenigen Wochen war er mit seiner Maggy noch bei der großen Rallye in Berlin, nun sind beide ein verlässliches Team vorbei an Wiesen und Feldern vom Niederrhein. Eine „Ente“ zaubert vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Immer wieder winken Radfahrer und Fußgänger vom Straßenrand und zeigen mit hochgestrecktem Daumen ihre Anerkennung. Ebenso gibt es Autofahrer, die schnöde das kleine Auto überholen und noch nicht einmal den Blinker setzen. „Wir sind beide miteinander alt geworden und müssen uns nicht mehr so hetzen“, sagt Schneider, der mit maximal 80 bis 90 Stundenkilometern nicht die Höchstleistung ausreizt. Dem Auto gönnt er Super Plus, da sich seine „Maggy“ daran gewöhnt hat.

Bei der Bolten-Brauerei standen die Teilnehmer Schlange. Foto: Stephan Schellhammer
Die Tour startete in Düsseldorf: Hier Hanni Heggen mit ihrer Diane. Foto: Bretz, Andreas (abr)

In Schwalmtal ruhen sich die Fahrer auf der Terrasse des Restaurants Am Heidweiher aus. Beim Mittagessen erzählt der Meerbuscher Bernd Harzer, dass er den Sportwagen Alpine A 110 seit 34 Jahren fährt und ihn damit länger kennt als seine Frau. Harzer ist fast immer bei der Tour dabei. Er mag den Austausch mit Gleichgesinnten und die entspannte Atmosphäre. „Das ist hier sehr gut ausgeschildert, und der Niederrhein ist toll“, sagt er zufrieden. Der Düsseldorfer Jürgen Rehmann hat zwei „Enten“ am Start. Die eine fährt er in Begleitung seiner Frau. Tochter und Schwiegersohn fahren den zweiten Oldtimer. Zuhause hat der Autoliebhaber noch ein 280 SL Cabrio sowie ein alltagstaugliches Auto für schlechtes Wetter. Einen der ältesten Oldtimer der Tour steuert der Wuppertaler Heinz Jaspert: einen mehr als 90 Jahre alten Bugatti, einen „reinrassigen Grand-Prix-Rennwagen“. Mönchengladbach wird ein Teilnehmer in besonders guter Erinnerung behalten: Er blieb mit seinem Oldtimer liegen, erhielt von einer Polizeistreife spontan Starthilfe. „Hut ab vor der Polizei Mönchengladbach“, hieß es später anerkennend, berichtet Hangar-Chef Thorsten Neumann.

Mehr von RP ONLINE